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Modellversuch

Zwei „Wegweiser“ helfen gegen Salafismus

29.10.2014 | 21:45 Uhr
Zwei „Wegweiser“ helfen gegen Salafismus
Der Innenminister ist überzeugt von dem Modellversuch: Sechs junge Männer werden zurzeit in Bochum intensiv betreut und begleitet. Ifak-Chefin Friederike Müller ist sicher, dass sie kein Interesse am Kampf der Salafisten im Irak haben.Foto: Ingo Otto

Bochum.  Die Bochumer Jugendberatungsstelle Ifak hat ein Konzept entwickelt, das junge Leute aus der Gefahrenzone holt. Individuelle Betreuung bewahrt sie vor dem Abgleiten in radikalisierte Gruppen. Und vor mehr. Jetzt will das Innenministerium das Versuchsprojekt auch an anderen „salafistischen Hotspots“ etablieren.

Vor gut sechs Monaten ist der Modellversuch gestartet, gestern kam NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) nach Bochum, um eine erste Bilanz des Projekts „Wegweiser –­gemeinsam gegen gewaltbereiten Salafismus“ zu ziehen.

Vor zahl­reichen Kameras der Landespresse präsentierte Jäger gemeinsam mit Friederike Müller, Geschäftsfüh­rerin des Vereins für Multikulturelle Kinder- und Jugendhilfe – Migrationsarbeit (kurz: Ifak) Ergebnisse der Arbeit an den Standorten ­Bochum, Düsseldorf und Bonn.

Seit sich junge Muslime in ganz Europa radikalisieren, seit sie offen aufrufen zum Kampf gegen Ungläubige – Christen, Jesiden, auch liberale Muslime –, seit junge Männer und Frauen ihre Familien verlassen, um im Irak oder in Syrien zu kämpfen, wächst unter Politikern und in der Bevölkerung die Sorge vor zunehmend unkontrollierter Gewalt.

Die Politik ist alarmiert und ratlos

Auch im Ruhrgebiet werben Salafisten mit und ohne Bart für den Dschihad – in Fußgängerzonen, auf Schulhöfen, über Gewaltvideos im Internet. Polizei, Verfassungsschutz und Politik sind alarmiert und ratlos, Druck allein ist kein Gegenmittel gegen diese Gewalt. „Wir setzen nicht allein auf Repression. Wir verstärken auch vorbeugende Strategien“, erklärt Jäger im Ifak-Zentrum an der Engelsburger Straße.

Hier betreut ein internationales Team erfahrener Sozialarbeiter seit mehr als 40 Jahren Kinder und ­Jugendliche aus verschiedensten Nationen. Seit 2013 wurde hier das Vorbeugungsprogramm entwickelt, das demnächst in Dinslaken, Köln und Wuppertal, später auch in anderen Bundesländern junge Muslime vor dem Abgleiten in den radikalen Salafismus schützen soll.

Wie das gelingen kann, weiß Friederike Müller. Zwei erfahrene Sozialarbeiter betreuen zurzeit sechs junge Männer zwischen 15 und 18 Jahren, die sich plötzlich auffällig verhalten haben. „Junge Männer im typischen Alter der Rebellion“.

Hinter der radikalen Fassade verbergen sich Alltagssorgen

Im Gespräch zeige sich, dass sie ganz andere Sorgen haben als den Glaubenskrieg: Konflikte mit den Eltern, Scheitern in der Schule, Angst vor einer Zukunft in Arbeitslosigkeit. „Alle haben vehemente Problemlagen, auf die wir individuell eingehen“, so Müller. „Wir klären gemeinsam, welche Stärken sie haben und wer ihnen welche Hilfen bieten kann.“ Der Erfolg ist offensichtlich: „Keiner von ihnen ist bisher abgesprungen.“ Bei anderen Jugendlichen mit verdächtigem Verhalten habe sich schnell gezeigt, dass sie mit hartem Salafismus nichts am Hut haben.

Auch sie können aber die Angebote des Ifak oder anderer Stellen in der Stadt nutzen. Das gute Netzwerk ist für Müller Geheimnis des Erfolgs – auch die Moscheevereine seien eingebunden und machten mit: „Es sind ja auch ihre Jugendlichen, die verloren gehen könnten.“

Sigrid Krause

Kommentare
13.01.2015
18:58
Zwei „Wegweiser“ helfen gegen Salafismus
von PetPaulsen | #1

Es stand aber auch noch dabei Modellversuch
Wieder ein Versuch und dann noch ein Versuch und noch einer.

Es müssen Tatsachen geschaffen werden indem...
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Zwei „Wegweiser“ helfen gegen Salafismus
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http://www.derwesten.de/staedte/bochum/zwei-wegweiser-helfen-gegen-salafismus-id9985016.html
2014-10-29 21:45
Bochum,Salafismus,Projekt,Jugendliche,Wegweiser
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