Volksfest für die Ruhr-Uni - 100.000 Menschen bei Blaupause

Die Unistraße als Fußgängerzone: Am Nachmittag flanierten Tausende Bochumer über die gesperrte Ausfallstraße.
Die Unistraße als Fußgängerzone: Am Nachmittag flanierten Tausende Bochumer über die gesperrte Ausfallstraße.
Foto: Gero Helm/Funke Foto Service

50 Jahre Ruhr-Uni Bochum - RUB feiert sich mit Blaupause

Party statt Verkehr. Auf der Universitätsstraße feiert die Ruhr-Universität Bochum ihren 50. Geburtstag. Vorbild der "Blaupause": das A40-Stillleben.
Sa, 06.06.2015, 17.40 Uhr

Party statt Verkehr. Auf der Universitätsstraße feiert die Ruhr-Universität Bochum ihren 50. Geburtstag. Vorbild der "Blaupause": das A40-Stillleben.

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Was wir bereits wissen
Bundespräsident Joachim Gauck kommt zum Festakt ins Audimax, rund 100.000 Menschen kommen zur Blaupause. Sie verbindet Uni und Stadt.

Bochum.. Kurz vor dem Beginn der Blaupause muss der Notdienst der Bogestra eingreifen. Annette und Wolfgang Sczesny und Heidi Bausen stecken im Fahrstuhl an der U-35-Station Waldring fest. 20 Minuten dauert die ungewollte Pause vor der Blau-Pause, für die sie bei der WAZ einen Tisch gewonnen hatten. Eine Briefmarke für die Bewerbung reichte. Das hätte für die Sczesnys kaum passender sein können. Sie hatten sich mit ihrer Idee Ansichtskarten zu schreiben beworben.

Mit solchen Problemen hat Bundespräsident Joachim Gauck wenige Kilometer weiter nicht zu kämpfen. Er wird am Samstag kurz vor dem Beginn der Blaupause gegen 11 Uhr zum gleichzeitig stattfindenden Jubiläumsakt des Ruhr-Uni-Jubiläums im Auto bis kurz vor das Audimax gefahren. Höchste Sicherheitsstufe hat das Bundeskriminalamt verhängt. Aussteigen, reingehen.

Gauck hat Zeit für den Festakt mit vielen warmen Worten – mehr aber nicht. Kein Spaziergang über den Campus, keine Blaupause. Am Abend sitzt er im Berlin im Stadion, sieht live das Finale um die Fußball-Champions-League.

Das Wetter bei der "Blaupause" passt, das Motto auch

An den WAZ-Tischen ist das am Morgen und am Mittag kein Thema, aber auch die Fahrstuhlgeschichte ist bereits Geschichte, die auf einer Postkarte erzählt wird. Zügig hat die Gruppe ihren Tisch am Block 89 bezogen und sofort los gelegt. „Es waren schon Menschen da und haben eine Karte geschrieben sagt Annette Sczesny. Karten gehen immer. An diesen Samstag aber gehen vor allem Menschen. Viele Menschen. Mehrere zehntausend Menschen.

Das Wetter passt, das Motto, das es auch auf T-Shirts und Stoffbeutel gedruckt zu kaufen gibt, auch: Wir machen nicht blau, sondern Pause. Auf 4,5 Kilometern ist die Universitätsstraße gesperrt. Eine Seite ist die Mobilitätsstrecke für Radfahrer, Inliner, Skater. Auf der anderen sind Tische aufgebaut. Mehr als 1200 verteilt auf etwas mehr als 100 Blöcke.

Die "Blaupause" ist der erhoffte Erfolg

An den „WAZ-Tischen“ haben neben den fleißigen Kartenschreibern auch die Mitglieder der Mitmach-Tanzgruppe von Regina Oesterwalbesloh und der Abitur-Jahrgang 1975 des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums Platz genommen. „Wir waren die letzte reine Mädchenstufe“, sagt Ute Knoop. Sie hat allerdings nicht die ganzen Tag Zeit, um mit ihren ehemaligen Mitschülerinnen in Erinnerungen zu schwelgen. Sie ist Mitglied im Verein der Ruhr-Volontäre.

Knowledge Die hatten sich bereits um den reibungslosen Ablauf beim Still-Leben auf der A40 gekümmert. Bei der Blaupause trägt Knoop nun Jacke und T-Shirt mit der Aufschrift „Pausen-Aufsicht“.

Streitigkeiten muss sie nicht schlichten. Von den vom „Bündnis gegen Burschenschaften“ angekündigten Protesten ist nichts zu sehen. Dafür aber scheint jede größere Partei der Stadt vertreten. Zahlreiche Institutionen und Firmen, Krankenhäuser mit Doktoren haben sich ebenso Tische gesichert wie Menschen, die sich einfach nur verabredet haben und nun an ihrem Tisch sitzen und essen und plaudern.

Viele Tische hat die Uni selber gebucht. Jede Fakultät scheint vertreten, stellt sich vor und kann das diesmal vor so vielen Menschen auf einmal machen, wie sonst selten. Bis zum Abend, so bilanziert die Uni, sind rund 100.000 Menschen über die gesperrte Straße geschlendert, gerollt und gefahren. Die Blaupause wird angenommen, ist ein Erfolg, wird wie erhofft das Volksfest, das Uni und Stadt weitere Schritte aufeinander zu bringt.