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Prozessauftakt

Wattenscheider ist wegen 15-fachen Mordversuchs angeklagt

14.04.2010 | 17:40 Uhr
Wattenscheider ist wegen 15-fachen Mordversuchs angeklagt

Bochum/Wattenscheid.Nach einer hochgefährlichen Benzin-Attacke in einem Wattenscheider Fitnessstudio steht seit Mittwoch ein 27-jähriger Wattenscheider vor dem Schwurgericht. Ihm wird 15-facher Mordversuch vorgeworfen.

Die Anklage lautet auf versuchten Mord in 15 Fällen. So viele Menschen hatten sich damals, am 13. Oktober 2009 gegen 15 Uhr, in einem Wattenscheider Fitnessstudio aufgehalten, als jemand auf einer Fläche von 25 Quadratmetern fast drei Liter Benzin aus einem mitgebrachten Kanister in den Eingangsbereich gekippt und ein Feuerzeug in die Lache geworfen hatte. „Ich mach euch alle nieder!“, soll er gesagt haben. Nur durch Glück hat sich der hochexplosive Brennstoff aber nicht entzündet. Es wurde auch niemand verletzt.

Die Strafe indes könnte trotzdem gewaltig ausfallen. Schließlich sieht die Staatsanwaltschaft zwei Mordmerkmale: Heimtücke und gemeingefährliche Tatmittel. Seit Mittwoch steht deshalb ein 27-jähriger Wattenscheider vor dem Schwurgericht. Er war damals kurz danach von der Polizei gefasst worden. Laut Staatsanwaltschaft gab er damals zwar zu, das Benzin ausgeschüttet zu haben, aus Frust über seine Mutter - der Betreiberin des Fitnessstudios. Jedoch habe er das Feuerzeug bewusst nicht angeknipst, sondern nur hingeworfen. Er meinte damit wohl, dass er nur eine Drohkulisse aufbauen wollte. Er habe keinesfalls töten wollen.

Ein einziger Funke hätte den Tod bringen können

Die Feuerwehr stellte nach Polizei-Angaben aber fest, dass ein einziger Funke - etwa durch Anspringen eines an der Theke stehenden Kühlschranks - eine Explosion hätte auslösen können. Die Anklage geht denn auch davon aus, dass der 27-Jährige den möglichen Tod der 15 Menschen zumindest billigend in Kauf genommen habe. Vor der Benzin-Attacke soll er bereits eine Flasche Bier ins Fitnessstudio geworfen haben.

Der Mann hatte zur Tatzeit über zwei Promille Alkohol im Blut gehabt. Bei der Festnahme in Tatortnähe pöbelte er laut Anklage gegen die Polizei. Er spuckte einem Beamten sogar ins Gesicht. Wie der Angeklagte das heute sieht, ist noch nicht klar. Am Mittwoch wurde nur die Anklage verlesen. Seit der Tat sitzt er in Haft.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm noch weitere Gewalttaten vor. Etwa den illegalen Besitz von Bundeswehrwaffen und das Zeigen von Nazi-Grüßen. Er soll auch ein Fahrzeug demoliert und seine Ex-Freundin in der gemeinsamen Wohnung Hontröp geschlagen haben. Zehn Tage durfte er nicht in die Wohnung zurückkehren. Zuletzt war er „ohne festen Wohnsitz“. Er ist mehrfach vorbestraft. Am 4. Mai geht der Prozess weiter. Dann wird er eventuell auch etwas zum Tatmotiv sagen.

Bernd Kiesewetter

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