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Prinz-Regent-Theater

Zwei „Helden“ lassen es in Bochum krachen

09.01.2016 | 10:00 Uhr
Zwei „Helden“ lassen es in Bochum krachen
Szenenfoto mit Corinna Pohlmann als Judith.Foto: Marina Sell Cajueiro

Bochum.  Im Prinz-Regent-Theater kommt Ewald Palmethofers Stück als packender Abend für zwei Schauspieler auf die Bühne.

Packendes Schauspieler-Theater bietet die Produktion „Helden“ , die am Donnerstag im Prinz-Regent-Theater Premiere hatte. Nachwuchs-Regisseurin Laura N. Junghanns hat sie als jüngste Kooperation zwischen Folkwang Schauspielschule und PRT eingerichtet.

„We can be heroes/just for one day...“: David Bowies „Heroes/Helden“ von 1977 ist nicht nur einer der größten Popsongs aller Zeiten, sondern auch deshalb so berühmt, weil er eine jugendliche Geste auf den Punkt bringt: Stets muss es „die Welt“ sein, die ergriffen werden will. Weg mit dem Alten, eigene Fußabdrücke setzen, sich selbst finden – von der Antike über die Romantik bis zur Gegenwart ist es immer dasselbe Muster. „Helden“ von Ewald Palmetshofer, 2009 uraufgeführt, variert das ewige Thema in post-industrieller Spielart.

Kein emotionales Fundament

Szenenfoto mit Corinna Pohlmann als Judith.

Sein Stück wird oft gespielt, auch, weil es einen Nerv zu treffen scheint. Die Kinder der anti-autoritären Generation sind erwachsen geworden, und finden hier Ansprache. David und Judith, Geschwisterpaar in den 20ern, leben in einer Welt, die wohlbehütet wirkt, und doch ohne emotionales Fundament ist.

Es gibt ein Elternhaus, aber die Eltern sind bloß Sprech-Automaten des Etablishments. Es gibt jede Menge Unsicherheit und dagegen Therapiestunden, aber es gibt eben keine Helden mehr. David und Judith erschaffen sie sich deshalb selbst. Und bomben die Therme in die Luft, in der ihre Eltern zufällig beim Sauna-Nachmittag weilen.

Seelische Verpuffung

Was aus Mittelschichtskindern werden kann, die im übertragenen Sinne „explodieren“, hat man damals exemplarisch bei Gudrun Ensslin und Andreas Baader gesehen. Von der Kaufhausbrandstiftung zur Roten Armee Fraktion, wider den „Schweinestaat“. Davon sind Palmetshofers Kids weit entfernt. Ihre Rebellion ist vielleicht ein Statement der Verzweifelung, aber sicher kein politisches Signal mehr. Die Wut zerplatzt als Anschlag mit 120 Toten, aber sie implodiert als seelische Verpuffung. So gesehen, ist „Helden“ nicht gerade ein mutmachendes Stück.

Aber ein starkes Stück Theater! Das liegt an Palmethofers collagehaftem Stückebau, an seiner Sprachkunst, an seiner Assoziationswucht. Regisseurin Junghanns trägt dem Rechnung. Zwar wird das Sechs-Personen-Stück auf zwei Akteure eingedampft, aber die überrumpelnde Bühnenkraft des „Helden“-Textes geht dank der straffen Regie nie verloren.

Lebensfalle mit Blümchenmuster

Das liegt natürlich – gerade! – auch an den Schauspielern. Corinna Pohlmann und Luca Zahn meistern die letztlich sinnlose Sinnsuche des Geschwisterpaares mit Druck und Cleverness. Gesten der Verstellung gelingen ihnen ebenso überzeugend wie solche der Verlorenheit. 90 Minuten lang folgt man fasziniert ihrem Spiel im plüschigen Flokati-Ambiente (Bühne: Marina Sell Cajueiro) eines Spießerheims, das längst zur Lebensfalle mit Blümchenmuster geworden ist.

Weitere Aufführungen: Samstag (9.1.), Freitag (29.1.), Samstag (30.1.), Vorstellungsbeginn jeweils 19.30 Uhr, Eintritt 16/erm. 8 Euro, Reservierung unter Tel. 0234/77 11 17.

Jürgen Boebers-Süßmann

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Zwei „Helden“ lassen es in Bochum krachen
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2016-01-09 10:00
Bochum, Theater, Prinz-Regent, Premiere, Helden
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