Villa an der Hattinger Straße in Bochum ist ein Wasserturm

Hinter dieser schmucken Fassade an der Hattinger Straße steht ein Wasserspeicher. Er ist aber längst außer Betrieb.
Hinter dieser schmucken Fassade an der Hattinger Straße steht ein Wasserspeicher. Er ist aber längst außer Betrieb.
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
Das herrschaftlich anmutende Gebäude wurde 1902/03 in Weitmar gebaut – mit einem Hochbehälter für den Mengen- und Druckausgleich des Leitungsnetzes.

Bochum..  Wer es nicht weiß, geht oder fährt „einfach so“ daran vorbei: Die Rede ist von dem alten Wasserspeicher in Weitmar an der Hattinger Straße. Das ist auch nicht verwunderlich, denn der Wasserturm sieht gar nicht aus wie einer, sondern wie ein altes Wohnhaus. Tatsächlich ist die schmucke Fassade nur Camouflage. Dahinter verbirgt sich eine technische Anlage, die Anfang des vorletzten Jahrhunderts auf dem allerneuesten Stand war.

Der 1902/03 errichtete Wasserhochbehälter stand im Zusammenhang mit dem geplanten Bau eines kleinen Wasserwerks für den Betrieb der Steinkohlezeche Friedlicher Nachbar in Linden. Da zur gleichen Zeit die neu gegründeten Verbands-Wasserwerke Bochum ebenfalls ein Wasserwerk im Ruhrtal als Quell ihrer Wasserlieferungen planten, verzichtete die Zeche auf ihr Vorhaben und wurde stattdessen Kunde des Verbandes. Dieser baute dann an der Hattinger Straße und in Harpen zwei Wasserspeicher, die zum Mengen- und Druckausgleich des Leitungsnetzes dienten.

Fassadengestaltung wirkt repräsentativ

Im Wasserturm, der längst nicht mehr betrieblich genutzt wird, ist seit Längerem das Deutsche Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst heimisch. Der Einrichtung der Büro- und Arbeitsräume kam die Tatsache zugute, dass das Gebäude als Kombination aus Wasserturm und aus Wohn- beziehungsweise Betriebsräumen gebaut worden war. Seine von dem Bochumer Unternehmen Scheven entwickelte Bauweise ist eine Sonderform, von der in Deutschland nur wenige Exemplare entstanden, und deshalb von besonderem baugeschichtlichem Wert. Logisch also, dass der Speicher heute unter Denkmalschutz steht.

Die Fassadengestaltung wirkt repräsentative, da sie an eine herrschaftliche Gründerzeitvilla erinnert. Auch das kam nicht von ungefähr, dann als der Turm gebaut wurde, war Weitmar noch eine eigenständige Gemeinde. Man war stolz darauf, nach jahrhundertelanger Prägung durch die Landwirtschaft nun auch Anschluss an die zukunftsträchtige Kohleförderung/Industrialisierung gefunden zu haben.

Das im äußeren Eindruck viergeschossige Gebäude verfügt im unteren Bereich über zwei Wohn- bzw. Bürogeschosse, während sich darüber zwei Wasserbehälter mit einem Volumen von insgesamt 2000 Kubikmetern befinden. Bis Ende der 1950er Jahre wurde der Wasserturm noch als Speicher genutzt. Mitte der 1970er Jahre übernahm die Stadt den Hochbehälter von den Stadtwerken, ließ ihn ab 1983 komplett sanieren und stellte ihn 1989 unter Denkmalschutz. Sein Pendant in Harpen wurde dagegen 1976 abgerissen.