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Wirtschaftskrise gegen Tierliebe

14.08.2010 | 00:00 Uhr
Wirtschaftskrise gegen Tierliebe
Almuth Riedel vom Bochumer Tierschutzverein KIS sammelt kleine Streuner auf, um sie in eine neue Bleibe zu vermitteln. Der Verein setzt sich für die Kastration wilder Katzen ein.Foto: Ingo Otto

Bochum.Die Wirtschaftskrise hat auch die Tierliebe der Deutschen erfasst: „Die Leute sparen an den Tierarztkosten. Die Folge ist eine Schwemme herrenloser Katzen, die einher geht mit einem großen Elend der Tiere“, sagt Almuth Riedel.

Die Bochumerin engagiert sich über KIS Ruhr (Katzen Informations- und Schutzverein Bochum) dafür, dass freilaufende Katzen kastriert werden, um eine weitere Vermehrung zu verhindern. Sie fängt die verwilderten Tiere ein, über den Verein werden sie kastriert, tierärztlich untersucht und behandelt. Sind Welpen darunter, wird versucht, ihnen eine Bleibe zu vermitteln. Bei ausgewachsenen Tieren ist dies nicht mehr möglich; zu groß ist deren Scheu vor Menschen.

Die Kastration einer weiblichen Katze kostet 120 Euro, ein neues Kätzchen indes gibt’s oft umsonst. Die Folge: immer mehr Menschen setzen ihre Tiere einfach aus, sobald etwa ein Weibchen erneut schwanger wurde. „Das bedeutet, dass sich nach zwei Jahren schon eine Kolonie von 20 Tieren gebildet hat.“

KIS befindet sich im Boot mit anderen Tierschutzvereinen, mit Tierheimen, und auch mit der Bundestierärztekammer: Die fordert jetzt eine Kastrationspflicht, die ins Tierschutzgesetz eingefügt werden soll. Die Zahl der zumeist ausgesetzten Katzen ist enorm angestiegen, und damit auch deren Leid. Ohne Zufütterung müssen viele von ihnen grausam verhungern. Sie werden überdies krank, Katzenaids ist sehr verbreitet. Diese Übertragung könnte bei Kastration verhindert werden.

Gutscheine für Hartz-IV-Empfänger

Der Bochumer Verein hat bereits vergeblich versucht, die Stadt in die Pflicht zu nehmen, eine Kastration anzuordnen. „Vor der Wahl sind wir auf alle Parteien zugegangen, doch bei keiner stießen wir mit unserem Anliegen auf viel Gegenliebe.“ Dabei hätte das Ordnungsamt Eingriffsmöglichkeiten, wenn die städtische Satzung dies ähnlich wie bei der Kontrolle über Hundesteuer festschriebe. „Es wäre natürlich sinnvoll, wenn man das mit einem Anreiz verbinden könnte. Zum Beispiel Gutscheine für Hartz-IV-Empfänger oder eine Kastrationswoche in Kooperation mit Tierärzten.“

Indes schreibt die Bochumer Satzung ein Fütterungsverbot vor: „Das ist nicht nur falsch, es ist auch grausam. Zu glauben, die Katzenpopulation klein zu halten, wenn sie verhungern.“ Eigentlich, so Almuth Riedel, verstieße sie genauso wie die gut 25 ehrenamtlichen Helfer im KIS jedesmal dagegen. Denn um herrenlose Tiere einzufangen, müssen sie in einer Lebendfalle angefüttert werden. Doch dabei drücke das Ordnungsamt ein Auge zu.

Zurzeit päppelt Almuth Riedel bei sich zu Hause neun Welpen auf. Durch Zuwendung und Spieltherapie macht sie sie zahm, damit sie vermittelt werden können. Wer sich für ein Tierchen entscheidet, bekommt ein sechswöchiges „Rückgaberecht“: So viel Zeit lässt der Verein den Katzenliebhabern, sich mit dem Neuzugang anzufreunden.

Die Bochumerin verbringt gegenwärtig ihren Urlaub damit, weitere Katzen im Stadtgebiet einzufangen. „Wir werden ständig über wildernde Kolonien informiert.“

Sabine Vogt

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Kommentare
27.08.2010
15:42
Wirtschaftskrise gegen Tierliebe
von Antonietta | #12

Kastration von Katzen ist aktiver Tierschutz und
verhindert Katzenelend.

16.08.2010
09:49
Wirtschaftskrise gegen Tierliebe
von Alfredo5 | #11

..also die Kastraktion kosten 120 Euronen?. Was kostet die Ultimative Spritze? Sicher dtl. Weniger!

Ich weis gar nicht wo das Problem ist!

und @Tomtom, es steht jedem Frei das was die öffentlichen Kassen geben, auch zu nehmen! So kann sich jeder die Haare grün färben, ne alte Lederjacke aus der Sammlung....und schon gibt es 50 €.

16.08.2010
08:00
Wirtschaftskrise gegen Tierliebe
von tieresinddiebesserenmenschen | #10

#8 Schon mal richtig nachgedacht? Was ist mit den Tieren, die seit Jahren in der Familie leben, der Ernährer wird arbeitslos, das Geld fehlt an allen Ecken - und dann? Das Tier abgeben? Aussetzten? Mann o Mann, wie wenig hier auf diesen Seiten nachgedacht wird, bevor solche Kommentare abgegeben werden! Mir wird immer wieder ganz schlecht davon!

15.08.2010
11:13
Wirtschaftskrise gegen Tierliebe
von Gunda O`Neal | #9

@kneugeb: Irrtum, Tierschützer tun weit mehr als nur aufjaulen. Es sind die gewählten Politiker und es ist die Exekutive, die untätig bleiben bzw. sich nicht trauen, bestehende Gesetze anzuwenden. :-(

15.08.2010
11:10
Wirtschaftskrise gegen Tierliebe
von Gunda O`Neal | #8

Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, daß Tierhaltern Zuschüsse irgendwelcher Art gezahlt werden. Es sind schliesslich erwachsene Menschen, die sogar wählen dürfen. Ergo kann man von ihnen erwarten, daß sie sich vor der Anschaffung einer Katze Gedanken über die Kosten machen. Wenn kein Geld für TA und Unterhalt der Tiere da ist, sollte man die Finger von der Anschaffung lassen! Wer dennoch Tieren helfen will, kann ja gerne in das nächstgelegene Tierheim gehen und mit anpacken! Arbeit gibt es dort immer genug!

15.08.2010
00:21
Wirtschaftskrise gegen Tierliebe
von Staufenberg | #7

Die Stadtverwaltung hat meines Wissens noch nie en Problem gelöst. Warum sollte es gerade bei den Katzen anders sein?

14.08.2010
21:46
Blockierter Kommentar.
von kneugeb | #6

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

14.08.2010
16:13
Wirtschaftskrise gegen Tierliebe
von Sputnik | #5

Ich finde es richtig,dass den Tieren geholfen wird.Die Hunde und Katzen können sich leider Ihre Herrchen nicht aussuchen.In den sozial schwachen Familien leiden tagtäglich tausende von armen Tieren,die im Dreck und Zigarettenrauch sitzen müssen,obwoh für die Menschen schon kein Platz ist.Aber was soll man für einen Verstand erwarten,wenn man sich schon nicht um die eigenen Kinder kümmert.Viele vergessen leider,dass Tiere Lebewesen sind und nicht nur auf dem Teller runtergeschlungen werden wollen.Erbärmlich was mittlerweile in der Welt los ist.

14.08.2010
12:26
Blockierter Kommentar.
von Tierschutz nach L Ron Hubbard | #4

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

14.08.2010
12:11
Wirtschaftskrise gegen Tierliebe
von TomTom | #3

Ergänzung zu Melly von meiner Seite aus: Lt einem Sozialarbeiter bekommen Punks in Köln je Hund EUR 50.- für dessen Fressen und Tierarzt von der Stadt je Monat. Arme Leute müssen sich in Wuppertal für einen Hund schon die EUR 144.- Hundesteuer im Jahr mühsam absparen. Und Fressen und Tierarzt kommen hinzu. Da stimmt auch was nicht.

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