Das aktuelle Wetter Bochum 18°C
Bochum

Von Fleiß & Glauben

03.08.2008 | 19:05 Uhr

Nach umfänglichen Eingemeindungen wurde 1929 die Verwaltung der Großstadt Bochum im monumentalen neuen Rathaus zentralisiert.

Einen Renaissance-Palast - ausgerechnet in den Zeiten der Neuen Sachlichkeit - schenkte sich Bochum mit seinem neuen Rathaus. Nach den Eingemeindungen 1904 bis 1929, als u.a. Grumme, Hordel und Langendreer kassiert worden waren, wurde die Verwaltung der so enstandenen Großstadt in dem Neubau zentralisiert. Mit seiner Fertigstellung 1929 bekam der Kern der Innenstadt weltläufigen Charakter. Am alten Bau, einem früheren Hotel, führte nur ein schmaler Bürgersteig vorbei. Nun gab ein weitläufiger Vorplatz den Blick frei auf die Häuser der Mühlenstraße, der heutigen Hans-Böckler-Straße.

Im Krieg wurde dieses Areal fast völlig zerstört, doch schon Mitte der 50er Jahre war der Rathausplatz wieder die breiteste Straße Bochums und eine Drehscheibe des Verkehrs. Unvergessen bleiben die gläserne Kanzel des "Schupos" hoch über der Kreuzung und das Gewusel der vielen Straßenbahn, die hier hielten.

Entworfen hatte das Rathaus Karl Roth; der Architekt schuf ein durchrationalisiertes, seinerzeit hochmodernes Bürogebäude. Der Innenhof führte zu drei Kassenhallen - vor der bargeldlosen Zeit waren sie von Bedeutung für Steuereinkommen, Lohn-, Sozial- und sonstige Ausgaben.

Stilistisch ist der Monumentalbau mit seinen Skulpturen und Steinmetzarbeiten dem Stil der Renaissance nachempfunden. Den Krieg überlebt haben im Hof die "Brunnen der Schönheit" und "Brunnen des Glücks" sowie die florentinische Hauptportale, die unter dem Motto "In Labore Honos" ("In Arbeit liegt Ehre") christlichen Glauben und industriellen Fleiß thematisieren.

Entworfen und entstanden in den Jahren der ersten deutschen Republik, ist das Bochumer Rathaus ein zutiefst demokratischer Bau. Wie eine Kapelle ist der Ratssaal mit seinem Glockenturm - als zentraler Ort der Demokratie - in den Hof gestellt. Das steinerne Band, das sich als Sitzgelegenheit um das Gebäude zieht, vermittelt denselben öffentlichen Geist.

Von Jürgen Boebers-Süßmann

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1306511/create

Umfrage
Die Zukunft des Opel-Werks in Bochum steht auf der Kippe. Glauben Sie daran, dass der Standort nach 2015 erhalten bleibt?

Die Zukunft des Opel-Werks in Bochum steht auf der Kippe. Glauben Sie daran, dass der Standort nach 2015 erhalten bleibt?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Kemnade in Flammen
Bildgalerie
Volksfest
Festival der Kulturen
Bildgalerie
Ruhr International
Festumzug in Linden
Bildgalerie
Schützen
Messerschrf geschliffen
Bildgalerie
Handwerk
Aus dem Ressort
Opel-Betriebsrat dankt Grönemeyer für seine Unterstützung
General Motors
Bei seinem Konzert in Bochum widmete Herbert Grönemeyer den Titel „Bochum“ den Opel-Beschäftigten. Auch zur Belgschaftsversammlung im von der Schließung bedrohten Werk hatte er ein Grußwort geschickt. Jetzt bedankte sich der Betriebsratsvorsitzende bei dem Sänger mit einem langen offenen Brief.
Kemnade in Flammen: Zurück auf Anfang
Volksfest
„Ich will Eure Hände sehen!“ Sänger Mike Bauhaus schwitzt, Mutti schmachtet, Papa schmatzt. Schlager und Würstchen am Kemnader See: Das geht immer.