Warum Gestank zu Großeinsatz der Bochumer Feuerwehr führte

Prof. Dr. Rainer Lotzien von der TFH Georg Agricola erklärte die leichte Geruchs-Entwicklung.
Prof. Dr. Rainer Lotzien von der TFH Georg Agricola erklärte die leichte Geruchs-Entwicklung.
Foto: WAZ FotoPool / Ingo Otto
Was wir bereits wissen
Wenn der zuständige Laborleiter da gewesen wäre, hätte die Feuerwehr in der vergangenen Woche gar nicht zur Fachhochschule ausrücken müssen.

Bochum.. Der Aufwand war groß, die Gefahr nur gering bis gar nicht vorhanden. Viel Lärm um wenig hieß es in der vergangenen Woche. Da erreichte die Leitstelle der Feuerwehr ein Notruf aus der Technischen Fachhochschule Georg Agricola. In einem Laborbereich sei bei einem Versuchsaufbau Schwefelwasserstoff ausgetreten. Die Feuerwehr rückte mit 38 Einsatzkräften aus.

Es war ein im Rückblick überdimensionierter Einsatz. Die betroffenen Gebäude wurden kurzfristig geräumt, die Straßen um die Fachhochschule herum – Herner Straße und Nordring – wurden gesperrt. Die Feuerwehr führte Konzentrationsmessungen im Chemikalienschutzanzug durch und stellte fest: keinerlei Konzentration giftiger Stoffe. Wäre der zuständige Laborleiter erreichbar gewesen, hätte die Feuerwehr gar nicht ausrücken müssen. Der aber war krank, deshalb wurde sicherheitshalber die Feuerwehr verständigt.

Folge eines überwachten Vorgangs

Prof. Dr. Rainer Lotzien, Leiter des Labors Mechanische Verfahrenstechnik an der Fachhochschule, klärt auf, wie es zu diesem Einsatz kam. „Weil es nach faulen Eiern roch. Zunächst einmal war es kein Laborversuch, sondern Folge eines von uns überwachten Vorgangs. Das Technikum für mineralische Rohstoffe setzt sich auch mit der nassmechanischen Behandlung von Rohstoffen auseinander. Zum Beispiel der Kohlenwäsche, bei der die Steinkohle in Wasser vom sogenannten tauben Gestein getrennt wird. Kohle hat eine geringere Dichte als das Festgestein und schwimmt deshalb oben. Ähnliche Verfahren kommen auch bei anderen mineralischen Rohstoffen zum Einsatz.

Die Abwässer aus diesen Behandlungsprozessen werden durch einen Schlammfang geleitet, wo sich die Feststoffe absetzen.“ Das Sedimentationsbecken befindet sich im Keller unterhalb des Labors. Die eingeleiteten Feststoffe sammeln sich mit der Zeit an und bilden – je nach Belastung – eine mehr oder minder mächtige Sedimentationsschicht aus. „Der Schwefelwasserstoff-Bildungsprozess in unserem Schlammfang bis zur ersten geruchlichen Belastung dauert drei bis vier Jahre, so dass das Reinigen des Schlammfangs erforderlich wird. Dies hat sich nun offenbar durch eine erste Geruchsbelastung angekündigt. Die Geruchsschwelle – also die erste Konzentration der Wahrnehmung, Geruch von faulen Eiern – liegt bei 0,02 ppm, Teilen pro Million und liegt damit um den Faktor 250 weit unterhalb der maximal erlaubten Arbeitsplatzkonzentration von 5ppm. Die Explosionsgrenze liegt oberhalb von vier Prozent, die Zündtemperatur bei rund 250 Grad.“ Auch hier drohte also keinerlei Gefahr.