50 Jahre Steinmann-Orgel in der Martinskirche

Die Orgel der Martinskirche in Bottrop wird 50 Jahre alt. Drei besondere Tage der Kirchenmusk plant Kantor Matthias Uphoff für dieses Jahr.
Die Orgel der Martinskirche in Bottrop wird 50 Jahre alt. Drei besondere Tage der Kirchenmusk plant Kantor Matthias Uphoff für dieses Jahr.
Foto: Labus / FUNKE Foto Servises
Das Instrument der Orgelbaufirma Steinmann hat bis heute nichts von seinem Charme und handwerkllichen Qualität verloren. Allerdings wurde bereits von Anfang an eine Möglichkeit zur Erweiterung geschaffen. Eine Idee, die bis heute nicht vergessen ist.

Bottrop..  In diesem Jahr feiert die Gemeinde der Martinskirche das 50-jährige Bestehen ihrer Orgel. Am Reformationsfest, dem 31. Oktober 1965 konnte das Instrument der Firma Steinmann aus dem ostwestfälischen Vlotho feierlich eingeweiht werden. Das nehmen die evangelische Gemeinde und vor allem auch Martinkskantor Matthias Uphoff zum Anlass, im Frühjahr nicht nur die Orgel überholen zu lassen, sondern auch besondere Tage der Kirchenmusik zu veranstalten.

„Denn nicht nur die Orgel, sondern auch der von meinem Vorgänger Gerhard Kemena gegründete Revierglockenglockenchor feiert in diesem Jahr Jubiläum, er besteht 30 Jahre“, sagt Matthias Uphoff. Der 34-Jährige übernahm vor sechs Jahren mit der Stelle an der Martinskirche nicht nur die prominenteste Kirchenmusikerposition des evangelischen Bottrop, sondern zugleich auch die einzige volle Stelle. Die übrigen drei festen Kirchenmusikerstellen in Welheim, Fuhlenbrock und Kirchhellen-Grafenwald sind längst keine 100-Prozent-Stellen mehr, obwohl die Aufgabe eines Kirchenmusikers weit über die Orgelbegleitung der Gottesdienste oder die Leitung des Kirchenchores hinausgeht.

Aber die evangelische Gemeinde, die seit einiger Zeit wieder - wie zu ihrer Gründung im späten 19. Jahrhundert - das gesamte Bottroper Stadtgebiet umfasst, will offensichtlich auch weiterhin in der Martinskirche einen Schwerpunkt setzen.

Als vor 50 Jahren nach gründlicher Renovierung dieses ältesten protestantischen Gotteshauses der Stadt eine neue Orgel, das dritte Instrument seit Einweihung der Kirche 1884, angeschafft wurde war klar: „Man wollte ein handwerklich gutes Instrument haben, dass sowohl für den Gottesdienst, Konzerte aber auch für Continuo-Aufgaben unterschiedlicher Ensembles geeignet ist“, sagt Matthias Uphoff. Und das erfüllt die Orgel bis heute.

Der Orgelbauer Steinmann, der auch in einigen Wochen die Überholung und Reinigung der Orgel durchführt, weckt bei Uphoff so etwas wie Heimatgefühle. Auch er stammt aus Ostwestfalen, studierte zunächst in Herford, später in Köln Kirchenmusik, wo er auch sein A-Examen ablegte. Steinmann war gerade in den 50er und 60er Jahren einer der bevorzugten Orgelbauer im evangelischen Westfalen. „Der damalige Orgelsachverständige der Landeskirche, Arno Schönstedt, hatte eine gute Beziehung zu Steinmann“, so Uphoff. Schönstedt spielte auch das Eröffnungskonzert auf der in Zusammenarbeit mit dem berühmten Organisten und Komponisten Siegfried Reda und Gerhard Kemena disponierten Orgel.

Drittes Instrument seit 1884

Mit ihren 25 Registern (Stimmen) verteilt auf zwei Manuale und Pedal zählt die Martins-Orgel zu den Instrumenten mittlerer Größe. Obwohl in den 60er Jahren entworfen, einer Zeit, als man die früheren romantisch disponierten Orgeln „barock“ umbaute oder komplett entsorgte , verfügt die Steinmann-Orgel über einen weichen, grundtönigen Klang und einige schöne Solostimmen.

„Von Anfang an hatte man die Möglichkeit der Erweiterung um ein Brustwerk mit vier bis sechs Registern vorgesehen, das den Klang ideal abrunden würde“, so Kantor Matthias Uphoff. Die Orgel verfügt über eine schöne, typische Bach-Disposition, ohne das sie die unangenehme Schärfe aufweist, die andere Instrumente dieser Zeit oft hätten. Mit dem vom damaligen Team um Siegfried Reda und Gerhard Kemena geplanten Brustwerk, könnte auch die Musik der Romantik ideal interpretiert werden.

Bereits 1884 gab es eine kleine Orgel der Firma Fleiter mit acht Registern. 1934 ließ die Gemeinde ein 26-Register-Instrument der Firma Faust bauen.

Im Mai plant Uphoff ein Konzert mit Musik von Komponisten aus dem Ruhrgebiet. Im Juni wird es ein Konzert mit den Revierglockenchor, dem Zupforchester Kirchhellen und der Musikschule geben. Im Oktober findet ein Orgelsonntag mit Gottesdienst, Kammer-, Chormusik und Kinderkonzert statt.