Das aktuelle Wetter Bochum 13°C
Religion

Verhülltes Altarkreuz bei jüdischem Konzert erhitzt Gemüter

02.11.2012 | 18:42 Uhr
Verhülltes Altarkreuz bei jüdischem Konzert erhitzt Gemüter
Bei dieser Veranstaltung im Mai 2011 mit Ben Redelings und Frank Goosen schien das Altarkreuz der Christuskirche nicht zu stören.Foto: Steffen Gerber

Bochum. Ein verhülltes Kreuz in der Christuskirche erhitzte am Donnerstag die Gemüter einiger Besucher. Während des Konzertes „Jewish Prayer“, der Auftaktveranstaltung der diesjährigen Biennale „Musik und Kultur der Synagoge“, war das Altarkreuz der evangelischen Kirche zunächst mit einem Tuch verhangen und später an den Rand der Kirche - mit der Vorderseite zur Wand - gestellt worden.

Er habe sich dafür sehr geschämt, schreibt Konzertbesucher Albrecht Winkler in einem Brief an unsere Zeitung. „Das Verhalten der Verantwortlichen bei diesem Konzert zeigt meines Erachtens nach ein völlig verkrampftes Verhältnis unseren jüdischen Mitbürgern gegenüber, denen man nicht zutraut, ein Kreuz anzuschauen. Christen aber mutet man zu, dass mit dem Kreuz wie mit einem Garderobenständer umgegangen wird“, führt der 66-Jährige aus.

Verhüllung und Enthüllung

Auch Pfarrer Manfred Keller, der das jüdische Konzert für die Ev. Stadtakademie mitorganisiert hatte, äußert seinen Unmut und erläutert den Vorgang so: „Von der Hausmeisterin erfuhr ich, dass Pfarrer Thomas Wessel die Tücher angebracht habe. Ich entfernte die Verhüllung – übrigens mit tätiger Mithilfe des jüdischen Musikers Semjon Kalinowsky. Herr Wessel verhüllte das Kreuz erneut.“

Wieder und wieder habe Keller die Tücher entfernt. „Vielleicht war es der Mangel an Tüchern, der Herrn Wessel dann veranlasste [...] das Kreuz vom Altar zu nehmen und es seitlich neben die Altarstufen zu stellen.“ Die Verhüllung des Kreuzes habe „der Grundlage meines christlichen Glaubens und meines theologischen Denkens“ widersprochen, so Manfred Keller. „Das Verhalten von Herrn Wessel ist inakzeptabel.“

Erklärung für die Verhüllung des Kreuzes

Auf WAZ-Anfrage erklärte Gemeindepfarrer Thomas Wessel: „Ich habe das Kreuz verhüllt, weil es auch ein Symbol ist, in dem sich eine große Unheilsgeschichte verdichtet.“ Aufgrund seiner engen Zusammenarbeit mit der jüdischen Gemeinde wisse er, „an welchen Stellen dort Empfindsamkeiten und Vorbehalte“ seien. Bei einer Veranstaltung, die den Bruch innerhalb der deutsch-jüdischen Tradition zeigen sollte, habe er als Hausherr dafür sorgen wollen, dass auch im Kirchenraum darauf Rücksicht genommen werde.

Anna Ernst

Kommentare
07.11.2012
22:41
Verhülltes Altarkreuz bei jüdischem Konzert erhitzt Gemüter
von Homer_Simpson | #9

Jeder "Hausherr" einer anderen Religion hätte dies aus Rücksicht wahrscheinlich nicht gemacht...

Funktionen
Fotos und Videos
Das Zeltfestival von oben
Bildgalerie
Aus der Luft
Bochums I-Dötzchen 2015
Bildgalerie
Schulstart
Rea Garvey beim Zeltfestival stolz
Bildgalerie
Festival
article
7254613
Verhülltes Altarkreuz bei jüdischem Konzert erhitzt Gemüter
Verhülltes Altarkreuz bei jüdischem Konzert erhitzt Gemüter
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/bochum/verhuelltes-altarkreuz-bei-juedischem-konzert-erhitzt-gemueter-id7254613.html
2012-11-02 18:42
Bochum, Altarkreuz, Juden, Christuskirche, Jewish Prayers, deutsch-jüdische Tradition,
Bochum