30 Jahre führt sie den Paritätischen

Foto: Oliver Mengedoht
Was wir bereits wissen
  • Seit 1986 ist Andrea Multmeier Geschäftsführerin des Paritätischen
  • Sie ist landesweit unterwegs und in Kontakt mit Organisationen und Verbänden
  • Unternehmen für soziales Engagement zu gewinnen, ist Projekt für die Zukunft

Bottrop..  Als sie sich einst beim Paritätischen Wohlfahrtsverband beworben hat, kannte sie diese Organisation eigentlich überhaupt nicht. „Und heute ist es mein Lieblingsverband“, stellt Andrea Multmeier schmunzelnd fest. Seit 1986 ist sie Geschäftsführerin des Paritätischen in Bottrop und sieht es noch heute als eine ihrer Hauptaufgaben, den Verband in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. „Die Menschen kennen die uns angeschlossenen Organisationen und Verbände – wie Aidshilfe, Kinderschutzbund oder Arbeiter-Samariter-Bund – aber nicht den eigentlichen Dachverband.“

Ihr Büro im Dachstuhl des Hauses der Vielfalt wirkt nahezu gemütlich, doch viele farbige Ordner stapeln sich in Regalen und auf dem Schreibtisch. „Ich brauche Ordnung im Arbeitsalltag“, so Andrea Multmeier. Doch im Chefsessel ihres Büros sitzt die 57-Jährige dennoch eher selten, sie ist vor allem landesweit unterwegs und ständig in Kontakt mit den dem Paritätischen angeschlossenen sozialen Organisationen und Einrichtungen. 70 sind es allein im Bottroper Stadtgebiet, landesweit 3200. „Es ist immer wieder eine große und spannende Aufgabe, deren Arbeit zu unterstützen, Themen aufzugreifen sowie Verbände und Netzwerke zusammenzubringen“, so Multmeier und nennt die Projekte „Menschen stärken Menschen“ und „Ruhrdax“ in ihrem Arbeitsbereich „Bürgerschaftliches Engagement“ als erfolgreiche Beispiele.

So sehr die Bottroperin heute ihren Beruf liebt und lebt, so wenig war dieser einst geplant. „Nach der Schule wusste ich eigentlich noch gar nicht, was ich machen sollte“, gibt Andrea Multmeier zu. Eher zufällig arbeitete sie zunächst zwei Jahre bei Adveniat, bearbeitete Projekte für Lateinamerika und schloss dann noch ein freiwilliges soziales Jahr im Kinderdorf Köllnischer Wald an. „So stellte ich fest, wie sehr mich einerseits das Soziale andererseits auch Verwaltung und Organisation interessierten.“

Also studierte sie Diplom-Sozialpädagogik an der damaligen Universität Essen, 1985 begann ihr Berufsleben beim Paritätischen - zunächst in Oberhausen, dann ab 1986 in Bottrop. Natürlich habe sich der Arbeitsalltag in den drei Jahrzehnten sehr gewandelt. „Beispielsweise war Selbsthilfe damals im Stadtgebiet überhaupt noch kein Thema, heute gibt es etwa 70 Initiativen.“ Seit etwa 16 Jahren bestehe das Selbsthilfebüro. „Unsere Arbeit lebt davon, dass plötzlich Menschen im Büro stehen und etwas aufbauen möchten“, so Multmeier. „Unsere Aufgabe ist, sie dabei zu unterstützen und zu begleiten.“ Grundsätzlich habe sich die Einstellung der Menschen gewandelt. „Sie ziehen sich heute nicht mehr mit ihren Problemen ins stille Kämmerlein zurück, sondern suchen aktiv Hilfe.“ Mit Blick in die Zukunft möchte Multmeier verstärkt Unternehmen für soziales Engagement gewinnen. Im Projekt „Innovation City“ sieht die Geschäftsführerin nicht nur eine energetische sondern auch eine soziale Aufgabe: „Wir können viel schaffen, aber miteinander!“