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Was für Max Imdahl wichtig war

02.02.2009 | 16:34 Uhr
Was für Max Imdahl wichtig war

In der Situation Kunst wird der Nachlass des großen Bochumer Kunsthistorikers digitalisiert.

Im Sommersemester 1976 hielt der Kunsthistoriker Max Imdahl an der Ruhr-Uni seine Vorlesung über Rembrandt. Ein unwiederbringlicher Moment der Wissenschaftsgeschichte? Nein, in der Situation Kunst arbeitet derzeit Anja Ziebarth daran, den Nachlass des großen Bochumer Kunsthistorikers (1925-88) zu digitalisieren und damit für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Führt das Archiv von Max Imdahl in der Situation Kunst: Anja Ziebarth. Foto: Ingo Otto

Irgendwo im fensterlosen Untergeschoss des Museumskomplexes am Weitmarer Schlosspark steht der Schrank mit dem wissenschaftlichen Nachlass Imdahls. Gut 40 000 Blätter umfasst er, gelagert in nummerierten und datierten Kartons. Er ist der Situation Kunst und dem kunsthistorischen Institut der RUB im Jahre 1992 überlassen worden.

Einige Kassetten und Tonbänder

Manuskripte, Briefe, Entwürfe, Zeitungsausschnitte und Notizen sind es, dazu einige Kassetten und Tonbänder, 1995 kam noch mal ein großes Konvolut dazu. In dieser riesigen Manifestation eines Forscherlebens finden sich auch die Gespräche und Kunstseminare, die Imdahl in den spätern 70er Jahren mit den Vertrauensleuten der Bayer AG Leverkusen führte unter dem Motto „Arbeiter diskutieren moderne Kunst".

Bayer AG gibt Unterstützung

Das führt heute noch dazu, dass die Bayer AG einen Großteil der Kosten für die Digitalisierung des Nachlasses trägt. Anja Ziebarth arbeitet seit 2007 an diesem Projekt und rechnet damit, dass es im Sommer abgeschlossen sein wird. Dann sollen sämtliche Niederschriften gescannt, vier ganze Vorlesungen und einige weiter Tonbänder in MP3s verwandelt, historische Bilddokumente erfasst und alles zusammen in einer Datenbank verfügbar sein.

Faszinierende Möglichkeiten

Die Möglichkeiten für die Forschung sind faszinierend: Ausgehend etwa von einem theoretischen Text Imdahls könnte man dem Hochschullehrer bei Vorträgen vor Studenten oder Arbeitern lauschen und auch das Manuskript dafür zur Hand nehmen. Ebenso ist denkbar, die Entwicklung von Ideen anhand der vorhandenen Korrespondenz (etwa mit Josef Albers) zu rekonstruieren. Selbst aus der Hängung von Kunstwerken in den Uni-Kunstsammlungen können Rückschlüsse gezogen werden.

Als "abgeschlossener Korpus"

„Der wissenschaftliche Nachlass von Max Imdahl ist hier als abgeschlossener Korpus vorhanden", freut sich die Doktorandin der Kunstgeschichte über die deutliche Quellenlage. Wie die fertige Datenbank aussehen wird, ist noch nicht klar. Sie wird - neben wissenschaftshistorischer Relevanz (für Imdahls eigene Schriften und vor allem für die Geschichte der Forschungsgruppe „Poetik und Hermeneutik") - eine einmalige Dokumentation über die Entstehung der Kunstsammlung der Universität und des Bochumer Kunstlebens seit 1965 im Allgemeinen sein.

Stimmen aus der Vergangenheit

Schon heute bekommen ehemalige Schüler Imdahls glänzende Augen, wenn sie die Stimme des Kunstvermittlers aus der Vergangenheit hören.

Tom Thelen

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