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Von wegen tolerant – Bochums Ober-Schütze kritisiert Bericht

Von wegen tolerant – Bochums Ober-Schütze kritisiert Bericht

Der Vorsitzende des Bochumer Schützenkreises wehrt sich gegen einen WAZ-Artikel, der von einer toleranten Haltung des Verbandes gegenüber muslimischen Mitgliedern berichtet hatte. Der Kreis sei nicht der „Beschützer muslimischer Mitglieder“, schreibt Otto Hirschmann in einer skurrilen E-Mail.

Bochum. 

Ein WAZ-Artikel sorgt für einen bizarren Streit unter den Bochumer Schützen. Unter der Überschrift „Das Brauchtum und die Toleranz“ war die Redaktion vor kurzem der Frage nachgegangen, ob muslimische Mitglieder in den Vereinen akzeptiert und gewollt sind. In dem Text wurde der stellvertretende Vorsitzende des Schützenkreises, Klaus Dudda, mit dem Satz zitiert: „Wir haben (mit muslimischen Schützenkönigen, Red.) kein Problem.“ An so viel Toleranz stößt sich anscheinend der Vorsitzende des Verbandes, Otto Hirschmann. In einer E-Mail an die WAZ schreibt er, der Artikel „gibt keine Meinung des Schützenkreises Bochum-Wattenscheid-Hattingen wieder“.

Der Bericht griff die Diskussion auf, die die von einem konservativen Verband geforderte Absetzung eines Schützenkönigs aus Werl-Sönnern ausgelöst hatte: Der in die Schlagzeilen geratene Schütze ist Muslim. Hirschmann schreibt an die WAZ: „Der Deutsche Schützenbund, dessen Untergliederung unser Schützenkreis ist, ist mit einer Frage, ob ein Muslim Schützenkönig werden kann/darf, auch nicht konfrontiert, weil er aufgrund seiner Satzung konfessionell neutral ist. Insofern muss sich unser Schützenkreis auch nicht als Beschützer muslimischer Mitglieder generieren.“

Hirschmann betont die konservative Grundhaltung des Schützenkreises Bochum

Von der in die Kritik geratenen Organisation – einem eher kleinen Verband – distanziert er sich nicht: Er wehre sich gegen den Eindruck, „unser Schützenkreis stünde auf Seiten der Kritiker des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften“. Hirschmann betont indes die „enge Verbindung“ der Schützenbruderschaften „zur Kirche“.

Ein Verbandschef, der wütende Mails an den Chefredakteur schreibt, weil seine Klientel als tolerant beschrieben wurde? Der Altenbochumer ist Abteilungsleiter bei der BSG Langendreer, in der Schützen-Szene beschreiben ihn manche als Alphatier. Als die WAZ ihn nach seinem Verhältnis zu Ausländern befragen wollte, lehnte er ein Gespräch barsch ab: „Ich rede nicht mit Journalisten am Telefon.“