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Bildung

Zwölf Grundschulen in Bochum stehen auf der Kippe

24.01.2012 | 19:02 Uhr
Zwölf Grundschulen in Bochum stehen auf der Kippe
Protest gegen die Schließung der Brantropschule im Sommer 2010.Foto: Karl Gatzmanga

Bochum.Die Situation an den Bochumer Grundschulen spitzt sich zu. Nachdem in der Grundschule Hordel bereits Unterrichtsstunden ausfallen mussten, zieht nun die Politik die Reißleine. Der seit Sommer 2010 sozusagen auf Eis liegende Schulentwicklungsplan Grundschulen soll jetzt rasch ausgearbeitet werden. Schon auf der nächsten Sitzung des Schulausschusses am 14. Februar soll die Arbeitsgruppe Grundschulen reaktiviert werden. „Möglichst noch in diesem Jahr soll die Entscheidung fallen, welche Schule geschlossen werden muss“, so jedenfalls der Wille des Ausschussvorsitzenden Dr. Peter Reinirkens (SPD).

Dabei dürfte die Zahl der Anmeldungen im jetzigen Verfahren tatsächlich nur eine untergeordnete Rolle spielen. Am Rande der am Dienstag tagenden Bochumer Bildungskonferenz bestätigte Schuldezernent Michael Townsend : „Das ist wirklich ein brennendes Problem.“ Einzelheiten zu bestimmten Schulen wollte er aber nicht nennen.

Die Politik muss entscheiden

Doch ist es in der Stadt mittlerweile ein offenes Geheimnis, welche Grundschulen ganz konkret vor einer Schließung stehen bzw. davon bedroht sind. Wie Schulverwaltungsamtsleiter Ulrich Wicking bestätigt, seien mittlerweile auch die betroffenen Schulgemeinden darüber informiert worden.

All dies sind, darauf legen die Beteiligten Wert, bislang nur Vorschläge. Entscheiden muss letztlich die Politik, deren Spielraum allerdings kleiner wird. Nach WAZ-Informationen stehen folgende Schulen oder Teilstandorte auf dieser Liste:

Karl-Arnold-Kortum-Schule

Von-der-Recke-Schule

Grundschule Hordel

Max-Grewe-Schule (Teilstandort)

Grundschule Somborner Straße

Kirchschule (Bochum-Ost)  Einer der beiden Standorte der Grundschule Leithe (Schulstraße/Bertramstraße)

Rosenbergschule

Grundschule Roonstraße (Teilstandort)

Borgholzschule
 

Grundschule Eppendorf

Lina-Morgenstern-Schule

Wie groß der Handlungsbedarf und der Druck mittlerweile sind, zeigt sich an einer ungewöhnlichen Intervention des Schulamtes, das bekanntlich als Vertretung des Landes für den Inhalt des Unterrichtes verantwortlich ist. Schulrat Peter Heck: „Wir sind an die Grenze dessen gegangen, was wir tun dürfen. Nach sorgfältiger Abwägung haben wir der Stadt eine Liste präsentiert von Grundschulen, die in jedem Falle erhalten bleiben sollten.“

Keine Alternative

Das Schulamt ist der Meinung, dass 30 Grundschulen in keinem Falle angetastet werden dürften. Grundlage für diese „Empfehlung“ sei unter anderem das spezielle Angebot dieser Schulen, aber auch die zu erwartende demografische Entwicklung. Somit reduzierte sich die Zahl der potenziell zu schließenden Schulen auf etwa 20. Daraus hat die Beratungsgruppe offenbar die oben genannten zwölf Schulen oder Teilstandorte in die engere Wahl genommen.

Für Dr. Reinirkens gibt es keine Alternative: „Wir müssen uns der Realität stellen .“ Bei den weiterführenden Schulen gelte es jetzt, das aktuelle Anmeldeverfahren abzuwarten. Vor allem was den Bedarf für die beiden neuen Sekundarschulen angehe. Danach stünden dort ebenfalls Diskussionen an. Insbesondere für einige Realschulen, konkret genannt wurde die Realschule in Höntrop, nehme nun der Druck zu.

Michael Weeke

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Kommentare
25.01.2012
13:04
Zwölf Schulen stehen auf der Kippe
von H.Siepker | #5

Und wieder macht sich die WAZ/der Westen zum Helfershelfer einer, wie mir scheint abgekarteten, bildungsfernen Politik. Hier wird ein Liste lanciert, die dazu führen wird, dass einigen der benannten Schulen die Argumente, sprich die Anmeldungen fehlen werden, die den Fortbestand der Schule sicherstellen. Das kann man auch als Rufmord bezeichnen. So wurde die Tippelsberger Schule platt (zur auslaufenden Dependance) gemacht, obgleich der Hauptstandort Wilbergschule überfüllt ist. Nebenbei sei erwähnt, dass den, bis zum Auslaufen der Schule im Gebäude verbleibenden, Klassen eine Zusammenlegung mit einer Förderschule zugemutet wurde, ohne die Betroffenen ausreichend zu informieren.

Das, was die Stadt in jüngster Zeit mit fiesen Verwaltungstricks und Hofberichterstattung willfähriger Medien erreicht hat, lässt sich sicher nicht mehr umkehren, bzw. höchstens bei der nächsten Wahl an der Urne quittieren.

Es schlägt allerdings dem Fass den Boden aus, dass diese Willensbekundung der Stadt und Listenlancierung ausgerechnet einen Tag vor der Rede unserer Schulministerin Frau Löhrmann zum "Konzept zur Sicherung eines qualitativ
hochwertigen und wohnortnahen Grundschulangebots in NRW" veröffentlicht wird.
Im Konzept, was ab dem Schuljahr 2013/14 gemäß Schulkonsens Grundlage für die Schulentwicklungsplanung werden soll, werden Regelungen vorgestellt, die eine Einzügigkeit statt Zweizügigkeit von Grundschulen ermöglichen sollen. Ein Bestandteil ist, dass es künftig möglich sein soll, kleinere Klassen zu bilden. http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Presse/Pressekonferenzen/Grundschule/Rede_Ministerin_25_01_2012.pdf.
Unlängst hat Frau Löhrmann zudem angekündigt, dass eine vierstellige Anzahl an Lehrerstellen, trotz unstreitigen demographischen Wandels eben nicht abgebaut, sondern nach dem Ausscheiden der entsprechenden Lehrer in den wohlverdienten Ruhestand mit neuen Leuten besetzt werden sollen.

Die Pläne unserer Stadt, die sich mit dem Weglassen des Buchs aus dem Wappen offensichtlich selbst die Karten gelegt hat und die Ankündigungen unserer Landesregierung passen offensichtlich nicht übereinander. Böse Zungen könnten behaupten, dass, bevor die Ankündigungen 2013 in Kraft treten, möglichst viele Schulen abgewickelt werden sollen, damit der Schulkonsens nicht ganz so teuer wird.

Für die jetzt von der Schließung bedrohten Schulen heißt es zu kämpfen, um sich in das übernächste Schuljahr zu retten. Meine Unterstützung habt sie. Als Hoffnungsschimmer ist vielleicht zu werten, dass einer der "besten" Trickser der Verwaltung, nämlich Herr Wicking in Kürze in Pension geht.............. .

Von diesem Medium (und der entsprechenden Zeitung) erwarte ich übrigens, dass es den Status des Hofberichterstatters aufgibt und endlich differenziert über das berichtet, was in unserer zunehmend unwirtlicheren Stadt so abläuft und Zusammenhänge aufzeigt...........dann steigen auch die Verkaufszahlen wieder.

2 Antworten
Zwölf Grundschulen in Bochum stehen auf der Kippe
von gruenderhell | #5-1

Dem kann ich nur zustimmen. Ich bin auch der Meinung das eine solche Pressemitteilung nicht unkommentiert abgedruckt werden darf, kostet es doch einige Stadtteile die letzte verleibendeGrundschule und stuft diese, im Finzanzjargon würde man sagen, auf Ramschniveau herunter....

Zwölf Grundschulen in Bochum stehen auf der Kippe
von AkiraKhan | #5-2

Endlich mal jemand, der differenziert und mit Hintergrundwissen den Sachverhalt beurteilt. Genauso wird der Abbau der Grundschulstandorte in Bochum auch von der WAZ lanciert. Es wird den Grundschulen verboten, trotz vorhandener Anmeldungen weitere Kinder anzunehmen, dann wird aus den zwei kleinen Klassen mit je 16 Schülern eine Monsterklasse mit 32 Schülern gemacht (sei ja so gewollt) um kurz vor Schluss auch diese einzustampfen. Somit wird über die letzten zwei Jahre erreicht, dass der Schulstandort für alle Eltern unsicher wird, so dass diese Ihre Kinder nicht mehr dort anmelden um so einen eventuellen späteren Schulwechsel zu vermeiden (verständlich und von der WAZ heute auch wieder forciert). Gleichzeitig wird nach der Schülerzahl schon einmal das Lehrpersonal gekürzt, so dass Situationen entstehen, in denen noch nicht einmal für jede vorhandene Klasse ein Klassenlehrer gestellt werden kann. Also übernehmen die Lehrer zwei Klassen, dass heißt natürlich auch doppelte Administration (Zeugnisse, Elternabende, Elternsprechtage etc.pp) und für die Kinder eine "geteilte" Klassenlehrerin. Also sind am Ende alle unzufrieden, Eltern, Kinder und Lehrpersonal. Einzig die Schwätzer der Stadt und Regierung, welche, wie man ja an dem Mauschelkandal innerhalb des Schulamtes vor ca. einem halben Jahr gesehen hat, bei dem unter Parteifreunden und unter der Hand Empfehlungen zur Schulschließung weitergegeben wurden (hat man in derWesten übrigens nicht mehr von gehört!!! War wohl nicht gewollt!!!), machen was sie wollen und kommen am Ende auch noch ohne Konsequenzen davon. Leidtragend sind die Kinder, die jetzt weitere Wege, große Klassen, schlechtere Betreuung usw. aushalten müssen.
Aber ich schreibe mich in Rage. Nochmal vielen Dank für den guten Kommentar.

25.01.2012
08:31
Zwölf Schulen stehen auf der Kippe
von gruenderhell | #4

Und wieder wird eine solche Pressemitteilung genau dann herausgegeben, wenn die Anmeldungen in der heißen Phase sind. Eine wirklich fiese Methode. Ich kann nur hoffen, das die Eltern ihren Schulen treu bleiben und nicht in einer Panikaktion ummelden, denn Fakt ist: Eine gut besuchte Schule lässt sich nicht so einfach schliessen.

Man kann nur hoffen das die Bochumer endlich politische Konsequenzen ziehen.

1 Antwort
Zwölf Schulen stehen auf der Kippe
von nukeist | #4-1

Dem kann ich mir nur anschließen. Das selbe Prozedere gab es vor einem Jahr auch schon. Erst alle Eltern für die Neuanmeldung verschrecken, und dann argumentieren, dass es nicht genug Anmeldungen gäbe. Das Vorgehen ist einfach nur Schäbig. Grundschulkinder - 6-jährige Erstklässler - müssen dann endlose Wege auf sich nehmen.
Ich gehe mal davon aus, dass nicht alle Kinder mit Muttis M-Klasse oder X5 zur Schule gebracht werden.

24.01.2012
23:33
Zwölf Schulen stehen auf der Kippe
von Staufenberg | #3

ja dann sollte die bogestra busse bereit stellen, damit die kinder in dortmund oder essen zur schule gehen können. wie kann man kinder nur so hassen?

24.01.2012
23:12
Bochum hat immer noch nicht kapiert, dass Bildung der Schlüssel für die Trendwende ist..
von FreieMeinung79 | #2

...aber wenn Schulen geschlossen werden und KLassen mit 35 Schülern oder mehr die Regel, dann kann man nichts mehr erwarten. Und hier in NRW und im Ruhrgebiet wundert man sich, warum man bei Pisa und Co hinten dran ist.

Und ja, Gelder für sinnfreie Strassenbahnbauten (JAAA, das Rundherum zahlt Bochum!) und Fidelbuden sind da.

24.01.2012
21:19
Zwölf Schulen stehen auf der Kippe
von MrCola | #1

Komisch, gerade jetzt wo alles rauss kommt, bei dem Bochum sparen muss!!! Kundsmuseum steht auf der Kippe, Schulen werden geschlossen etc...

Aber neue Einkaufscenter in der City,neue Straßenbahnlinien die kein Mensch braucht sollen gebaut werden?

Soso....

1 Antwort
Zwölf Grundschulen in Bochum stehen auf der Kippe
von Wohnung69 | #1-1

Schulen sollen geschlossen werden. Für deren Erhalt ist angeblich kein Geld da. Für den Bau eines Musikhauses und eine Straßenbahn durch Langendreer sollen Millionen ausgegeben werden. Da fragt man sich doch, was für eine Politik hier in Bochum herrscht. Was soll das. Unsere Kinder und Enkelkinder müssen ihre Schulen behalten, Den Kindern soll zugemutet werden, dass sie längere Schulwege in Kauf nehmen und ihre gewohnte Umgebung verlassen müssen. Ich wünsche allen Eltern und ihren Kindern, den Lehrern und den Betreuen, dass ihre Schulen erhalten bleiben. Hoffentlich werden hier in Bochum politische Konsequenzen daraus gezogen werden.

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