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Literatur

Zwischen Hadern und Zuversicht

12.02.2012 | 17:26 Uhr
Zwischen Hadern und Zuversicht
Preisverleihung des 2. Ruhrgebiets-Literaturwettbewerb im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets. Jurymitglied Arnd Hepprich (links) stellt die 3. Preisträgerin, die Bochumer Studentin Selin Gerlek (rechts) vor. Foto: Joachim Haenisch / WAZ FotoPool

Bochum.Der 2. Ruhrgebiets-Literaturwettbewerb verteilte Preise, wird als Anthologie veröffentlicht und geht auf Lese-Tour. Der Bochumer Schauspieler Till Beckmann initiierte nun schon zum zweiten Mal einen ruhrgebietsweiten Literaturwettbewerb.

Er rief und sie schrieben. Der Bochumer Schauspieler Till Beckmann initiierte nun schon zum zweiten Mal einen ruhrgebietsweiten Literaturwettbewerb. Und der machte sichtbar, dass in der Region eindeutig mehr Text als Stahlwerk entsteht.

Denn die insgesamt 165 Einsendungen beweisen, dass hiesige Geschichten mehr denn je mit Hilfe von Federn, Bleistiftminen und Tastaturen lebendig gehalten werden – allerdings fernab vom verstaubten Traum der Arbeiterliteratur. In der Bibliothek im Haus des Ruhrgebiets trafen sich die Autoren und Schirmherren des Wettbewerbs zur Preisverleihung und Premierenlesung.

Hamburgerin gewinnt

Die Hamburgerin Marie Christin Fuchs erschrieb sich den Sieg, ihr Text über die „Druckstellen im Ruhrgebiet“ überzeugte die Jury. Sie teilt sich das Gewinnergefühl mit drei weiteren Autoren: Artur Krutsch, Selin Gerlek und Michael Spyra. Neben den vier Siegertexten dokumentiert die Anthologie zum Wettbewerb, die im Essener Klartext Verlag erscheint, auch die 22 besten Texte der anderen Schreiber.

Dem Hall lauschen

Sie zeigt nicht nur, dass hier Leute - vor allem junge - leben, die schreiben. Sie führt ihre Arbeit kurzzeitig zusammen. Menschen, die aufzeichnen, festhalten und verarbeiten, was sie hier finden oder mit ihrem Revier verbinden. Einerseits lauschen die Autoren noch dem Hall der bereits begrabenen Mythen vom Zechen- und Industriestandort, haben aber doch andere, eben ihre eigenen Erfahrungen mit dem Ruhrgebiet gemacht.

Symbolischer Verfall

Die Gewinnerin Fuchs etwa beschreibt einen ebenso realen wie symbolischen Verfall: „Er ging in sein Zimmer zurück, verließ den Raum und den Gast und das Licht und ging über den staubigen Boden, auf den nun seine Tränen fallen mit feinem Klang. Mit feinem Klang also, der sein Haus dazu brachte, zu zittern und leicht zu schwingen und die anderen Häuser, die schon lange leer standen, schwangen auch und es rieselte immer mehr Staub aus den Rissen, bis sie alle mit einem lauten Krachen zusammenbrachen in die Gruben hinein, die sich unter ihnen öffneten und bis zur roten Linie und über die rote Linie hinaus alles verschluckten, was sie finden konnten.“

Hadern, aber auch Zuversicht

Die Texte zeugen von den Verformungen, die sich im Alltag als Beton tarnen und deren Konturen zu schnell vor dem großen grauen Hintergrund verblassen. Im Geschriebenen folgen sie biografischen Spuren und betreten nur mit wachem Blick Katakomben längst Verstorbener. Sie verdichten sich zu einem Gefühl, das vom Hadern spricht, aber auch von Zuversicht. In der Anthologie lässt sich nachlesen, was das Ruhrgebiet heute mit seinen Bewohnern macht.

Lesetour durchs Ruhrgebiet

So gab die glänzend besuchte Veranstaltung einen Vorgeschmack auf die anstehende „Druckstellen“-Lesetour durchs Ruhrgebiet, die mit einer ganzen großen „Lesemannschaft“ auch am Donnerstag, 16. Februar, in der Bochumer Buchhandlung Napp (Pieperstraße) zwischenhalten wird.

Chantal Stauder

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