XXL-Holzschnitte betonen den Verstärkereffekt

Die Künstlerin Inessa Emmer vor ihren Arbeiten im Kunstraum Unten.
Die Künstlerin Inessa Emmer vor ihren Arbeiten im Kunstraum Unten.
Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler
Was wir bereits wissen
Die Galerie Kunstraum Unten in Bochum zeigt in der Ausstellung „Ohne Titel“ Druckgrafik der experimentierfreudigen jungen Künstlerin Inessa Emmer.

Bochum.. Der Kunstraum Unten im U-Bahnhof Schauspielhaus ist auf zeitgenössische Kunst abonniert, dabei aber offen für die verschiedensten Spielarten. Skultpur, Malerei und Videoinstallationen waren in der Mini-Galerie bereits zu sehen, nun kommt mit den Holzschnitten von Inessa Emmer ein weiteres hochinteressantes künstlerisches Betätigungsfeld dazu. „Ohne Titel“ ist der Titel der Schau.

Bilder enstehen im Schicht-Druck

Emmer, 1986 in Kasachstan geboren, begann 2008 das Studium der Kunst an der Universität Dortmund bei Prof. Bettina van Haaren und Prof. Jan Kolata. Seit 2012 studiert sie an der Kunstakademie Düsseldorf in der Klasse von Prof. Thomas Grünfeld. Spezialisiert hat sich die Künstlerin auf die Druckgrafik, speziell auf den Holzschnitt. „Es gibt nicht viele, die sich fast ausschließlich dieser alten Darstellungsform widmen“, weiß die 28-Jährige. Was sie überdies besonders macht, sind die Formate, die Inessa Emmer für ihre Kunst wählt.

Auslandende Formate

Es sind ausladende Formate, 200 x 260 cm, auf Nesselstoff gedruckt. Hier werden experimentierfreudig die Möglichkeiten der Grafik ausprobiert. Die Bilder entstehen in Schicht-Drucken, wobei die Künstlerin ihr Körpergewicht, keine Druckpresse einsetzt, um farbliche und strukturelle Effekte zu erzielen. Aus mehreren – bis zu 20 – Platten setzen sich Emmers XXL-Drucke zusammen.

Das ergibt einen schönen Verstärkereffekt, sowohl ein riesiger Totenkopf als auch eine beinahe verspielt anmutende Darstellung des Odysseus/Sirenen-Motivs nehmen den Betrachter im Kunstraum Unten sogleich gefangen. Im Außenbereich ziehen drei weitere Exponate die Blicke magnetisch auf sich. Nicht nur, dass die künstlerische Ausführung berückend wirkt, gerade die Größe lässt dazu einen neugierigen Blick auf die eher raue Materialhaftigkeit der Bilder zu.

Mit Tiefenwirkung

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Farbvielfalt. Vom Hinter- über den Mittel- bis zum Vordergrund werden die Farben immer wieder übereinander gedruckt und in immer neuen Variationen zusammengesetzt. So entsteht eine gewisse Dynamik, gleichzeitig erlangen die Drucke dadurch Tiefenwirkung.

Ebenfalls charakteristisch für Emmers Holzschnitte ist die Kombination verschiedener Schneidetechniken. Sie verwendet klassische Hohleisen, um die Figuren ins Holz zu schneiden, allerdings in Verbindung mit Stempeln für die plakativen Teile des Werkes, die sie mit der Säge herstellt.

Inessa Emmers Holzschnitte wirken in ihrer Größe, Farbigkeit und der reduzierten Figuration zunächst fast plakativ. Beim näheren Hinsehen stellt sich heraus: Sie ist alles andere als das. Zukünftig möchte sich die Künstlerin verstärkt mit ihren Wurzeln und ihrer Heimat, Kasachstan, auseinander setzten. Das klingt erst Recht spannend!