Wanderarbeit hat lange Geschichte

Foto: Annette Hudemann

„Mensch – Mobilität – Migration“ heißt die neue Ausstellung im LWL-Industriemuseum Zeche Hannover. Sie beschäftigt sich mit der „Wanderarbeit“, ein Thema, das gerade auch im Ruhrgebiet immer eine große Rolle gespielt hat.

Den Gründen und Folgen der Arbeitswanderung damals wie heute geht die mit viel Anschauungsmaterial ausgestattete Exposition nach, die bis zum 19. Juli in Hordel zu sehen sein wird. Wer nun meint, Wanderarbeit sei ein Phänomen „von gestern“, denke zum Beispiel an die bevorstehende Spargelzeit. Bald werden auch im Ruhrgebiet wieder Kolonnen von Spargelstechern in Wohnwagen leben, solange die Saison läuft. Gerade die polnischen Wanderarbeiter stehen für ein Phänomen, das heute genauso wie in der Geschichte zu beobachten ist.

Scherenschleifer und Heringsfänger

„Die Ausstellung zeigt Arbeit als eine wichtige Triebfeder für Migration in Geschichte und Gegenwart. Damit verbindet sie die beiden Schwerpunktthemen unseres Museums: Industriekultur und Migrationsgeschichte“, erläutert Museumsleiter Dietmar Osses.

In der Schau werden historische Wanderberufe in Szene gesetzt und ihnen aktuelle Berufsfelder entgegen gestellt: Scherenschleifer Schausteller, lippische Wanderziegler und Heringsfänger, italienische Eismacher und Gastarbeiter aus Südeuropa stehen für die Wanderarbeit in der Geschichte. Als Arbeitsmigranten heutiger Tage werden osteuropäische Bauarbeiter, rumänische Pflegekräfte, Berufspendler, aber auch Flüchtlinge vorgestellt.

Das Spektrum der Exponate reicht vom Fahrrad eines Scherenschleifers über das Spielkarussell eines Schaustellers, einer historischen Eismaschine bis hin zu angeschwemmten Habseligkeiten der Menschen, die versuchen, aus Afrika über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Film- und Tondokumente dokumentieren das Leben der schlecht bezahlten Wanderarbeiter auf Baustellen in Deutschland. Dabei ist den Arbeitsmigranten damals wie heute eines gemeinsam: Sie wandern, weil ihr Beruf es erfordert oder weil sie in der Heimat nicht genügend Arbeit finden. Neben Armut, wirtschaftlicher Not, Karriereaussichten oder der Lust auf Abenteuer spielt heute immer öfter die Globalisierung eine große Rolle. „Die mobile Arbeitsgesellschaft hat heute viele Gesichter“, weiß Museumsleiter Dietmar Osses.