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„Multi-Kulti-Schwimmgrupp...

Vor männlichen Blicken geschützt

25.02.2009 | 17:40 Uhr

Für viele Frauen ist es so alltäglich, dass sie gar nicht mehr darüber nachdenken: Sie gehen ins öffentliche Schwimmbad, und natürlich ziehen sie einen Badeanzug an. Muslimische Frauen tun das so ohne weiteres nicht – sie möchten vor männlichen Blicken geschützt sein.

Ein Schwimmanzug, der den ganzen Körper bedeckt – Burkini genannt, zusammen gesetzt aus den Begriffen Burka und Bikini – ist für manche eine Möglichkeit, aber nicht in jeder Badeanstalt erlaubt. Extra Frauenschwimmzeiten, passend etwa zur fast allerorts etablierten Frauensauna, können eine Lösung sein.

In der Kleinschwimmhalle in Bönen gibt es so etwas nicht. Anders im Lehrschwimmbad der Hellwegschule: Birgit Stephan vom TuS Bönen leitet dort seit nunmehr elf Jahren zwei „Multi-Kulti-Schwimmgruppen” für Frauen – eine davon für Nichtschwimmerinnen. „Das Angebot wird sehr gut angenommen”, sagt sie. „Etwas Vergleichbares gibt es in Bönen und Umgebung meines Wissens nicht. Ich bekomme Anfragen von Frauen aus Kamen, Bergkamen, Unna, einmal sogar aus Bochum. Die Frauen dürfen hier auch ihre Kinder mitbringen – viele andere Bäder lehnen das ab.”

Angefangen hat Birgit Stephan einst mit elf Frauen, das projekt war ein Experiment. Heute kommen wöchentlich um die 30 Frauen pro Gruppe. Die meisten der 18- bis 70-jährigen Teilnehmerinnen kommen aus der Türkei, mit dabei sind aber auch Russinnen und Deutsche, die beim Schwimmen lieber unter Frauen sein möchten. „Wir machen die Tür zu und sind wirklich ganz unter uns”, bestätigt Birgit Stephan. Früher habe man die Vorhänge an den Fenstern zugezogen – heute sind die Scheiben mit Milchglasfolie abgeklebt, um die Frauen vor ungebetenen Blicken zu schützen. „Das ist sehr wichtig für die Frauen”, weiß Birgit Stephan. „Sie brauchen die Sicherheit, dass kein Mann da ist, wenn sie schwimmen.”

Die Frauen im Kurs fühlten sich wohl und kämen im normalen Badeanzug, vielleicht noch mit einer Radlerhose darunter. „Eine Frau kam mal im Ganzkörperanzug aus Polyester”, erinnert sich Birgit Stephan. Doch im Laufe der Zeit würden Hemmungen abgebaut – die Frauen fassten Vertrauen. Jüngere Frauen hingegen hätten meist von Anfang an kein Problem damit, im Bikini ins Wasser zu springen, berichtet Birgit Stephan. Nur gelegentlich gebe es Diskussionen um T-Shirts, Socken oder Schlafanzughosen. Birgit Stephan: „Aus hygienischen Gründen ist so etwas im Schwimmbad nicht erlaubt.”

„Wichtig ist, dass Badekleidung sauber ist”, erklärt auch eine Mitarbeiterin der Bönener Kleinschwimmhalle. Das Bad am Billy-Montigny-Platz würden aber ohnehin „eher westlich orientierte Musliminnen” nutzen, „und die tragen dann einen Badeanzug”.

Man könnte auch sagen: MuslimischeFrauen, die sich nicht vor männlichen Bademeistern und Schwimmgästen im Badeanzug zeigen mögen, bleiben weg – und gehen lieber zu Birgit Stephan.

„Leider gibt es noch viel zu wenig solcher Angebote”, klagt die Vorsitzende des Bönener Integrationsbeirates, Deniz Atli, die selbst schon beim Frauenschwimmen war und es „supertoll” fand. „So etwas wird ja oft ein bisschen belächelt, nach dem Motto, wozu braucht man das”, weiß sie. „Aber mittlerweile sind die beiden Gruppen hier in Bönen total etabliert.”

Ihrer Ansicht nach gehe es gar nicht darum, dass muslimische Frauen sich nicht in ein öffentliches Schwimmbad trauen oder es womöglich von zu Hause aus nicht dürften. „Diese Frauen haben einfach ein Schamgefühl, sie fühlen sich nicht wohl”, betont Deniz Atli. Umso mehr Spaß mache es, in einem geschützten Raum „unter sich” zu sein – das bedeutet, unter Frauen. Ganz egal, ob muslimische oder deutsche Frauen.

Sonja Mersch

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Kommentare
30.08.2011
09:04
Vor männlichen Blicken geschützt
von Dampflok | #6

Wo sind wir hier eigendlich, das kann doch wohl nicht war sein was hier abgezogen wird.

03.07.2011
22:44
Vor männlichen Blicken geschützt
von ergrue | #5

# 3 Toller Artikel. Bin ganz Deiner Meinung und sicherlich ein paar Mio Leute in Deutschland ebenfalls.

29.06.2011
21:23
Vor männlichen Blicken geschützt
von guincho | #4

Wenn meine Tochter gemeinsam mit einer Burkini-Trägerin das Schwimmbecken nutzen sollte, würde ich ihr die Teilnahme am Schwimmunterricht verbieten. Wäre mir zu unhygienisch.

27.06.2011
15:07
Vor männlichen Blicken geschützt
von Funakoshi | #3

Es k...t mich einfach nur noch an, wie wir hier in Deutschland vor dem Islam Kniefälle machen!!! Als ob die Blagen oder deren Eltern, die keinen Bock auf Schwimmen, Allgemeinsport oder auch sonstiges haben, sich nicht neue Argumente einfallen lassen, wenn sie unser System ans Bein pinkeln wollen. Mit dieser S......ß religiösen Begründungsmasche wird doch immer mehr versucht, unsere Demokratie auszuhebeln. Wenn wir dadurch immer mehr Ausländerfeindlichkeit fördern, ist nachher das Geschrei riesengroß!!!! Neee, ich bin keine Naziseele oder Ausländerfeind, sondern ein ganz freiheitlich erzogener, denkender SPD-Genosse, der mittlerweile die Faxen dicke hat. Fordern, fordern, fordern, aber nix leisten oder sich integrieren wollen. Außerdem ist es extrem traurig, wenn zu solchen Themen kategorisch die Kommentarfunktionen abgeschaltet werden. Dadurch werden Ressentiments doch nur noch mehr geschürt oder glaubt irgendwer hier, dass nicht sein kann, was nicht zu lesen ist???? Und jetzt löscht von mir aus wieder fleißig, aber den Zorn kann man dadurch nicht beseitigen.

21.05.2009
19:25
Blockierter Kommentar.
von miriam.lessmann | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

21.05.2009
13:11
Vor männlichen Blicken geschützt
von scorpionx | #1

ob sich die muslimischen frauen mit dieser anzugsordnung
selbst einen gefallen tun, möchte ich doch stark bezweifeln ...

andere länder - andere sitten ...

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