Verwaltungsgericht hat ein Herz für Familie und Beruf

Richter am Verwaltungsgericht Gelsenkirchen haben einen familienfreundlichen Arbeitgeber. In seinem Jahresbericht versicherte Präsident Bernhard Fessler, dass er das Modell flexibler Arbeitsplätze und Arbeitszeiten weiter ausbauen wolle. Das gelte vor allem für den weiblichen wie auch männlichen Richternachwuchs, der auch die Elternzeit nutze. Im nächsten Jahr will das Gericht die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch weiter verbessern. Fessler versicherte, allen Kolleginnen und Kollegen noch flexiblere Dienste zu ermöglichen. Bis auf 30 Prozent kann die Arbeitszeit dann reduziert werden.

Immer häufiger werden junge Richter gefördert, in attraktive Stellen zum Ober- oder Bundesverwaltungsgericht wie auch als wissenschaftliche Mitarbeiter zum Justizministerium abgeordnet. „An unserem Gericht“, so Fessler, „sind die jungen Kollegen deutlich überrepräsentiert. Sie genießen eine optimale Einführung.“

Mit familienfreundlichen Arbeitsplätzen hat man gute Erfahrungen gemacht. „Reibungsverluste“, sagt Fessler, „hatten wir nicht, die Erledigungen der Verfahren konnten auf dem Niveau des Vorjahres gehalten werden.“

Über mangelnde Arbeit können die 60 Richter in 19 Kammern ohnehin nicht klagen. Von den 8343 Klageeingängen konnten im vergangenen Jahr 8130 Verfahren abgeschlossen werden. Wer vor dem Arbeitsgericht klagt, kann mit einer Dauer im Hauptsacheverfahren von durchschnittlich zehn Monaten rechnen. Geht es um den vorläufigen Rechtsschutz, wird innerhalb von sechs Wochen entschieden.

Die unterschiedliche soziale und politische Situation in vielen Ländern bekamen auch die Gelsenkirchener Richter zu spüren. Bei den Asylverfahren haben die Klagen mit 2387 Eingängen im Laufe des vergangenen Jahres um gut 33 Prozent zugenommen. 2147 Verfahren konnten erledigt werden. Vor allem beim vorläufigen Rechtsschutz ist der Anstieg beim Asylrecht mit 50 Prozent signifikant.

Das Verwaltungsgericht in Gelsenkirchen ist auch für die benachbarten Revierstädte zuständig. 60 Richterinnen und Richter arbeiten in 19 Kammern. Die 216 ehrenamtlich tätigen Laienrichter werden von den Kreisen und kreisfreien Städten vorgeschlagen und durch einen Wahlausschuss gewählt.