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Wie's der Intendanz gefällt

10.10.2007 | 19:55 Uhr

Zweimal inszenierten Bochumer Theaterleiter Shakespeare Komödie. Saladin Schmitt schwelgt in Farben.Uneingeschränktes Lob des WAZ-Kritikers für Hans Schalla. Nun folgt die Deutung von Elmar Goerden

Peter Zadeks Hamlet-Inszenierung ist legendär, ebenso Frank-Patrick Steckels ungekürzte Fassung der Tragödie um den Dänenprinzen. Leander Haußmann sorgte für "Viel Lärm um Nichts". Bochum versteht sich als Shakespeare-Stadt, und so liegt es nahe, dass die Intendanten mit Shakespeare-Inszenierungen punkten möchten. Lang jedoch ist es her, dass ein Intendant Shakespeares Kömödie "Wie es Euch gefällt" gedeutet hat.

Beide Male fiel die Inszenierung in eine für die Bochumer Bühne bedeutsame Zeit. 1919 war das Schauspielhaus gerade erst gegründet, 1954 das neue imposante Gebäude an der Königsallee eröffnet worden. Nunmehr inszeniert Intendant Elmar Goerden das bezaubernde Spiel im Ardenner Wald. Am 19. Oktober ist Premiere am Schauspielhaus.

Der Blick zurück indessen gibt eine Ahnung von der Machart der früheren Intendanten-Inszenierungen. Außerdem wird deutlich, welcher sprachlichen und stilistischen Formen sich die altvorderen Kritiker befleißigt haben.

Wie alles anfing: Gleich zu Beginn seiner Intendanz am Schauspielhaus, mit der auch die Geschichte des Bochumer Stadttheaters ihren Anfang nahm, inszenierte Saladin Schmitt im April 1919 Shakespeares "Wie es Euch gefällt". Kurz vor der Sommerpause: Und der Bochumer Kritiker jener frühen Tage war beeindruckt: Schmitt habe mit der Inszenierung "die erste von ihm geleitete Spielzeit gekrönt und Ausblick auf einen vielversprechenden Theaterwinter gegeben". Was machte die Einstudierung für die damalalige Zeit so besonders? Der Rezensent lobte "die gediegene Auswahl der für unser Theater verpflichteten Kräfte." "Wie es Euch gefällt" - das bedeutete damals Märchenstimmung. "Und der phantasievolle Spielleiter Dr. Schmitt schwelgte in Farben und Stilisierungen", so der Kritiker, dem Schmitts Regiezugriff indessen nicht mühelos zugänglich war: "Man musste sich erst an das Neue gewöhnen, musste sich erst zurechtfinden und abzufinden suchen mit dem dargebotenen Stil - denn Dr. Schmitt folgt nicht der Schablone, schöpft vielmehr aus den Tiefen einer wahrhaften Künstlerseele." Da hätte der heutige Theaterfreund gern Mäuschen gespielt, mit welchen Regieeinfällen Saladin Schmitt den Rezensenten hatte irritieren können. Und wie ist dieser Satz aus der Kritik zu verstehen? "Wer sich vorurteilsfrei dem Schauen hingab, der wurde in der Tat von der Märchenstimmung eingelullt." Ist das nun ein Lob oder nicht? Bedeutet das Wort 'einlullen' nach heutigen Sprachverständnis doch durchaus nichts Positives.

Doch wer die Rezension auf dem vergilbten Zeitungsblatt zu Ende liest, der kann wohl annehmen, das dem Kritiker, der mit dem Kürzel "K." zeichnet, die Inszenierung von Schmitt gefallen hat: "Die Wirkung der Aufführung war einheitlich die: Es war zauberhaft schön!"

Jubelnd fiel die Kritik von WAZ-Kritiker Werner Tamms nach der Inszenierung von Intendant Hans Schalla April 1954 aus - ein Beitrag im übrigen zu den zeitgleich stattfindenden Shakespeare-Tagen am Schauspielhaus. Laut Tamms zeige das Inszenierung "eine Meisterschaft der Regie, die einen glänzenden, im besten Sinne programmatischen Auftakt im neuen Haus abgegeben hätte." Bekanntlich war kurz vorher der Theaterneubau an der Königsallee eröffnet worden. Schalla hatte des öfteren bekannt, dass ein am Schreibtisch entstandenes Regiekonzept seine Sache nicht sei. Um so überzeugender wirkte auf den Kritiker Tamms "die innere Konsequenz dieser Aufführung, deren bezauberndes Gleichmaß den komödiantischen Effekt mit seismographischer Sicherheit einordnet und deren Musikalität an keiner Stelle vom Knall eines 'Gags' gestört wird." Zufrieden stellt Tamms fest: "Nicht eine auf Pointierung um jeden Preis bedachte Brillanz, sondern eine schwebende Gelöstheit bestimmt die Aufführung." Der Rezensent registriert "viel Beifall - zahlreiche Vorhänge" und konstatiert: "Ein großer Abend für Shakespeare und das Bochumer Theater!"

Wie nun wird Elmar Goerden "Wie es Euch gefällt" deuten? Es bleibt spannend...

Von Werner Streletz

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