Wenn ein Name zu neuen Geschichten führt

Für viele kaum noch vorstellbar: die Arbeitswelt unter Tage. Thomas Müller ist eng mit ihr verbunden.
Für viele kaum noch vorstellbar: die Arbeitswelt unter Tage. Thomas Müller ist eng mit ihr verbunden.
Foto: Thomas Müller
Was wir bereits wissen
Spätestens seit der letzten Fußball-Weltmeisterschaften ist Thomas Müller ein Begriff. Doch weg von Abseits und Foul hat ein Namensvetter viel zu erzählen.

Bochum.. Thomas und Müller gehören zu den wohl beliebtesten Namen Deutschlands. Beide Namen kombiniert, führen gedanklich schnell zu dem Thomas Müller, der im vergangenen Sommer mit der deutschen Nationalelf den Titel bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien holte.

Dass ein weiterer Thomas Müller, der weder aus Bayern stammt, noch beruflich Bälle ins Tor kickt, so mit dem Fußball verbunden wird, findet er nicht schlimm. „Ich selbst war Spielbetreuer und bin VfL Bochum-Fan“, erzählt der Bochumer. Vor allem durch seinen Beruf ist er fest mit dem Ruhrgebiet verbunden: Er ist Bergmann, besser gesagt Bergbau-Ingenieur. „Ich bin als Kind mit Zechen groß geworden. Der Dunst über dem Ruhrgebiet, von dem gesprochen wird, der war noch da.“

Obwohl auch sein Vater Bergmann war, verschlug es ihn zunächst jedoch in die Automobilbranche. Als der Betrieb dann aber nach nur fünf Monaten Ausbildung insolvent ging, brachte ihn sein Vater zur Überbrückung auf der Zeche Erin in Castrop-Rauxel unter. „Das hat mich gepackt, das war für mich ein Abenteuer, das mit viel Energie zu tun hatte, sagt Müller, als er vom Beginn seiner Ausbildung zum Bergmechaniker 1977 erzählt. „Das war und ist für mich kein Beruf, sondern eine Berufung.“

Von unter Tage zu über Tage

Die Welt unter Tage blieb bis Ende der 1990er Jahre die seine; durchgehend war er bei Unternehmerfirmen tätig. Doch als die Lobby der Branche immer geringer wurde, nutzt er den Zeitpunkt, wechselt den Betrieb und in die Arbeitswelt über Tage. „An meinem letzten Tag unter Tage habe ich fast geheult; das war doch eigentlich immer meine Welt“, berichtet der heute 55-Jährige. „Doch man musste seine Scheuklappen ablegen. Bergbau bedeutete nicht mehr nur Kohle, sondern auch Tiefbau.“

Für Deilmann-Haniel ist er seit 2008 mit vielen unterschiedlichen Projekten betreut und zusätzlich mit Herzblut für die Auszubildenden zuständig. 16 Azubis in drei Zügen sind zurzeit bei der Firma beschäftigt, die deutschlandweit als einzige nach wie vor Bergbautechnologen ausbildet.

„Der Bedarf an Schächten ist da.“

Dass der Beruf Zukunft hat, steht für Müller fest: „Die Bevölkerung benötigt immer mehr Rohstoffe, sprich Bodenschätze. Der Bedarf an Schächten ist da.“ Doch die Ausbildung erfordert viel Hingabe; Blockunterricht in Thüringen und Montagen in Russland gehören dazu. „Aber wenn der Funke überspringt, dann ist der richtige Beruf“, sagt Müller lächelnd.

Wo sich all die Schätze befinden, erfährt Müller regelmäßig auf seinen Reisen rund um den Globus: Russland, Kanada oder Amerika sind nur einige Beispiele. „Man wird immer kleiner, wenn man tausende Kilometer von zu Hause entfernt unter der Erde arbeitet“, berichtet er. „Aber das ist die Faszination: Hier war vorher noch niemand.“