Wo die kranke Seele Hilfe findet

Große Anteilnahme erfährt Hannelore Zuch, nachdem sie in der WAZ den Suizid ihres Ehemanns öffentlich gemacht hat. Vor einem Jahr ließ sich der 54-Jährige im Hauptbahnhof von einem Zug überrollen. Die Witwe klagt an: Nach einem dramatischen Burnout habe ihr Mann weder an seinem Arbeitsplatz noch in Kliniken rechtzeitige und ausreichende Hilfe erhalten. „Wo gibt es diese Unterstützung im Notfall?“, fragen seither mehrere Leserinnen und Leser. Die WAZ hat Antworten eingeholt.

Innere Leere, sozialer Rückzug, Panik, Angst bis zur totalen Erschöpfung: Schon bei den ersten Anzeichen eines Burnouts sollte der Weg über den Hausarzt zum niedergelassenen Neurologen, Psychiater und Nervenarzt führen. Weil die psychischen Erkrankungen seit Jahren rasant ansteigen, sind die stadtweit 14 Praxen voll. „Viele Kollegen haben aber Krisensprechstunden eingerichtet, die eine Soforthilfe gewährleisten“, erklärt Facharzt Volker Kuhls, Vorsitzender des Qualitätszirkels Bochumer Nervenärzte. In weniger dringenden Fällen müssten Neupatienten zwei bis drei Monate warten.

Langes Warten auf Therapieplatz

Noch länger dauert es bei einem Psychotherapie-Platz. „Hier herrscht bundesweit eine Unterversorgung. Die Wartezeiten betragen im Schnitt drei bis sechs Monate, bei Psychoanalysen sogar bis zu zwei Jahre“, schildert Prof. Dr. Georg Juckel, Ärztlicher Direktor des LWL-Universitätsklinikums.

Rund um die Uhr stehen die psychiatrischen Versorgungskrankenhäuser in unserer Stadt offen: das LWL-Klinikum an der Alexandrinenstraße (0234/50 77 0) und in Wattenscheid das Martin-Luther-Krankenhaus an der Voedestraße (02327/650). „Beide Kliniken sind verpflichtet, akute Hilfe zu leisten und weitere Therapiewege aufzuzeigen“, betont Prof. Juckel. Die LWL-Klinik hält zusätzlich eine Spezialsprechstunde Stress, Mobbing, Burnout im Beruf bereit. Infos unter 0234/50 77 12 46.

Qualifizierte Ansprechpartner finden Erkrankte und Angehörige in seelischen Ausnahmesituationen auch bei der Bochumer Telefonseelsorge (rund um die Uhr unter 0800/111 0 111 und 0800/ 111 0 222), beim Sozialpsychiatrischen Dienst der Stadtverwaltung (8 bis 16 Uhr, 0234/910 32 39) und in der Beratungsstelle Prisma der Evangelischen Kirche für Menschen, die an Selbstmord denken oder einen Suizidversuch unternommen haben (0234/58513).

Auch Angehörige sind bei Prisma an der richtigen Stelle. „Hier habe ich wirklich Hilfe gefunden“, sagt Hannelore Zuch, die nach dem Tod ihres Mannes jetzt wieder nach vorne blickt. Viel Glück!

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