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Wir sind auch Oberbürgermeisterin

09.03.2008 | 19:20 Uhr

Am internationalen Gedenktag wird offenbar, dass nicht nur Frauengleichstellung ein Gewinn ist, sondern auch die Einbindung ihrer multikulturellen Biografien

"Wir ziehen uns längst nicht jeden Schuh an!" - mit dem Motto des internationalen Frauentages unterstrich Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz - beim Empfang engagierter Frauen im Zentrum für Stadtgeschichte - die Bedeutung der Frauenbewegung in den letzten Jahrzehnten. Frauen könnten sich heute Schuhe anziehen, die ihnen passten. Zukunftsforscher hätten eine Machtverschiebung zugunsten der Frauen prognostiziert. "Wir sind Bundeskanzlerin", bemerkte Scholz und fügte schmunzelnd hinzu: "Und in Bochum sind wir auch Oberbürgermeisterin".

Scholz lobte die Frauenpower in Bochum und betonte den hohen Stellenwert, den Gleichstellung und Frauenarbeit hier hätten.

Zwar sei die Gleichstellungsarbeit aus den Kinderschuhen gewachsen, dennoch gebe es immer noch viel zu tun. Frauen seien in Führungspositionen unterrepräsentiert, nur 5,5 Prozent im Topmanagement tätig. Scholz: "Es gibt viele gut ausgebildete Frauen, deren Potential nicht genutzt wird."

Um die Gleichstellung voranzutreiben, sei es u.a. wichtig, genügend Plätze für die Kinderbetreuung anzubieten. Als "große kommunale Herausforderung" bezeichnete die Oberbürgermeisterin das gesamtstädtische Integrationskonzept in Bochum. In Deutschland habe jede fünfte Frau einen Migrationshintergrund. "Wer diese Vielfalt als Chance begreift, hat zukünftig einen Standortvorteil", bekräftigte Scholz und schlug damit den Bogen zu der Fotoausstellung "geliebte, gelebte Schuhe" von Gunda Oelmann, die im Stadtarchiv anlässlich des Frauentages eröffnet wurde. Scholz: "Die Ausstellung macht die Vielfalt und Unterschiedlichkeit von Frauen am Thema Schuhe deutlich."

Schuhe seien ein Jahrtausende alter Kulturgegenstand und das älteste Kleidungsstück der Welt, erklärte die Gleichstellungsbeauftragte Regina Czajka. Sie verdeutlichten Standpunkte, aber auch die Wandelbarkeit von Frauen, weil sie mithilfe von Schuhen in unterschiedliche Rollen schlüpfen könnten.

Welche Rollen das sein können, zeigten die 50 Fotos der Künstlerin Gunda Oelmann. Darauf zu sehen sind 50 Schuhe von unterschiedlichen Frauen aus dem persönlichen Umfeld der Fotografin. Die Aufnahmen reichen vom klassisch wirkenden Modefoto bis hin zum bizarren poetischen Arrangement. "Alle Fotos sind imaginierte Porträts ihrer jeweiligen Besitzerin und erzählen auf ihre Weise unterschiedliche Geschichten und spiegeln die Vielfalt weiblichen Lebens", erläuterte Oelmann. Die zu den Fotos passenden Geschichten sind z.T. von Autoren niedergeschrieben worden. "Es sind sehr persönliche Geschichten von realen Frauen, die deutlich machen, wie unterschiedlich die Lebenswirklichkeiten von Frauen sind", so die Fotografin.

Zwei dieser Geschichten las die Kabarettistin Esther Münch zur Ausstellungseröffnung vor und bemerkte mit einem Augenzwinkern, dass ihre Schlappen - die sie trägt, wenn sie sich als Putzkraft verkleidet - oft bequemer seien als so mancher Abendschuh.

Von Larissa Mohar

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