Wird der Strom teurer, weil die Stadtwerke Bochum riskante Deals eingehen?
12.07.2012 | 11:26 Uhr 2012-07-12T11:26:00+0200
Bochum. Ob eine Wasseraufbereitungsanlage in Algerien oder der Offshore-Windpark in der Nordsee vor Borkum – immer wieder bringen Investitionen im In- und Ausland den Stadtwerken Verluste ein. Zufall, dass ab Oktober die Strompreise steigen? Stadtwerke-Chef Bernd Wilmert bestreitet einen Zusammenhang.
Hin und wieder schwefelt den Bochumer Stadtwerken eine üble Nachricht ins Haus: Mal wird eine Million Euro in den Sand von Algerien gesetzt, für eine Wasseraufbereitungsanlage, die nicht bezahlt wurde. Oder es drohen Zusatzkosten in Höhe von 50 Millionen Euro wie in diesen Tagen, weil die Inbetriebnahme des Windparks Borkum verschoben wurde. Bei solch hohen Risiken schwant nicht wenigen Bochumer Stadtwerke-Kunden, dass sie es sind, die zur Kasse gebeten werden, wenn auswärtige Mega-Geschäfte der Stadtwerke floppen. Im Oktober soll schließlich mal wieder der Strompreis erhöht werden.
Kein einziger Euro der Entgelte für Strom, Wasser und Gas werde für Großinvestitionen anderswo verwendet, versichert Stadtwerke-Chef Bernd Wilmert gern im freundlichen Bariton. Es ist die halbe Wahrheit. Was der als „Energiemanager des Jahres“ hochgelobte Mann dabei verschweigt, ist, wen es wirklich trifft, wenn riskante Deals seiner Firma nichts einbringen oder gar baden gehen.
„Nie trifft es den Gebührenzahler“, weiß etwa CDU-Fraktionschef Klaus Franz, Mitglied im Stadtwerke-Aufsichtsrat. „Aber es geht der Stadt verloren, über diesen Weg trifft es die Bürger.“ Beim Stadtwerke-Konzern haben selbst gestandene Ratsmitglieder Mühe, die Netzwerke der Beteiligungen gänzlich zu durchblicken, geschweige deren einzelne Risiken.
Goldesel Gelsenwasser
Als einziger Goldesel gilt die 50-prozentige Beteiligung der Stadtwerke an der Gelsenwasser AG. Alljährlich wird die Gewinnausschüttung genutzt, um den Kaufkredit abzustottern, was glänzend funktioniert, abgesehen davon, dass die Not leidende Mutter Stadt davon keinen Cent für die eigene Schuldentilgung sieht. Gleichwohl gilt der Gelsenwasser-Coup als genialer Glücksgriff.
Woanders sieht es nicht so strahlend aus, wie etwa beim Steag-Kauf durch ein Stadtwerke-Konsortium.
2011 war das Ergebnis bei der Steag so eingebrochen, dass sie ihre Rücklagen angreifen musste, um die vertraglich zugesicherte Dividende an ihre neuen Stadtwerke-Gesellschafter, darunter Bochum, zahlen zu können. Von einer lukrativen Beteiligung am Zwischenlager Ahaus musste sich die Steag trennen, um eine Bedingung der Grünen zu erfüllen.
Netzanschluss für Offshore-Windpark verschiebt sich
„Wir sind zum Wachsen verdammt“, ist das Credo von Bernd Wilmert. Es traf ihn hart, als er erst Mitte Juni erfuhr, dass der Netzanschluss für den gepriesenen Offshore-Windpark in der Nordsee vor Borkum verschoben wurde - bis hin zum 2. Quartal 2013. Grund: Der Netzanschluss durch den Netzbetreiber Tennet verzögert sich um bis zu fünf Monate. Auch die Fertigung der 700 Tonnen schweren See-Fundamente durch die Georgsmarienhütte-AG-Tochter Weserwind AG hinkt hinter dem Zeitplan her. Das gilt auch für die Umspannplattform, über die der See-Windstrom an Land gebracht wird.
Auf 50 Millionen Euro schätzt Dietmar Spohn, technischer Geschäftsführer der Bochumer Stadtwerke, die drohenden Extrakosten. Für seine Firma, die 18 Prozent des Windparks hält, wären das an die 10 Mio Euro Miese. Um einen langwierigen Gerichtsprozess zu vermeiden, wurden zwei Ministerien eingeschaltet, um die Windnummer anders zu lösen.
„Alte Gurken“ der Steag
Mit Sorge schauen Kritiker auch auf die „alten Gurken“ der Steag, Kraftwerke, denen RWE die Verträge kündigte und lieber billigen Strom im Ausland kauft. Und was Gelsenwasser anlangt, sei das Auslandsgeschäft, etwa die Kraftwerke in Kolumbien, in der Türkei und auf den Philippinen, für den städtischen Gesellschafter Stadtwerke ein merkwürdig ferner Besitz. Auch Nahgeschäfte wecken Zweifel. Wie Wilmerts Absicht, jetzt mit 11 Mio Euro aus den Rücklagen 50 Prozent der Dorstener Stadtwerke zu kaufen, was Branchenkenner überrascht: Denn mit Netzgesellschaften sei kein Geld mehr zu machen, weil die Netzgebühren teurer werden, geht zur Zeit die Kunde.

21:18
Warum dürfen denn die Sparkasse Bochum und die Stadtwerke Bochum überhaupt Gewinne erwirtschaften?
Oder anders gefragt- warum können die überhaupt so riesige Gewinne erwirtschaften und trotzdem mit den "privaten Anbietern" konkurrieren?
16:30
So ist das wenn man die großen Vier zerschlagen will!. Man gründet neue Stromversorger um abgehalfterte Politiker zu versorgen. Da sage noch mal einer der Staat kann alles besser.
15:16
#4: mit BHKW und Photovoltaik können Sie aber keine Leistung erzeugen, da müssen Sie immer wieder auf das konventionelle Leitungsnetz zurückgreifen.
Die Nebenkosten sind der Genickbruch der Strompreise. Die Einspeisevergütungen sind viel zu hoch und staatlich subventioniert durch EEG-Zuschlag. Und der Spaß wird ja zu Beginn des nächsten Jahres um zig Prozent erhöht. Bedanken Sie sich bei der Regierung Schröder und den Nachfolgern. Jammern hilft nur leider nichts, es ist ja gewählte Volkesstimme.
14:24
Aber hauptsache, bereits jetzt einen absolut überzogenen Arbeitspreis pro kWh verlangen!
13:19
es ist doch schon gelogen wenn er sagt die Bürger zahlen nichts wie wollen sie denn sonst die Verluste auffangen geht ja nur über den Kunden der lügt genauso wie die Gesamte SPD brut in Bochum alle Bochumer sollen den Anbieter wechseln dann werden die Stadtwerke und auch unsere selbstsüchtige frau ob sehen was sie davon haben
12:53
Im Namen Stadtwerke sind die Wörter Stadt und Werke enthalten.
Was suchen die Stadtwerke mit meinen Stromeuros in Algerien, an der Nordsee, bei RWE, bei Gelsenwasser und bei der Steag, Im VFL-Stadion, und in der Fidelbude??
Wenn die "Stadtversorger" nicht mehr gemeinnützig sind, und zum Wohle der Bochumer die Gebühren KOSTENDECKEND ermitteln, verdienen sie den Namen Stadtwerke Bochum micht.
Irgendwie haben die sich an meinem Geldbeitel festgetzutzelt.
Falls der Strompreis mit seinen ganzen Nebenkosten (Entgeld für Netznutzungsabrechnung pro Abrechnung, Messstellenbetrieb pro Vorgang, Messung pro Vorgang, Netznutzung HT, Erneuerbare-Energien-Gesetz, Kraft-Wärme-Kopplung,
Stromsteuer, Grundpreis, MWSt und was weiss ich noch) zu hoch wird, werden immer mehr Nutzer abspringen, sich ein BHKW und PV mit Li-xx-Batterien anschaffen, um beim Strom autonom zu werden.
Ein Geschäftbetreiber in Bochum
12:51
Sie haben nur wenig Ahnung, reden gerne viel und am liebsten über sich selbst und wollen vor allem eins: Mit den Grossen mitspielen. Zu verlieren gibt es nicht viel, denn die Verluste werden sozialisiert und bestraft wird schon mal gar keiner.
12:38
Der Doofe Bürger zahlt weiter. Ebenso alleingelassene, ältere Mitmenschen.
Die mündigen und informierten Bürger wechseln.
So lange Berufspolitiker sich selbst kontrollieren und genehmigen, so lange bleibt es dunkel in der Stadt.
Transparenz? Warum sollte so etwas in einer Mitnahmegesellschaft notwendig sein...
12:34
Die SW Bochum sollte sich wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, den Wiederverkauf von Strom, Wasser und Gas. Alle anderen Projekte sind für Wilmert & Co. etliche Schuhnummern zu groß. Schon die Beteiligung an der Dreckschleuder STEAG war ein Fehlgriff, der uns in den nächsten Jahren viele Mio. Euro kosten wird. Dazu gesellt sich jetzt der Windpark Borkum, weitere Missgriffe werden folgen, für die wir bezahlen müssen. Das ist nicht sozial.
Um im Konzert der Großen mitzuspielen, fehlt den SW einfach das Know How, sie sind viel zu klein, von daher bedeutungslos und auch nicht zum Wachsen verdammt. Wenn Wilmert sowas sagt, dann sagt er nicht die Wahrheit!
Warum der Chefposten, der immer an wohlverdiente SPD-Parteigenossen, in diesem Fall an Wilmert vergeben wurde, mit jährlich 400.000 Euro zuzüglich Einnahmen aus verschiedenen Aufsichtsrats-Ämtern honoriert wird, ist für mich schleierhaft und ist nicht gerechtfertigt. Der Posten wäre mit 100.000 Euro/J. mehr als gerecht honoriert.