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Internet-Sicherheit

Wie Unternehmen mit Vertipper-Domains Geschäfte machen

18.03.2016 | 06:46 Uhr
Wie Unternehmen mit Vertipper-Domains Geschäfte machen
Eigentlich sollte da "Facebook" stehen - "Faecbook" führt Nutzer zu einer obskuren Gewinnspielseite. Foto: Screenshot/Funke Foto Services

Essen/Bochum.  Fehler und Buchstabendreher in der Browser-Adresszeile führen oft zu nervigen Werbeseiten. Im schlimmsten Fall fangen sich Nutzer Schadsoftware ein.

Manchmal sind die Finger ja schneller als die Tastatur: Das Ergebnis sind Buchstabendreher und andere Vertipper. In der Adresszeile des Webbrowsers können die bisweilen überaus lästig oder gar zum Problem werden. Wer zum Beispiel "Faecbook.de" statt "Facebook.de" eingibt, gelangt zu einer obskuren Seite. Die Seite ist in blau gehalten, sogar ein Facebook-Logo prangt in der Ecke - mit dem sozialen Netzwerk hat das ganze aber nichts zu tun. Vielmehr poppt ein Fenster auf, das dem Nutzer Gewinne wie ein iPhone oder eine Playstation verspricht - wenn er auf einen "OK"-Button klickt.

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"Das sollten Sie auf keinen Fall machen", rät Thorsten Urbanski vom Bochumer IT-Sicherheits-Dienstleister Gdata. "Sie werden da nichts gewinnen. Wahrscheinlich sollen Nutzer ihre Daten irgendwo angeben, die dann teuer weiterverkauft werden." Mit den Vertipper-Domains, die denen bekannter Online-Portale oder -Shops ähneln, wollen Unternehmen Nutzer bewusst auf ihre Seiten locken. "Dahinter steckt eine Industrie", sagt Urbanski.

Kunden abschöpfen mit "Weter.de"

In vielen Fällen geraten Nutzer auf reine Werbeseiten, die über Anzeigen Geld verdienen. In anderen Fällen schöpfen Internetdienst-Anbieter Kunden von Konkurrenzunternehmen ab. Wer etwa wissen will, ob es morgen regnet, im Browser aber "Wetter.de" mit nur einem "t" schreibt, bekommt den Text "Hier entsteht demnächst das große deutsche Legasthenikerportal" angezeigt. Weiter steht da ".. wenn Sie das Wetter suchen, sind sie hier richtig" - nebst Link auf den "Wetter.de"-Konkurrenten Wetter.com - der wiederum Domaininhaber von Weter.de ist. Die Methode mag vielleicht nicht ganz sauber sein, ist wettbewerbsrechtlich aber in Ordnung - und vor allem: Sie schadet dem Nutzer nicht.

Anders ist es bei betrügerischen Seiten, die vertrauenswürdig aussehen, Nutzer aber zum Beispiel in eine Abofalle locken. "In der Regel kommt in solchen Fällen kein wirksamer Vertragsschluss zustande", beruhigt der Dortmunder Rechtsanwalt Michael Fuß. "Bei Routenplanern etwa gab es das in der Vergangenheit häufiger. Da wurde vorgegeben, dass das Angebot kostenlos sei, am Ende erhielten die Nutzer dann aber eine Rechnung." Wenn dem Nutzer aber nicht ganz klar angezeigt werde, dass er ein kostenpflichtiges Angebote wahrnehme, müsse er auch nicht zahlen.

Infizierte Seiten von Schwimmbädern und Restaurants

Die meisten Unternehmen, die Vertipper-Domains nutzen, versuchen, über Werbung Geld zu machen. Einige verbreiten aber auch Malware auf diesem Weg. "Es gibt Seiten, die dem Original sehr ähnlich sehen. Die Nutzer schöpfen dann keinen Verdacht und surfen auf der infizierten Seite", sagt Gdata-Experte Urbanski.

Zumal auch seriöse Seiten Malware verbreiten können - etwa, wenn sie von Cyberkriminellen gehackt wurden. "Das ist ein richtiger Markt. Es werden Tools gehandelt, mit denen Betrüger Schwachstellen im Quellcode der Seite ausfindig machen und darüber Schadsoftware verbreiten können." Das betreffe auch Seiten von kleineren Institutionen oder Unternehmen. "Kürzlich erst hatten wir einen Test mit 100 Webseiten, von denen wir wussten, dass sie infiziert sind." Darunter seien Internetseiten von Schwimmbädern, Restaurants und mittelständischen Firmen gewesen, die unwissentlich Schadsoftware verbreiteten. Als Nutzer merke man das nur, wenn das Virenschutzprogramm  Alarm schlage. Deshalb der Rat des Experten: "Die Schutzsoftware sollte man wirklich immer aktualisieren." (pen)

Kommentare
18.03.2016
11:45
Wie Unternehmen mit Vertipper-Domains Geschäfte machen
von Trumpeltier | #2

Da würde mich einmal interessieren, welcher Anteil an Seitenaufrufen von dem beschriebenen Problem tatsächlich betroffen sind. Ich kann mich gar nicht...
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2016-03-18 06:46
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