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Stadtgeschichte

1946 fängt der Karneval in Bottrop ganz bescheiden an

20.01.2016 | 12:15 Uhr
Bacchus Beerdigung 1953 bei der ältesten der Bottroper Karnvelasgesellschaften. „Stellkeswägg“.Foto: Winfried Labus / FUNKE Foto Services

Bottrop.   Erste närrische Session nach dem Krieg spielte sich meist im Privaten oder in wenigen Gasthäusern ab. Von 1939 bis 1949 ruhte der Straßenkarneval.

Bereits als Bottrop noch Dorf war - wenn auch bereits ein großes - feierte man Ende des 19. Jahrhunderts Karneval mit einem Umzug. Denn schließlich gab es seit 1881 auch mit der KG Stellkeswägg die älteste Karnevalsgesellschaft am Ort. Karneval spielte immer eine große Rolle in der überwiegend katholischen Stadt - auch wenn Bottrop nicht zum Rheinland gehört.

Vor 70 Jahren atmeten die Menschen wieder auf

Auch während der NS-Zeit blieb das Karnevalsbrauchtum lebendig, wenn auch unpolitisch. Der zweite Weltkrieg setzte dem Treiben - zumindest öffentlich und auf den Straßen - ein Ende. Aber vor 70 Jahren atmeten die Menschen auf. Der Krieg war seit Mai 1945 zu Ende - Karneval konnte wieder gefeiert werden.

„Natürlich zunächst nur im kleinen Rahmen“, erinnert sich Mia Jungmann. Die Bottroperin, Jahrgang 1929, die es später einmal bis zur Karnevalsprinzessin bringen sollte (siehe Bericht auf dieser Seite), feierte mit 17 Jahren natürlich noch nicht unbeaufsichtigt in der Stadt.

„Wir feierten privat, mit Nachbarn, Freunden oder Verwandten. Die Erwachsenen waren natürlich schon in der Stadt, in den nicht zerstörten oder provisorisch wieder hergerichteten Gasthäusern unterwegs.“ Alles lief erst noch bescheiden ab. „An Süßigkeiten oder das berühmte Fettgebackene war erst nach der Währungsreform zu denken, vorher mussten wir mit allem improvisieren“, erinnert sich die Karnevalistin.

„Man hat sich mehr verkleidet“

Seit dem Ausbruch des Krieges 1939 ruhte in Bottrop der Straßenkarneval. Erst 1949 gab es wieder größere Veranstaltungen. „Da habe ich auch erstmals richtig gefeiert, mit der Großen Karnevalsgesellschaft, natürlich im alten Kolpinghaus“, sagt Mia Jungmann. Das war mit einigen anderen Traditionsgaststätten, die über Säle verfügten, eines der Karnevalszentren in Bottrop. Eines steht fest: „Man hat sich mehr verkleidet, feierte spontaner, jedenfalls kommt mir das aus heutiger Sicht so vor“, sagt Mia Jungmann. Und in jeder Sitzung präsentierte jede Gesellschaft vor allem ihre närrischen Eigengewächse.

„Erst später holte man Schlagersänger oder professionelle Entertainer dazu“, sagt auch Elsbeth Müller, ebenfalls Ex-Karnevalsprinzessin. Sie ist nicht nur in der fünften Jahreszeit aktiv, sondern auch in der Historischen Gesellschaft.

1959 hatte Bottrop wieder seinen Rosenmontagszug

Wo früher, lange vor dem Krieg, vor allem „Stellkeswägg“ das Zepter in de r Hand hatte, waren es später die fünf Gesellschaften, die den Sitzungs- aber auch den Straßenkarneval prägten, so Müller. KG 13, die Große KG, KG Boy, seit 1958 auch die KKG: alle beteiligten sich. Und 1959 hatte Bottrop endlich auch wieder seinen eigenen Rosenmontagszug. Die Jecken mussten nun nicht mehr nach Osterfeld, Essen oder bis ins ferne Rheinland ausweichen.

Die Ansprüche stiegen. Was unmittelbar nach dem Krieg gut genug war, genügte bald nicht mehr. Das stellen Elsbeth Müller und Mia Jungmann unabhängig von einander fest. Vor das Fernsehen brachte die professionelle Konkurrenz aus Mainz direkt in die Bottroper Wohnzimmer. Und Bottrop? Reagierte - auch, in dem man sich zusammenschloss und 1967/68 mit Heinz Eickholt und Ilse Weinberg erstmals ein gemeinsames Stadtprinzenpaar kürte und zur großen Prunksitzung in den Lichthof lud.

Geschichte des Karnevals

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2016-01-20 12:15
Bottrop, Stadtgeschichte, Karneval, Krieg, Stadtprinzenpaar, Rosenmontagszug, Karnevalsgesellschaften
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