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11. Gospelnacht - Gospel als Gala-Spektakel

20.05.2012 | 17:51 Uhr
Bei der 11. Bottroper Gospelnacht in der Cyriakuskirche zeigte der Chor „Gospel Teens International“, was er im Workshop gelernt hatte. Foto: Birgit Schweizer / WAZ FotoPool

Vom Moderator Harald Sadowski wurde alles an diesem Abend für „wunderbar“ erklärt: die Gäste, die Chöre, die Solisten, das Publikum – und „das Ganze“. Bottrops 11. Gospelnacht mit ca. 20 internationalen Ensembles und über 400 Sängern war in der Tat einmal mehr die beeindruckende Antwort auf das angebliche Sterben der chorischen Gruppen. Vor fast immer voller Kirche in St. Cyriakus – nur während des Champions-League-Finales fiel die (männliche?) Resonanz etwas schwächer aus – reihten sich alle Mitwirkenden in ein großes Musik- und Gottesfest ein. Organisator Dr. Waldemar Lusch, der die Idee des Gospeltreffens erstmals 2002 realisierte, hatte wieder die richtige Mischung aus traditioneller, konventioneller sowie exotischer oder innovativer Songklänge gefunden.

11.Bottroper Gospelnacht

Das Festival besitzt längst auf allen Ebenen professionelle Qualität: die Videoleinwand fängt Chöre und einzelne Mitglieder in Großaufnahme ein; Lichteffekte tauchen den Altarraum in ein Farbenmeer; Auf- und Abgänge der Teams geschehen reibungslos; die Tontechnik stimmt (bis auf wenige Momente); Kontraste im Programm sind gewollt und dienen kurzweiliger Abwechslung; die deutsch- und englischsprachigen Ankündigungen sind knapp und informativ. Bottrops Kulturimage kann durch die Gospelnacht nur gewinnen… Mit etwas Enttäuschung reagierten die Verantwortlichen zu Beginn auf die schwierigen finanziellen Bedingungen. Aber man lobte immerhin die „ideelle Unterstützung“ durch die Stadt. Wegen des freien Eintritts ließ man aber diesmal die Geldkörbe durch die Besucherreihen wandern. Es kam daher Einiges an Förderung wieder herein.

Positive Botschaft an die Welt

Die Gospelnacht beendet eine Woche mit Workshops, öffentlichen Auftritten, Begegnungen: Sie machten alle fit für die Gala am Samstag. Sonntag folgte noch ein Gospel-Gottesdienst in der Christuskirche.

Eine der erst jüngst gegründeten Formationen eröffnete das Gesangsfest: die Gospel-Teens unter Josh Cadman demonstrierten die musikalische Vitalität dieser Lieder zwischen Pop und Gebet. Sogar Fünfjährige sangen mit.

Dann ging es Schlag auf Schlag: der Efatta-Chor aus Grafenwald, die Oberhausener Choristen „Joyful noise“, das afrikanische Gospelprojekt (klasse!) trug den ganzen Kontinent singend in der Seele, der Engländer Kevin Kaczmarczyk gab hier sein Debüt, es folgte seine polnische Solistenkollegin Karolina Kurdziel, die Newcomer-Band „Apraise“ gewann bei ihrem Heimspiel viele neue Freunde usw. Gruppen aus Köln, Krefeld, Essen, Langenfeld, Krakau u.a. sorgten für weitere Gospel-Profile. Immer wieder hörte man die entscheidenden und prägenden Wörter: pray, Lord, Jesus, peace, happy day, people und Halleluja. Gospel als Kult, als Religion, als positive Botschaft an die Welt, als alle Generationen erreichende Kraft, als wiegende Ballade, als Swing- oder Soul-Beispiel. Dazu die typischen Showbewegungen und das gemeinsame Klatschen der Hände – es herrschte beste Frühlings- und Festivalstimmung.

Kirche als Ort kollektiver Freude

Schließlich führte Lusch Solisten, Dozenten und Chöre zum musikalischen Höhepunkt. Das eigene Credo-Ensemble, Ruth Waldron (London), Wayne Ellington und J. Cadman als inspirierende, stimulierende Sänger und Dirigenten aus Gospelhochburgen fuhren noch mal alle Register dieser ursprünglichen Sklaven-Lieder auf. Man hörte die Vielfalt von Rhythmus, rassige Arrangements, meditative Chormagie, „beatende“ Bands und einen internationalen Dialog der Stimmen. Der Workshop-Projektchor beendete das mitternächtliche Spektakel. Die emotionale und optimistische Aussage dieser Gospel-Stimmen riss noch einmal alle mit. Die Kirche wurde zum Ort einer kollektiven Freude.

Hans-Jörg Loskill



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