Zwei Kätzchen fahren die Krallen aus

Szenenfoto mit Nermina Kukic und Mareile Blendl (li.)
Szenenfoto mit Nermina Kukic und Mareile Blendl (li.)
Was wir bereits wissen
Im Theater Rottstraße 5 hatte „Cats“ Premiere. Eine charmante Nummernrevue mit Nermina Kukic und Mareile Blendl, wenn auch der rote Faden fehlte.

Bochum.. Wer bei „Cats“ an das Musical von Andrew Lloyd Webber denkt, liegt nicht ganz falsch. Denn der Komponist spielt durchaus eine Rolle in der charmanten Nummernrevue, die Nermina Kukic und Mareile Blendl launig-lasziv präsentierten. Tanz und durchchoreographierte Bühnen-Action sollten indes nicht erwartet werden – würden auch nicht zur Rottstraße 5 passen.

Zu Beginn haucht Audrey Hepburn aus dem Off ihr „Moon River“ in den Raum, während sich Blendl räkelt, Videos schaut und Sekt schlürft. Dann gibt die aus TV- bekannte Nermina Kukic („Marienhof“) eine szenische Deutung von Hemingways Meistererzählung „Cat in the Rain“. Eine (pop-)kulturelle Erdung sollte schon vorhanden sein, um all die Anspielungen, die folgen, zu verstehen: „The Love Cats“ von The Cure, „Stray Cat Strut“ von den Stray Cats. . .

Fassbinder, Aeorbic und Brathähnchen

„Cats“ will nach Angaben der Rottstraße eine Abrechnung mit dem Erwachsenwerden in den 80ern sein, mit Fassbinder, Aerobic, Brathähnchen und dem House of Windsor – basierend auf Texten von T.S. Eliot und anderen. Fein, Abrechnen kommt immer gut, eine strengere Auswahl wäre allerdings besser gewesen. Bei allem Charme – es fehlt der rote Faden. Und was die tote Prinzessin Diana mit all dem und vor allem mit Katzen zu tun hatte, bleibt auch unklar.

Unterdessen kebbeln sich Kukic und Meindl, hübsch anzusehen mit ihren Katzenohren, fahren sie ihre imaginären Krallen aus und miauen süß. Filme mit vorrangig kleinen Katzen werden im Internet sehr häufig angeklickt. Viele Leute mögen Kätzchen. Sie gelten als niedlich. Das mag als Grundlage einer Idee reichen. Audrey „Holly Golightly“ Hepburn hatte in „Frühstück bei Tiffany“ einen Kater.

Anekdote von Jane Fonda

Wenn die beiden Darstellerinnen mit der Balgerei fertig sind, hocken sie sich wieder nieder und häkeln und schlürfen Sekt. Kukic erzählt die nette Anekdote von der Friedensaktivistin Jane Fonda, die nach der Wende in die „Zone“ reiste, begeistert empfangen wurde und Broiler aß – als Vegetarierin.

Vielleicht sollte man auf der Bühne nicht immer nach einem tieferen Sinn suchen. Sondern sich für 65 Minuten bedanken, die immerhin nicht langweilten. Verhaltener Applaus.