Das aktuelle Wetter Bochum 18°C
Kampf gegen den Krebs

Wenn die Arbeit krank macht

24.05.2012 | 06:00 Uhr
Wenn die Arbeit krank macht
Der Bochumer Heinz Wotenick erkrankte an einem bösartigen Tumor.Foto: WAZ FotoPool

Bochum.  Wie 1062 weitere Bochumer war Heinz Wotenick in seinem Berufsleben Asbestfasern ausgesetzt. Jetzt wurde er schwer krank. Er fordert von der Berufsgenossenschaft bessere Diagnoseverfahren.

Er sei beim Volleyballtraining ein wenig mehr aus der Puste gekommen als früher, erinnert sich Heinz Wotenick. "Ich dachte aber, das wäre normal für mein Alter", sagt er. Die hartnäckigen Schmerzen in Brust und Rücken machten dem 72-Jährigen seit dem Sommer letzten Jahres viel mehr zu schaffen. Sein Hausarzt schickte ihn mit Verdacht auf Rippenfellentzündung nach Hause.

Keinen Aufschluss über die Ursache

Auch Röntgenbilder gaben keinen Aufschluss über die Ursache. Seit 2001 und zuletzt 2010 hat Wotenick alle drei Jahre seinen Brustkorb durchleuchten lassen, auf Anraten der Berufsgenossenschaft.

 Wotenick war in seinem Berufsleben von 1972 bis 1997 als Mess-, Regel- und Steuerungstechniker in verschiedenen Kraftwerken Asbestfasern ausgesetzt, so wie 1062 weitere Bochumer, die derzeit regelmäßig zur Nachsorge gebeten werden. Er hat nicht direkt mit dem Stoff gearbeitet, sei aber durch Räume gelaufen, "an denen der Sonnenschein manchmal die Fasern in der Sonne glitzern ließ."

Diagnose bösartiger Tumor

Auch ein von seinem Hausarzt darüber hinaus angeordnetes Bild im Dezember 2011 zeigte nichts. "Dann hab ich auf eine Computertomographie (CT) bestanden. Ich habe meinem Arzt gesagt: 'Da ist irgendetwas'", erzählt er. Wotenick lag richtig damit, und dann ging alles schnell. Unter dem rechten Lungenflügel lagerte sich Wasser ein. Mit weiteren Diagnoseverfahren fand man die Ursache – ein Pleuramesotheliom, einen bösartigen Tumor des Rippenfells.

„Jetzt habe ich den zweiten Zyklus der Chemotherapie hinter mir, und ich brauche wirkliche eine Pause davon“, berichtet Wotenick. Er ist sich sicher, dass der Tumor viel eher hätte entdeckt werden können. „Im Röntgen sieht man ihn nicht, die Berufsgenossenschaft hätte früher auf eine CT bestehen müssen“, findet er.

"Typischer Asbesttumor"

„Das Pleuramesotheliom wird meist erst spät diagnostiziert“, weiß Dr. Stefan Löseke, Mitarbeiter am Deutschen Mesotheliomregister im Bergmannsheil. „Er wächst langsam, in der Fläche und macht sich erst bemerkbar, wenn Wassereinlagerungen auf die Lungen drücken.“

Beim Mesotheliom handele es sich um einen „typischen Asbesttumor“, wie Löseke beschreibt. Er sei schwer heilbar, jedoch könne eine frühzeitige Entdeckung die Überlebenszeit verlängern und die Lebensqualität verbessern. Ist es denn so, dass mit Bildern aus der CT-Röhre eine bessere Früherkennung möglich wäre? „Das hängt von vielen Variablen ab. Eine CT ist jedoch hochauflösender und bietet bessere diagnostische Möglichkeiten.“

CT flächendeckend einsetzen?

Warum also setzt man die CT nicht flächendeckend zur Asbest-Nachsorge ein? „Dieser diagnostische Mehrwert ist nur beim Bronchialkarzinom gegeben“, erläutert Christian Sprotte von der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse. „Im Falle des Pleuramesothelioms bringt es jedoch nicht viel. Zudem ist das CT mit einer höheren Strahlendosis verbunden“, erklärt Sprotte.

Für Wotenick ist es dennoch wichtig, informiert zu sein über die Asbest-Folgen. „Es ist besser, Bescheid zu wissen“, sagt er. Als aufgeklärter Betroffener könne man Symptome besser deuten und früher reagieren. „Als die Ärzte im Februar das Wasser fanden, sagten sie: ,Das ist nicht die Ursache von Monaten, sondern von Jahren’“, so Wotenick.

Daniel Hadrys


Kommentare
Aus dem Ressort
Stunk in Bochumer Siedlung – ist Kindergeschrei Lärm?
Mietrecht
Mehrere Anwohner einer Siedlung in Laer fühlen sich von einer Gruppe Jungs gestört. Sie seien laut und frech, zerstörten die Beete und urinierten mitten in einen Sandkasten. Was Mieter erdulden müssen - und was nicht.
Bandidos im Fokus der Bochumer Polizei
Sicherheit
Auch in Bochum dürfen Mitglieder der Bandidos ihre Symbole, etwa den „Fat Mexican“, nicht mehr öffentlich zeigen. Der berüchtigte Club scheint die Entscheidung der Staatsanwaltschaft zu akzeptieren. Die Polizei lobt sogar die Kooperationsbereitschaft der Rocker.
Ruhr-Uni bildet Ärzte für Ostwestfalen aus
Bildung
Das „Bochumer Modell“ wird zum Exportschlager. Die Zusammenarbeit von Universität und Krankenhäusern soll auf die Region rund um Bielefeld ausgeweitet werden. Die Auswahl der Kliniken für die jungen Medizinstudenten läuft. Die Kinderklinik Bethel setzt auf Prof Eckard Hamelmann, der Bochum verlässt.
Sitzhersteller Johnson Controls verliert Ford-Auftrag
Wirtschaft
Erst Opel, nun Ford. Das Johnson-Controls-Werk in Bochum verliert Anfang 2017 den Auftrag für die Produktion von Fiesta-Autositzen. Der Betriebsrat ist in Sorge. Gibt es keine neuen Aufträge, muss das Werk mit derzeit noch 600 Beschäftigten schließen.
Zahnschaden durch Fischstäbchen? Betrug fliegt auf
Betrug
Beim Versuch, gleich zwei Nahrungsmittelfirmen für eine beschädigte Zahnkrone verantwortlich zu machen, ist in Bochum offenbar eine Betrügerin aufgeflogen. Die 60-Jährige forderte laut Polizei Schadenersatz von den Firmen. Doch im E-Mail-Verkehr unterlief ihr ein vermeidbarer Fehler.
Umfrage
Die Stadt möchte Bochum zu einer Marke machen. Ist das eine gute Idee oder geht der Schuss nach hinten los?

Die Stadt möchte Bochum zu einer Marke machen. Ist das eine gute Idee oder geht der Schuss nach hinten los?

 
Fotos und Videos
An der Maarbrücke
Bildgalerie
Straßenserie
Tanz mit dem Licht
Bildgalerie
Urbanatix 2014
Aufräumaktion an Spielplätzen
Bildgalerie
Beseitigung der...
Musikzentrum
Bildgalerie
Baustelle