WAZ-Leser stricken Ritterrüstungen

So sehen die Strick-Rüstungen aus: (v.l.) Stefan Woßmann, Irene Rauh und Anette Hachmann probieren sie mal an:
So sehen die Strick-Rüstungen aus: (v.l.) Stefan Woßmann, Irene Rauh und Anette Hachmann probieren sie mal an:
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Fürs Musical „Spamalot“ der kultigen Komikertruppe Monty Python suchte das Schauspielhaus fleißige Helfer, die gut mit der Stricknadel umgehen können.

Bochum.. Genau 40 Jahre ist es her, seit der Historienklamauk „Die Ritter der Kokosnuss“ in die Kinos kam und die britische Komikertruppe Monty Python zu Weltstars machte. Jetzt ist die fulminante Suche nach dem Heiligen Gral um ein weiteres Kapitel reicher.

Unter dem Titel „Monty Pythons Spamalot“ kommt der schräge Spaß als Musical ins Schauspielhaus. Regie führt Christian Brey, dessen „Drei Männer im Schnee“ nach Erich Kästner zum Überraschungshit avancierte.

Die Vorbereitungen für die Premiere am 11. September laufen bereits auf Hochtouren, denn noch vor den Theaterferien, die Ende der Woche beginnen, muss die Inszenierung bühnentauglich sein.

Rüstungen aus Blech fallen aus

Und der Aufwand ist groß: Allein 200 Kostüme werden benötigt, um die Artus-Sage – skurril und schwarz von Monty Python interpretiert – auf die Bühne zu bekommen. Darunter befinden sich auch 14 Ritterrüstungen. Eine Aufgabe, die Britta Brodda, die langjährige Kostümdirektorin am Schauspielhaus, vor ganz neue Herausforderungen stellt. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt sie.

Das Problem: Die Rüstungen müssen hinter der Bühne blitzschnell an- und wieder ausgezogen werden. Und: Die Schauspieler müssen in ihren Kostümen singen und tanzen. Herkömmliche Theater-Rüstungen etwa aus Blech fallen daher aus. Also kam Brodda gemeinsam mit Kostümbildnerin Anette Hachmann auf die Idee, die Rüstungen „stricken“ zu lassen. „Mit festem Paketband“, sagt Hachmann. Nur: Wer kann so gut mit der Stricknadel umgehen?

„Man muss sich jede Masche hart erkämpfen“

Ein kleiner Aufruf in der WAZ genügte – und schon meldeten sich rund 50 Leser beim Schauspielhaus und boten ihre ehrenamtliche Hilfe an. „Das ist toll“, meint Britta Brodda. „Wenn man die Menschen um Hilfe bittet, dann kommen sie und stehen zu ihrem Theater.“

Spamalot: Der Vorverkauf läuft bereits bis Mitte 2016

Ein richtiger „Strickverein“ hat daraufhin in wochenlanger Heimarbeit die verschiedenen Teile der Rüstungen gefertigt. Eingeteilt waren die Helfer in verschiedene Gruppen, die sich um die Hauben, die Hosen oder das Brustteil kümmerten. Dass all dies statt mit Wolle mit stabiler Paketschnur gefertigt werden sollte, war für die fleißigen Stricker eine weitere Hürde: „Das scheuert furchtbar am Finger“, sagt Irene Rauh, eine der Strickerinnen. „Man muss sich jede Masche hart erkämpfen“, ergänzt Stefan Woßmann, der einzige Mann im Strick-Team.

Sechs große Rollen Paketband für eine Ritter-Hose

Und so strickte der 51-jährige Woßmann nach Feierabend unermüdlich an seiner Ritter-Hose, die auf der Bühne von dem Tänzer Nivaldo Allves getragen wird. Sechs große Rollen Paketband mit jeweils 200 Metern Schnur hat er gebraucht. „Ich habe mit dem Stricken angefangen, weil ich mir das Rauchen abgewöhnt habe“, erklärt Woßmann sein ungewöhnliches Hobby. Dem Schauspielhaus will er gerne weiterhin helfen, wenn mal wieder jemand zum Stricken gesucht wird. „Hat Spaß gemacht.“