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Mahnwache

17 Atomkraftwerke zu viel

20.03.2011 | 17:14 Uhr
17 Atomkraftwerke zu viel
Die Ereignisse an den Reaktoren in Japan lieferten Gesprächsstoff über Parteigrenzen hinweg. Als einzige der im Rat vertretenen Parteien beteiligte sich die CDU nicht an der Mahnwache. Foto: Birgit Schweizer / WAZ FotoPool

Bottrop. Wie zurzeit an vielen Orten in der Bundesrepublik, rief auch in Bottrop am Samstag ein überparteiliches Bündnis zur Mahnwache wegen des Reaktorunglücks in Japan auf.

In der Innenstadt versammelten sich unter Federführung der Grünen Mitglieder der SPD, der Linken, der DKP, der ÖDP und des Bundes für Natur- und Umweltschutz, um gemeinsam an die schlimmen Ereignisse in Japan zu erinnern und die unkalkulierbaren Gefahren der Atomenergie aufzuzeigen.

17 Atomkraftwerke sind in Deutschland momentan am Netz, „17 zu viel“, ginge es nach dem Bottroper Aktionsbündnis. „Niemand kann das quantitative wie auch qualitative Restrisiko definieren, das bei Atomkraftwerken gegeben ist. Auch reicht unsere Phantasie nicht so weit, dass wir uns sämtliche Schreckensszenarien der höheren Gewalt ausmalen können“, war sich Melanie Fras sicher, Sprecherin des Kreisverbandes Bottrops der Grünen. Eine Meinung, die Fras mit zahlreichen erschienenen Politikern teilte.

Auch manche Bürger machten teils mit Ansteckbuttons und Aufklebern mobil gegen Atomenergie. Bundestagsabgeordneter Michael Gerdes (SPD) hielt einen Ausstieg aus der risikobehafteten Energiegewinnung für unumgänglich. Es sei zwar unrealistisch, von heute auf morgen auszusteigen, mittelfristig aber müsse man „Meiler für Meiler abschalten“.

Skepsis dominiert

Vor kurzem sorgten Aussagen der Bundeskanzlerin, der Ausstieg aus der Atomenergie müsse nun beschleunigt werden, für Reibereien mit der FDP in der Koalition. Das Bottroper überparteiliche Bündnis hält Angela Merkels Stellungnahme in dieser Sache für unglaubwürdig. „Das ist Wahlkampf“, sprach die SPD-Landtagsabgeordnete Ruhkemper ihren Mitstreitern aus der Seele. Auch Melanie Fras von den Grünen und Marianne Domian der ÖDP waren mehr als skeptisch, dass „die Kanzlerin das nach den Wahlen in diesem Jahr noch genauso sieht“. Merkel wisse, woher der Wind wehe und versuche, dies nun zu nutzen, vermutete auch Michael Gerdes. Die Grünen, deren erklärtes Ziel seit jeher der Atomausstieg ist, wollten jedoch nichts davon wissen, dass die Katastrophe in Japan nun Wasser auf ihre Mühlen sein könnten. „So etwas Schreckliches kann niemals Mittel zum Zweck sein“, stellte Sprecherin Fras klar. Auch ohne derartige Katastrophen forderten die Grünen seit jeher den Ausstieg aus der Atomenergie.

Kai Kühn

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Kommentare
22.03.2011
16:03
17 Atomkraftwerke zu viel
von JohnGalt | #3

@samsa: Sie haben anscheinend nichts von dem verstanden. Es gibt auch Realitäten diesseits der öffentlich-rechtlichen und linientreu-opportunistischen Hofberichterstattung. Lesen Sie diesen Beitrag, der trifft es noch besser…

http://fdogblog.wordpress.com/2011/03/19/fukushima-essen-deutschland-auf/

22.03.2011
06:56
17 Atomkraftwerke zu viel
von Samsa | #2

@JohnGalt
Köstlicher Beitrag, käme noch besser, wenn er als Ironie gekennzeichnet worden wäre. Oder glauben Sie tatsächlich was Sie schreiben. Dann wäre es allerdings nur peinlich. Wenn außer CDU und FDP alle anderen (inklusive zweier Naturschutzverbände) auf die Straße gehen nennt man das also Volksfront. Wenn das dann auch noch geschieht im Gedenken an die Menschen in Japan, die an den Folgen des Erdbebens, des Tsunamis und der Reaktorkatastrophe leiden, dann nennen Sie es Wahlkampf. Ach hätten Sie doch den gemeinsamen Aufruf zur Mahnwache gelesen, aber sich zu informieren ist vielleicht nicht Ihre Stärke. Und dann gelingt es Ihnen noch, ein Zitat von Hendryk M. Broder, dass an Zynismus und dümmlicher Geschwätzigkeit kaum noch zu überbieten ist, denjenigen unter zu schieben, für die Strom eben nicht nur aus der Steckdose kommt, sondern erst einmal produziert werden muss. Aber gut zu wissen, dass Sie (und Ihresgleichen) sicherlich sofort die Verantwortung übernehmen, wenn dann doch widererwarten etwas schief läuft. Sie melden sich dann bestimmt freiwillig und opfern Ihr Leben, um mit modernster Wasserschlauchtechnologie eine atomare Verseuchung eines ganzen Landes zu verhindern. Sie essen sicherlich auch Dioxinverseuchte Eier, damit es kein anderer tun muss. Oder überschätze ich Sie da einfach nur und Sie sind doch nur einer, der wenns brennt auf andere zeigt, laut Brandstifter ruft und wegläuft. Ich fürchte, sie sind Letzteres.

21.03.2011
10:17
17 Atomkraftwerke zu viel
von JohnGalt | #1

Politiker machen ausschließlich Wahlkampf und nichts anderes. So, so, die Volksfront organisiert eine Mahnwache wegen der schlimmen Ereignisse in Japan. Respekt! Schlimm ist es in der Tat in Japan, Erdbeben und Tsunami haben ein Inferno angerichtet. Der von allen Medien herbei geredete Super-Gau allerdings, die Katastrophe im KKW Fukushima ist allerdings ausgeblieben. Und was der Zwischenfall in 9000 km Entfernung mit den Reaktoren in Deutschland zu tun hat, ist mir schleierhaft. Die Hysterie gerade in Deutschland hat international für Kopfschütteln gesorgt. Die leidenden Japaner gehen mit den Ereignissen gelassener um. Hendryk M. Broder beschrieb in einem gewohnt köstlichen Artikel in der Welt die Situation um die Panikmache in Deutschland ganz treffend: „Wie schon das Ozonloch, das Waldsterben und das Dioxin in den Eiern. Niemand mag ausschließen, dass auch im Altmühltal die Erde demnächst beben und am Steinhuder Meer ein Tsunami toben könnte.“ Sachliche Informationen in den deutschen Medien: Fehlanzeige. Man muss dazu schon das Internet oder englischsprachige Medien (z.B. CNN, BBC, Al Jazeera) bemühen.
Don’t confuse me with facts, my mind is made up!

Und um die Energiekompetenz unserer Gesellschaftsklempner ist es nicht gut bestellt. Wer die Leistung eines KKW in Gigabyte angibt, hält Becquerel sicher für einen französischen Landwein.

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