Wenn Familie und Kinderheim aufgeben

Fachtag Individualpädagogik im Bochumer Jahrhunderthaus
Fachtag Individualpädagogik im Bochumer Jahrhunderthaus
Foto: waz

Bochum.. Die Wirksamkeit individualpädagogischer Angebote stand im Zentrum des Fachtages der Bundesarbeitsgemeinschaft Individualpädagogik (AIM) in der vergangenen Woche im Jahrhunderthaus.

Allein bis zu 50 Jugendliche schickt das Bochumer Jugendamt pro Jahr zur intensiven sozialpädagogischen Einzelbetreuung, rund zehn junge Leute davon werden jeweils im Ausland betreut. Darunter fallen jedoch auch Betreuungsmaßnahmen etwa in bestimmten Pflegefamilie.

Doch das Jugendamt hat aus Vorkommnissen und Problemen der Vergangenheit Konsequenzen gezogen. Jugendamtsleiter Dolf Mehring, der ebenfalls an dem Fachtag teilgenommen hat: „Junge Leute aus Bochum werden nur ins europäische Ausland geschickt.“ In der Vergangenheit hatte es von verschiedenen Seiten Kritik gegeben an allzu weit entfernten Auslandseinsätzen.

Im Zentrum der Konferenz mit rund 150 Teilnehmern von Einrichtungen der Jugendhilfe, Jugendämtern und Anbietern individualpädagogischer Maßnahmen stand die Studie des Hamburger Soziologen Willy Klawe (Institut des Rauhen Hauses für Soziale Praxis). Ausgehend von zwölf jugendlichen Teilnehmern individualpädagogischer Maßnahmen, wurde in Form von Interviews mit den Betroffenen selbst, Eltern, Betreuern und Jugendamtsvertretern ein möglichst „dichter“ Blick auf die Maßnahmen und ihre Resultate ermöglicht. Dabei standen die Wirkmechanismen ebenso im Zentrum der Untersuchung wie die Rollen der Beteiligten. Klawe formulierte als ein Ergebnis insbesondere Kritik an der Arbeit vieler Jugendämter, die bei der Ausarbeitung der Jugendhilfepläne längst nicht zielgenau genug arbeiteten.

Der Fachtag schloss mit einer Podiumsdiskussion, die Gerhard Lichtenberger leitete. Er ist Geschäftsführer der Bochumer „Life-Jugendhilfe“, die seit vielen Jahren in Deutschland und im Ausland ganz unterschiedliche Projekte für Jugendliche anbietet.

In der Öffentlichkeit geraten solche Projekte immer dann in die Kritik, wenn es etwa Probleme mit den oftmals unberechenbaren Jugendlichen, die häufig bereits eine „Karriere“ in der Drogenszene oder als Kriminelle haben, gibt. Lichtenberger wertete den Fachtag als einen „Erfolg für die Individualpädagogik“.