„Zerbombt“ zeigt die Welt als Trümmerwüste

Das wird düster: Manolo Bertling spielt den namenlosen Soldaten in Sarah Kanes „Zerbombt“.
Das wird düster: Manolo Bertling spielt den namenlosen Soldaten in Sarah Kanes „Zerbombt“.
Foto: JU_Ostkreuz
Was wir bereits wissen
Mit dem unbequemen Stück „Zerbombt“ von Sarah Kane kommt eine Produktion des Schauspiels Stuttgart nach Bochum. Die Hauptrolle spielt Maja Beckmann.

Bochum.. Ist dies der Beginn einer wunderbaren Freundschaft? In dieser Woche beginnt die Kooperation zwischen den Schauspielhäusern in Bochum und Stuttgart. Auf beiden Bühnen sollen Produktionen des jeweils anderen Hauses zu sehen sein, wobei es beim fröhlichen Theatertausch zwei Konstanten gibt: Beide Aufführungen stammen von David Bösch, und Maja Beckmann spielt beide Male die Hauptrolle.

Während man sich in Stuttgart auf die gelungene Inszenierung vom „Mädchen aus der Streichholzfabrik“ freuen darf, ist in den Kammerspielen ab Donnerstag ein ziemlich harter Brocken zu sehen: „Zerbombt“ von Sarah Kane.

Berüchtigte Gewaltphantasien

Knapp 16 Jahre ist es her, seit sich die britische Dramatikerin im Alter von nur 28 Jahren das Leben nahm. Der Theaterwelt hinterlassen hat sie eine Reihe ungeheuer finsterer Dramen, die gerade in jüngster Zeit von vielen Bühnen wiederentdeckt werden. Sarah Kane war berüchtigt für ihre Gewaltphantasien, denen bei aller Radikalität immer eine Spur Irrwitz und letztlich verquere Schönheit inne wohnten. Allzu zimperlich sollte der Zuschauer allerdings nicht sein.

„Zerbombt“ ist Sarah Kanes spektakuläres Debüt aus dem Jahr 1995, das kurz nach der Uraufführung auf Bühnen in halb Europa gespielt wurde. Was zunächst als Beziehungsdrama beginnt, gipfelt im zweiten Teil in einer waschechten Orgie aus Zerstörung und Gewalt. Die Bühne sieht dann aus wie eine Trümmerwüste. Entlang der Gräuelbilder unzähliger Kriege erzählt das Stück die Geschichte des Journalisten Ian und seiner Geliebten Cate, die einem namenlosen Soldaten begegnen. Die Sprache ist hart und kompromisslos, es wird geliebt, erniedrigt und getötet. Mächtig finster, das alles.

Gräueltaten werden nur angedeutet

Doch so viel sei verraten: Die komplette Grausamkeit mutet David Bösch seinen Zuschauern nicht zu. Die beiden Vergewaltigungen, die im Stück vorkommen, deutet Bösch nur an. „David hat ein tief romantisches Herz“, meint Maja Beckmann, die in der Rolle der Cate nach knapp zwei Jahren ans Schauspielhaus zurück kehrt.

Der viel beschäftigte David Bösch, der gerade am Wiener Burgtheater das „Käthchen von Heilbronn“ einrichtet, vergleicht das Stück von Sarah Kane mit den Klassikern von Samuel Beckett. „Wenn es nicht ein verbotenes Wort wäre, könnte man es fast ‘becketthaft’ nennen“, so Bösch. „Mit seinem grausigen Humor und seiner zarten Verzweiflung.“

Bochumer Premiere am Donnerstag, 22.1., 20 Uhr. Wieder am 25.1., 7.3. und 4.4., Karten unter 0234 / 33 33 55 55.