Wenn Reinhard Mey auf die Grimm-Brüder trifft

Wiemelhausen..  Der Saal im St.-Johannes-Stift war prächtig gefüllt, als Fred Schüler und Bernd Kleffner zur „Winterreise“ einluden. Die Veranstaltungsreihe, die der Förderverein beherzt auf die Beine stellt, erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit.

Zunächst interpretiert Fred Schüler Chansons von Reinhard Mey. Doch Schüler singt die Lieder nicht bloß nach, er gibt ihnen vielmehr eine höchst eigene Note. So kommt es, dass die bekannten Werke des Liedermachers bei Fred Schüler getragener wirken. Er spielt die Songs eine Spur bedächtiger und akzentuiert die Aussprache, so dass ein ursprünglich rasches Stück wie „Diplomatenjagd“ bei Schüler verständlicher wird und man die Passagen mit Wortwitz, Hintersinn und großem Humor leichter genießen kann.

Bernd Kleffner ist ein Mann des Wortes, der als Journalist über Jahrzehnte aus Düsseldorf berichtete. Er nimmt sich der Märchen der Brüder Grimm an. Dabei betrachtet er die Märchen vom Ursprung bis zur letzten bekannten Veröffentlichung. Dabei, so stellt Bernd Kleffner fest, erfuhren die Märchen vorwiegend durch die Handschrift des jüngeren Wilhelm Grimm eine bemerkenswerte Veränderung. Sprachlich wurden die Märchen mit den Jahren geschmeidiger, der „Es war einmal“-Stil entstand.

Mit „Über den Wolken“ und „Gute Nacht, Freunde“ gibt Fred Schüler am Ende zwei Evergreens von Reinhard Mey zum Besten, viele im Publikum singen begeistert mit. So bleibt der Abend sicher vielen als märchenhaft-musikalisch in Erinnerung, wobei der Zwiebelkuchen aus dem Haus Oekey durchaus dazu geeignet war, den märchenhaften Charakter zu unterstreichen.