Zahl der Prostituierten aus Osteuropa in Bochum explodiert

Der Bochumer Rotlichtbezirk an der Gußstahlstraße: Mittlerweile kommen rund 60 Prozent der Frauen aus osteuropäischen EU-Beitrittsländern wie Rumänien und Bulgarien.
Der Bochumer Rotlichtbezirk an der Gußstahlstraße: Mittlerweile kommen rund 60 Prozent der Frauen aus osteuropäischen EU-Beitrittsländern wie Rumänien und Bulgarien.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Immer mehr junge Frauen aus Bulgarien und Rumänien kommen nach Bochum um als Prostituierte zu arbeiten. Die meisten aus wirtschaftlichen Gründen. Am Bochumer "Runden Tisch Prostitution" wird überlegt, wie die daraus entstehenden Probleme angegangen werden können.

Bochum.. Eine bislang so noch nicht dagewesene Zuwanderung von jungen Frauen aus Bulgarien oder Rumänien beobachten Fachleute in Bochum. Sie kommen, um im Rotlichtviertel an der Gussstahlstraße, in Clubs oder sogenannten Wohnungsbordellen als Prostituierte zu arbeiten. Die Polizei geht davon aus, dass an Wochenenden bis zu 200 Frauen allein im Rotlichtbezirk ihre Dienste anbieten. Hinzu kommen, so eine vorsichtige Schätzung, noch einmal mindestens 100 Frauen, die außerhalb arbeiten, darunter mehr und mehr aus Südosteuropa.

Seit rund sechs Jahren gibt es in Bochum den „Runden Tisch Prostitution“. Dort sitzen Fachämter der Stadt, der Verein Madonna als Selbsthilfeorganisation der Prostituierten, aber auch die Bochumer Gleichstellungsbeauftragte Regina Czajka und Vertreter der Polizei zusammen, um gemeinsam über alle Themen und Probleme rund um die Prostitution zu sprechen.

Am Dienstag wurden im Frauenbeirat auch die aktuellen Entwicklungen vorgestellt. Nach Schätzungen von Madonna kommen mittlerweile rund 60 Prozent der Frauen aus osteuropäischen EU-Beitrittsländern, ein Großteil aus Rumänien oder Bulgarien. Mechthild Eickel von Madonna weiß, dass die überwiegende Anteil der Frauen aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kommt, vielfach ganz legal. Die Fachleute sprechen von Armutsprostitution. Das kann Probleme nach sich ziehen: „Jetzt ist es wichtig, dass diese Frauen das Recht auf Bildung bekommen, sie Vertrauen zu Behörden aufbauen oder schlicht die deutsche Sprache lernen können“, so Eickel.

Prostituierte soll einen angstfreien Rahmen erhalten

Regina Czajka wünscht sich als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt sehr, dass die Prostituieren auf der Tabuzone geholt werden, sie einen angstfreien Rahmen erhalten. Der Frauenbeirat sieht sich dabei als ein Gremium, in dem alle Aspekte der Prostitution, wie Migration, Armut, Kriminalität aber auch Gewalt diskutierte aber „inhaltlich nicht kausal vermischt“ werden sollten.

Die Polizei teilt im Prinzip diese Sichtweise. Die Zunahme von Frauen aus Südosteuropa sei aber womöglich weitaus stärker, als bisher bekannt. Da es oft schwierig sei zu trennen, ob die oft sehr jungen Frauen tatsächlich freiwillig als Prostituierte arbeiteten, müsse die Szene genau beobachtet werden. Ebenfalls schwer zu durchschauen sei der Geldfluss. Und natürlich gebe es „Geschäftsleute“, die daran verdienen. Ob und wie viel Geld tatsächlich in die Heimatländer zurückfließe, etwa um die Familien zu unterstützen, sei unklar.

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