WAZ-Theaterscouts

Z Wer eine leichte Komödie erwartet, wird überrascht. Diese Inszenierung hat es in sich! Schon im Prolog von Roland Riebeling als Don John, wird deutlich, wohin die Reise gehen kann. Als Golfspieler möchte er sich sein Handicap nicht durch gaffende Fremde beeinträchtigen lassen. Die Regie hat das bunte Treiben um zwei Liebespaare in eine Klinik verlegt. Alle Protagonisten sind Verletzte, ob durch Kriegsverletzungen oder Schönheits-Chirurgie. Die Zerrissenheit der heutigen Realität zwischen Kriegsbildern, Flüchtlingsdramen und Schönheitswahn bildet den Hintergrund dieser sehenswerten Inszenierung.

Z Wer gern eine unterhaltsame Komödie von Shakespeare erleben möchte, wird von der Aufführung eher enttäuscht. Es handelt sich nämlich mehr um ein Stück als Shakespeare. Der Aufführung fehlte es ganz allgemein an Schwung und Überzeugungskraft. Selbst von der schauspielerischen Kunst war ich diesmal enttäuscht, denn eine Rolle zu verkörpern, bedeutet mehr, als nur den Text zu beherrschen. Misslungen ist in meinen Augen auch der mühsame Versuch, die aktuelle Flüchtlingsproblematik einzuflechten. Die Erheiterung im Publikum war stellenweise groß, mich hat das Stück nicht überzeugt.

Z Wir erleben unsere Gesellschaft als Krankenlager. Die Sprache verroht, jeder Gefühlsausdruck wird zur Parodie, die ehrlich empfundene Liebe hängt am Tropf. Wir sehen Menschen, denen der echte Ausdruck abhanden gekommen ist. Wie berührend, als diese Szenerie dann doch in dem liebenden Erkennen von Benedikt und Beatrice gebrochen wird. Diese Inszenierung ist für mich eine der ganz großen der letzten Jahre. Selten habe ich einen Theaterabend erlebt, der so reich an Farben und so klug war, der etwas zu sagen hat, ein dringendes Anliegen. Das ist für mich Theater im besten Sinne!