"Wir haben den eigenen Rekord gebrochen"
27.07.2008 | 18:05 Uhr 2008-07-27T18:05:02+0200Verkündete erfreut Franz Xaver Ohnesorg als Intendant des Klavierfestivals. 63 000 Karten wurden verkauft Zum Abschluss: Jazz-Trompeter Till Brönner führt galant durch den Abend und überzeugt mit bluesigen Balladen.
Drei Pianisten, ein Trompeter, ein Bassist und ein Schlagzeuger in der Jahrhunderthalle inklusive ausverkaufter Zuschauerränge - so lautet das Fazit des Abschlusskonzertes des Klavier-Festivals Ruhr. Das Festival, in dem sich jährlich die Crème de la Crème der Pianisten tummelt - Alfred Brendel verabschiedete sich in der Essener Philharmonie von seiner langjährigen Konzerttätigkeit bei dem Festival - ist nun leider schon Geschichte.
"Mit 63000 verkauften Karten haben wir unseren eigenen Rekord gebrochen", verkündete stolz Franz Xaver Ohnesorg, Intendant des Klavier-Festivals und Geschäftsführer des Initiativkreises Ruhrgebiet.
"Till Brönner and his friends" - so der offizielle Name des Konzertes. Tatsächlich war der Jazz-Trompeter der rote Faden, der neben "seinem" Pianisten Olaf Polziehn zwei Jazz-Pianisten von großem Renommee ankündigen konnte: Dado Moroni und Leszek Mozdzer. Was folgte, war wie ein Schlagabtausch von Stilistiken und Improvisationskünsten. Mozdzer zelebriert am Klavier seinen individuellen Ausdruck des Jazz. Sein samtweicher Anschlag (in Polen ist er auch wegen seiner Chopininterpretation ein gefeierter Pianist), die scheinbar ziellosen harmonischen Sequenzen seiner Jazzkompositionen ("It's easy with you") einerseits, seine technische Versiertheit und unkonventionelle Melodik andererseits, Mozdzer gelingt ein kunstvolles Statement des Jazz.
Nächster Aufzug: Dado Moroni, vollkommen andere Jazzstilistik. Dieser Pianist spricht die Sprache des Bebop. Er hat mehr Blues in seinem Spiel, benutzt einen größeren Tonumfang, ist dadurch wuchtiger im Klang. Bei Freddie Hubbards "Up Jump Spring" zeigte der Italiener sein präzises Timing, auffällig ist sein blindes Verständnis mit Bassist Dieter Ilg und Deutschlands Vorzeige-Schlagzeuger Wolfgang Haffner, mit denen ihm ein lockerer Bossa (Ivan Lins' "Love Dance") gelang.
Beinahe hätte man vor lauter Pianisten auf der Bühne den "musikalischen Gastgeber" übersehen. Jazz-Trompeter Till Brönner führte nicht nur das Publikum galant durch den Abend, er konnte auch mit bluesigen Jazzballaden ("Beautiful Friendship") aufwarten, und setzte der Musik mit seinen boppigen Melodien manches Mal die Krone auf.
Fünf große Musiker auf einer Bühne: das schreit nach einem großen Finale. Erhebende Momente waren zu erleben, als Mozdzer und Moroni im Duett spielten, sich buchstäblich die Bälle zuwarfen und in ihrer Sprache des Jazz miteinander kommunizierten. Aber es sollte noch toller kommen: Bei Sony Stitts "The Eternal Triangle" teilten sich alle drei Pianisten zwei Flügel, und verblüfften dabei sogar ihre Musikerkollegen an Trompete, Bass und Schlagzeug. Mozdzer "ärgerte" den gerade improvisierenden Polziehn mit Fingertippen auf der Klaviatur, Moroni musste während seines musikalischen Zwiegesprächs mit Mozdzer vor Vergnügung laut lachen. Unvergessliche und seltene Augenblicke des aktuellen Jazz.

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