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Abitur-Option ist Bedingung

14.11.2010 | 20:05 Uhr
Abitur-Option ist Bedingung
Die Gemeinschaftsschule soll längeres gemeinsames Lernen ernöglichen - wie die Gesamtschule. Foto: Archiv

Bottrop. Die Diskussion über Schulformen der Zukunft prägte den Unterbezirksparteitag der SPD in der Willy-Brandt-Gesamtschule. Drei Referenten verdeutlichten auf dem Podium ihre Standpunkte: Die Gemeinschaftsschule könne ein Modell sein, um dem Elternwillen zu entsprechen und die Kinder adäquat zu fördern. Und: An der Inklusion, also der Aufnahme behinderter Kinder in die Regelschule, führe kein Weg vorbei.

Die Hauptschulen sind für die meisten Eltern unattraktiv, und ihre Verschmelzung mit den Realschulen sieht Renate Palberg, stellv. Vorsitzende des Schulausschusses, ebenfalls kritisch. Denn das Gymnasium sei wegen seiner Abitur-Option klarer Favorit bei den Eltern, die für ihre Kinder höherwertige Schulabschlüsse anstreben. Gesamtschullehrer und Landtagsabgeordneter Wolfgang Große Brömer kennt den Grund: „Der Arbeitsmarkt für gering Qualifizierte ist komplett zusammengebrochen.“ Längeres gemeinsames Lernen eröffne dem Schüler bessere Perspektiven und zahle sich auch aus Sicht von Handwerk und Wirtschaft aus.

Moderator Frank Beicht sprach wohl vielen SPD-Mitgliedern aus dem Herzen, als er nach dem Unterschied zwischen Gesamt- und Gemeinschaftsschule fragte. „Wenn wir nur Gesamtschulen hätten, bräuchten wir das Thema Gemeinschaftsschule nicht zu behandeln“, antwortete Ulrich Thünken aus dem NRW-Schulministerium. Die regional stark unterschiedlichen Schulstrukturen sind aus seiner Sicht der Kern des Problems. Die Bildung von Gemeinschaftsschulen, die ein längeres gemeinsames Lernen ermöglichen, den Kommunen per Erlass zu verordnen, hält er für einen schlechten Weg: „Bei Schulen auf Konsens zu setzen, ist nicht schlecht.“

Wolfgang Große-Brömer sieht die Gemeinschaftsschule als Kompromiss, „um möglichst viele Schüler mitzunehmen.“ Die Gesamtschule flächendeckend durchzusetzen, sei nicht möglich, denn das Thema sei ideologisch besetzt und ein Schulkrieg zu vermeiden. Die Gemeinschaftsschule bilde eine bei den Eltern akzeptierte Zwischenform, meinte der überzeugte Gesamtschul-Befürworter.

Mit diesem Gedanken kann sich Ex-Bundestagsabgeordneter Dieter Grasedieck anfreunden, doch hält er die Einführung der Gemeinschaftsschule unter den Bedingungen einer städtischen Struktur für nicht einfach. Andere teilten seine Meinung. Eine Gemeinschaftsschule in Bottrop gründen, ohne andere Schultypen zu gefährden: „Wie soll das gehen?“, lautete die Frage. Man könne nur die Anregung geben, das Modell auf kommunaler Ebene zu überprüfen, war die Antwort.

Am Ende der Diskussion dankte SPD-Vorsitzender Michael Gerdes den Referenten: „Viele Fragen sind beantwortet worden.“ Doch an manchen Tischen quittierten die Mitglieder diesen Satz mit energischem Kopfschütteln.

Marie-Luise Schmand

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