Abschaffung der Bundesjugendspiele - auch Bottrop diskutiert

Beim Schwimmen im Hallenbad neben dem Jahnstadion weisen Schülerinnen und Schüler des Josef-Albers-Gymnasiums ihre Ausdauer nach.
Beim Schwimmen im Hallenbad neben dem Jahnstadion weisen Schülerinnen und Schüler des Josef-Albers-Gymnasiums ihre Ausdauer nach.
Foto: FUNKE Foto Services
Beim Sportfest des Albers-Gymnasiums stecken Bundesjugendspiele mit drin. Sollte man sie abschaffen? Forderung einer Mutter löst heftige Debatten aus.

Bottrop.. Jubel brandet auf beim Sportfest des Josef-Albers-Gymnasiums im Jahnstadion. Dieser gilt nicht etwa einem Sportler, der im Spurt die Ziellinie überquert - die Schulband spielt den ersten Song. „Alles aktuelle Hits. Ich kenne keinen einzigen“, scherzt Kunstlehrer Thorsten Kyon noch, bevor er auf die Bühne springt und zur Gitarre greift.

Bundesjugendspiele Über tausend Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums rennen, werfen, springen im Jahnstadion, turnen in der Dieter-Renz-Halle oder schwimmen im Hallenbad. Von Klasse fünf bis Klasse neun und auch in zwei Oberstufenjahrgängen legen die jungen Leute ihr Sportabzeichen ab, die anderen helfen als Wettkampfrichter. Alle zwei Jahre organisiert das Lehrerkollegium des Albers-Gymnasiums dieses Fest im Stadion.

Sport ist dabei nicht alles. Tanzgruppen treten auf, Abi-Bands spielen und auch die Lehrer-Schüler-Band. Noch dichter umlagert als die Musikbühne kurz hinterm Stadiontor ist nebenan der Grillstand, und vor dem Eiswagen ist an dem sonnigen Morgen kaum ein Durchkommen. „Ich habe gleich 800 Meter“, raunt in dem Pulk eine Schülerin ihrer Freundin zu. Ihr ist ein wenig bange. Sie befürchtet, dass ihre Ausdauer und Kraft nicht über die volle Distanz ausreichen dürften. „Ein bisschen Sport zum Ende des Schuljahres ist doch cool“, findet dagegen Elias Neumann, und auch Phil da Silva meint: „Ich finde das gut, ein Sportfest vor den Ferien ist prima“. Sieger- und Ehrenurkunden gebe es dann nach den Ferien, erzählen die zwei Fußballfans.

Misserfolge auch beim Rechnen

Dabei rufen die Sportlehrer des Albers-Gymnasiums gar nicht mehr zu den Bundesjugendspielen alter Prägung auf, erklärt Stadionsprecher Thorsten Röwer. „Die stecken hier irgendwie mit drin“, sagt der Sportlehrer. Die Sportfachschaft gebe ganz bewusst den Sportabzeichenprüfungen den Vorzug. „Diese sind vielfältiger. Die Schüler können aus mehr Sportübungen auswählen“, erklärt Röwer.

Der Lehrer kann nachvollziehen, dass Misserfolge im Sport gerade bei Kindern demotivierend sein können. Deshalb die Sportspiele völlig abzuschaffen, wie es eine erzürnte Mutter in einer Online-Petition nun fordert, hält er indes für überzogen. „Auch beim Bruchrechnen kann man Misserfolge erleben“, betont er, und auch Kunstlehrer Thorsten Kyon meint: „Ich fand Bundesjugendspiele immer gut“.

Mutter fordert Abschaffung der Schulwettkämpfe

Weil Sport Spaß machen und auch für mehr Selbstbewusstsein sorgen sollte, hat die Autorin und Bloggerin Christine Finke eine Online-Petition zur Abschaffung der Bundesjugendspiele gestartet.

Denn ihr Sohn kam eines Tages weinend nach Hause, weil er bei den Bundesjugendspielen an seiner Schule nur eine Teilnehmerurkunde erhalten hatte. Am Sonntag startete die darüber erzürnte Mutter ihre Petition. Die Bloggerin löste damit eine heftige Diskussion in den sozialen Medien aus. In wenigen Stunden schlossen sich tausende Unterstützer an. Sogar der Online-Ableger der Tagesschau berichtet darüber. „Ich tue das für all die Kinder, die jedes Jahr am Abend vor den Bundesjugendspielen Bauchschmerzen haben, für jene, die während der Wettkämpfe am liebsten im Boden versinken würden“, begründet die Journalistin ihre Aktion, und meint: Es wäre schon ein Fortschritt, wenn der Zwang zur Teilnahme abgeschafft würde.

Mehr dazu finden Sie auch auf: www.mama-arbeitet.de