Walzwerk will weiter wachsen

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Manchmal versteckt sich hinter einer schlechten Nachricht eine gute: Wie berichtet, gibt Thyssen-Krupp seine Gleistechnik auf. Dadurch gehen für Bochum knapp 100 Arbeitsplätze verloren. Eigentümer des Hallenkomplexes ist schon seit 2001 das Walzwerk-Unternehmen Reinhold Mendritzki aus dem sauerländischen Plettenberg und das will expandieren – vor allem in Bochum.

Die Sauerländer sind gut aufgestellt. Rund 600 Mitarbeiter beschäftigt die Mendritzki-Holding insgesamt. Drei Standorte gibt es allein in Nordrhein-Westfalen. „Wir wollen investieren und denken konkret über eine Erweiterung in Bochum nach“, so Prokurist Ralf Althoff. Schon jetzt sucht die Firma gezielt neue Mitarbeiter. In Plettenberg sei strukturell keine Ausweitung möglich. In den letzten Jahren investierte Mendritzki kräftig in den Bochumer Standort.

Derzeit arbeiten an dem traditionellen Standort auf dem Gelände der Unteren Stahlindustrie 65 Mitarbeiter in Verwaltung und Produktion. Die riesige Halle wurde 1939-1940 im Rahmen der Erweiterung des Bochumer Vereins für kriegstechnische Produktion nach Plänen des bekannten Kölner Industriearchitekten Emil Mewes errichtet und überstand den Krieg nur leicht beschädigt. Nach dem Krieg bot sie als sogenannte BV-Halle etwa Platz für Boxkämpfe, gab die Kulisse für die Übergabe der in Bochum gegossenen Hiroshima-Glocken ab oder war Ort für eine der größten Bergarbeiterprotestversammlungen. Auch Veranstaltungen des Deutschen Katholikentags 1949 fanden in der gewaltigen Industrie-Kathedrale statt.

Noch bis zum 30. November wickelt Thyssen-Krupp in einem Teil der Halle die Reste seines Gleistechnikgeschäftes ab. Danach will das Kaltwalzwerk auch diesen Teil entweder selbst nutzen oder weiter vermieten. Fest steht heute, dass eine komplette Etage des mächtigen Verwaltungsquaders von Mendritzki selbst genutzt wird. Aufgrund der Dimensionen wird am Standort Bochum insbesondere Warmband als Vormaterial kalt weiter verarbeitet und von hier aus an Kunden geliefert. Das Unternehmen ist stolz, bis zu 65 000 Tonnen Vormaterial auf Lager zu haben, um so flexibel auf Kundenwünsche reagieren zu können.