Was zu einem gesunden Schulstart dazu gehört

Beim WAZ-Verbrauchercheck besuchte Ute Wippermann-Wegener Familie Amann mit dem dreijährigen Mattes, Vater Stefan und Hannes (6).
Beim WAZ-Verbrauchercheck besuchte Ute Wippermann-Wegener Familie Amann mit dem dreijährigen Mattes, Vater Stefan und Hannes (6).
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Tipps rund um einen gesunden Schulstart vermittelt der vierte WAZ-Verbrauchercheck. Eine Umweltberaterin besuchte eine Familie in Grumme.

Bochum.. Tintenkiller? Kommt gar nicht in die Tüte! „Erstens ist da jede Menge schädliche Chemie drin. Zweitens braucht das kein I-Männchen“, sagt Ute Wippermann-Wegener. Hannes versteht und nickt – und gibt sich zum Schulstart gern mit einem Radiergummi zufrieden.

Beim WAZ-Verbrauchercheck erhalten unsere Leserinnen und Leser Hilfe aus erster Hand. Naturgerechte Balkonbepflanzung, Baufinanzierung in Niedrigzins-Zeiten und Ärger mit der Telefonrechnung: Bei den ersten drei Hausbesuchen in diesem Jahr gaben Experten der Verbraucherberatung wichtige Tipps und Hinweise.

Tornister besteht den Test

Vor der Sommerferien kehrten Umweltberaterin Ute Wippermann-Wegener und die WAZ bei Familie Amann in Grumme ein. Thema: gesunder Schulstart. Hannes (6) wechselt im August vom Liborius-Kindergarten auf die Liborius-Grundschule. „Ich freu mich, vor allem aufs Schwimmen!“, ruft der Blondschopf. Zwar haben die Eltern Stefan (41) und Julia (37) in ihrem gemütlichen Heim an der Volmestraße schon so manches für den Schulbeginn vorbereitet. „Einiges fehlt aber noch. Da kann der Rat einer Fachfrau nur nützlich sein“, sagt der Betriebsprüfer.

Zunächst nimmt Ute Wippermann-Wegener den Tornister unter die Lupe. Für den hat die Familie zahlreiche Testberichte studiert und an vier Nachmittagen die Geschäfte abgeklappert. Vorteil: Julia Amann ist Lehrerin. Vielleicht auch deshalb ist die Beraterin hochzufrieden mit dem Marken-Ranzen: „Wichtig ist vor allem, dass der Tornister leicht, gut gepolstert und wasserdicht ist und die Gurte verstellbar sind.“ Hannes weist auf die „Reflex-Streifen“ (er meint die Reflektoren) hin: „Damit sieht man mich im Dunkeln!“ Beim Befüllen leistet die Waage gute Dienste. Zehn Prozent des Gewichts des Kindes gelten als Obergrenze.

Stifte sollten möglichst naturbelassen sein

Nichts auszusetzen hat Ute Wippermann-Wegener auch an Hannes’ neuem Etui. „Eltern sollte besonders darauf achten, dass die Buntstifte möglichst naturbelassen und nicht zu stark lackiert sind. Die Kinder kauen gerne darauf herum. Deshalb ist es meist von Vorteil, Federmäppchen zu kaufen. Die kann man selbst bestücken.“

Wer Mutter Natur auf die Sprünge helfen will, greift zudem zu Recyclingpapier. „Danach muss man allerdings vielfach suchen. Unser Testkauf hat ergeben, dass Umweltschutzpapier im Bochumer Handel schwer zu finden ist und meist in den Regalen ganz weit unten liegt“, schildert Ute Wippermann-Wegener. Gleichwohl sollte zum Beispiel der Blaue Engel auf möglichst allen Schreib- und Rechenheften prangen. Bezugsadressen gibt’s in der Verbraucherzentrale.

Vitaminpillen? Geht gar nicht

Wasserfarbkasten nur mit austauschbaren Farben („Damit er nicht gleich weggeworfen werden muss“), Wachsmaler statt Filzstiften, eine Frühstücksdose statt Alu-Folie: Hannes und Papa hören den weiteren Empfehlungen der Umweltexpertin aufmerksam zu. „Und was darf in meine Schultüte?“, fragt schließlich der Klasse-Knirps und hält stolz ein wahrhaft tolles Drachen-Exemplar in die Höhe. Knete, Sportsachen, eine Frühstücksdose (die Hannes sogleich geschenkt bekommt): Ute Wippermann-Wegener weiß, was für ABC-Schützen wichtig ist. Manche gutmeinenden Verwandten schenken auch Vitaminpillen, schaudert sie sich. Die kommen ganz und gar nicht in die Tüte. Wie Tintenkiller.

Warum Filzstifte nicht riechen sollen

Für 2400 Jungen und Mädchen in Bochum beginnt im nächsten Monat die Schule. Verbraucherberaterin Ute Wippermann-Wegener wartet für die ABC-Schützen, aber auch für alle anderen Schülerinnen und Schüler mit einigen Tipps auf.
– Achtet bei Heften, Blöcken und Ordnern auf Recyclingpapier. Für Papier mit dem Blauen Engel werden keine Bäume gefällt; bei der Qualität stehen sie Papier aus Frischfasern in nichts nach. Leider sind die Engel-Hefte noch nicht überall im Handel zu bekommen. Wo es sie gibt, steht im Internet auf www.blauer-engel/papierfinder.
– Der Schulranzen sollte leicht, robust und gut zu tragen sein . Eltern sollten darauf achten, dass er nach DIN 58124 gekennzeichnet ist. Das gewährleistet u.a. eine ausreichende Wasserdichtigkeit, Polsterung und Reflektoren. Tornister mit dieser DIN müssen auf mindestens 20 Prozent der Gesamtfläche mit orangerot oder gelb leuchtenden Materialien ausgestattet sein. Eltern informieren sich bei Stiftung Warentest oder Ökotest.
— Auf komplette Etuis sollte gerade zum Schulstart verzichtet werden. Stattdessen sollten leere Federmäppchen selbst bestückt werden. Füllfederhalter, Tintenkiller, Schreibschablonen, Zirkel oder Kugelschreiber gehören nicht in den Ranzen eines Schulanfängers.
– Greift zu Buntstiften ohne Lackbezug. Darin könnten Schwermetalle enthalten sein, die beim Stiftkauen im Mund gelöst werden.
Filzstifte für Kinder dürfen nicht riechen. Folienschreiber mit Aufschriften wie „permanent“, „Allesmarker“ oder „Whiteboardstifte“ sind für Kinderhände tabu. Sie enthalten organische Lösungsmittel. Man erkennt sie am süßlich-chemischen Geruch.
– Eine gute Alternative sind Wachsmalstifte. Hier besonders auf die Norm DIN EN 71 achten, ebenso wie bei Wassermalfarben.
– Für den Bastelbedarf reicht ein Papierklebestift völlig aus. Der Kleber sollte wasserlöslich und frei von organischen Lösungsmitteln sein. Tipp: Klebstoff lässt sich aus Kartoffelstärke selbst herstellen.

Weitere Informationen hält die Umweltberatung der Verbraucherzentrale, Große Beckstraße 15, Telefon 0234/97 47 37 05, bereit.