Weihnachtseinkauf im Knast
15.11.2009 | 17:28 Uhr 2009-11-15T17:28:00+0100
Nur alle zwei Jahre öffnet die Justizvollzugsanstalt Krümmede ihre Tore zum Verkaufsbasar. Kein Wunder also, dass am Sonntagnachmittag 15. November trotz schlechten Wetters der Andrang groß war.
Nicht nur die Chance auf ein Schnäppchen lockte die Menschen, „die Neugier mal einen Knast von innen zu sehen, spielt natürlich auch eine große Rolle”, verriet Horst Mittmann, Leiter der Arbeitsverwaltung. Bei ihm liefen die Fäden zusammen, denn dieser Basar erforderte etwas mehr organisatorischen Aufwand als ein einfacher Flohmarkt.
Wachleute passten auf
Schon beim ersten Schritt durch das große Tor wurde jeder Einzelne in der Menge vom Wachpersonal aufmerksam beäugt. Insgesamt 60 Sicherheitsleute waren extra im Einsatz, „manche davon opfern dafür sogar ihre Freizeit”, meinte Mittmann respektvoll. Trotzdem, „vor 20 Jahren wäre so eine Offenheit undenkbar gewesen”, erklärte er, jetzt sei diese Transparenz gewollt. „Wir wollen schließlich Werbung für unsere Werkstätten machen”, gab Mittmann zu.
Die Besucher staunten
Die Menge jedenfalls staunte beim Anblick der bewaffneten Wachen in Uniform. „Ob wir hier wohl wieder herauskommen?”, fragte ein Besucher mit Blick auf die Stacheldraht bewehrten Mauern. „Die Wachen stehen natürlich da zur Präsenz”, erklärte Mittmann, „einen Großteil der Sicherheitsmaßnahmen sieht man gar nicht”.
Bereits zum vierten Mal fand der Basar statt und bisher habe es nie besondere Vorkommnisse gegeben. Hinterher werden natürlich noch mal alle Räumlichkeiten gründlich inspiziert, bevor die Insassen wieder hinein dürfen.
In der Mehrzweckhalle
Von den Gefangenen war nämlich nichts zu sehen in der großen Mehrzweckhalle. An den Verkaufsständen standen nur Mitarbeiter aus den einzelnen Arbeitsbereichen. Diese boten die von den Insassen hergestellten Artikel an. „So merken die Leute, dass ihre Arbeit auch wertgeschätzt wird”, freute sich Mittmann.
Wertschätzung war groß
Die Wertschätzung oder Neugier schien jedenfalls groß zu sein, rappelvoll war die Halle, in der sonst die Gefangenen Turnen und Fußball spielen. „Vor zwei Jahren waren rund 2300 Menschen hier”, schätze Mittmann. Der Verkauf schien blendend zu laufen. Kaum ein Besucher, der nicht schwer beladen mit Weihnachtsdeko und ähnlichem die Halle verließ. Von der Krippe bis zur Weihnachtspyramide, vom Grill bis zum Holzelch gab es alles, was das Herz begehrt. „Scheint fast so, als würde das Ganze auch ein finanzieller Erfolg”, meinte Mittmann, die Einnahmen gehen an die Landeskasse.

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