Wenn das Leben sinnlos erscheint

Scheiden tut weh. Axel Hellmich (Name geändert) hat der Schmerz den Lebensmut genommen. Seit vier Jahren wird er im LWL-Klinikum behandelt. „Die Trennung von meiner Frau“, sagt der 57-Jährige im WAZ-Gespräch, „hat mich in eine schwere Depression gestürzt.“

Der Anfang ist Liebe. 1997 heiratet Axel Hellmich seine 17 Jahre jüngere Partnerin. Zwei Kinder (heute 6 und 8) machen das Familienglück perfekt. Das bekommt 2011 tiefe Risse. Hellmich wird von seinem Arbeitgeber nach Ostwestfalen versetzt. Anfangs pendelt er täglich. Bald mietet er ein Apartment an. Die Ehefrau fühlt sich mit den Söhnen allein gelassen, macht ihrem Mann Vorwürfe. „Sie hat mich gedemütigt, weggestoßen.“ Hellmich, seelisch jeher nicht der Stabilste, zerbricht an der – wie er es empfindet – fehlenden Wertschätzung daheim und im Job.

Die Ehe ist endgültig zerrüttet, als Hellmich aufgrund der psychischen Erkrankung 2011 frühpensioniert wird. „Jetzt hatte ich auch weniger Geld. Da war’s ganz aus.“ Die Scheidung ist schäbig. Streit um den Unterhalt. Kampf ums Sorgerecht. Rosenkrieg. Hellmich stürzt vollends ab, unternimmt drei Selbstmordversuche, legt sich auf die Bahngleise. „Aber es kam kein Zug. Manchmal bedauere ich das.“

Ein gebrochener Mann ist Axel Hellmich bis heute, trotz der mehrjährigen professionellen Hilfe in der LWL-Klinik. Immerhin hat er inzwischen wieder regelmäßig Kontakt zu seinen beiden Jungs.

Woran seine Ehe gescheitert ist? Hellmich überlegt lange. Bei seiner Antwort fällt ihm der Eheschwur ein. „,In guten wie in schlechten Zeiten’: Das war für meine Frau irgendwann nur noch eine hohle Formel.“ Eigene Fehler? „Ich wüsste nicht welche. Für meinen Jobverlust und meine Krankheit kann ich doch nichts.“

Perspektiven erkennt er nicht mehr. Er lebe nur für seine Kinder. Sein behandelnder Arzt Prof. Juckel sieht Fortschritte. Sein Patient habe es immerhin geschafft, die Trennung nicht bloß als Scheitern, sondern als ein Stück Normalität zu begreifen. „Das ist ganz wichtig, um die Zukunft zu meistern.“