Verfremdungen greifen von Kunst in die Musik

Zum Auftakt der „Bochumer Tage für Neue Musik“ spielte die bekannte Bochumer Cellistin Christiane Conradt – begleitet von Pianistin Susanne Frenzel Wohlgemuth – drei Sätze aus Galina Ustwolskajas „Großem Duett“. Damit lieferte sie in der Melanchthonkirche ein intensives Zeugnis ihres tiefen Verständnisses für diese Musik des 20. Jahrhunderts. Sowohl ihr intuitiver Umgang mit den besonderen zeitlichen Dimensionen als auch ihr expressiver Celloton in dieser von verblüffend minimalistischen Mitteln geprägten Musik sprachen Bände.

Kantor Ludwig Kaiser zeigte sich erneut als Interpret und ehemaliger Schüler von Ernst Zacher, von dessen Tod genau vor einem Jahr die „Tage“ überschattet waren. In seinem originellen Orgelstück „Vokalise“ erinnerte der Gebrauch des Schwellwerkes etwa an Wellen, die unaufhörlich an den Strand angespült werden.

Das Thema „Verfremdungen“ fand sich in der Kunst von Ruth Biersbach als auch in einer Performance Kaisers von Mauricio Kagels „für singende Cembalistin“ anschaulich wieder: Beiden gemein war das Mittel der Collagetechnik und Ansätze des Surrealismus einerseits und das geistlich-religiöse Sujet andererseits. Dass die Melanchthonkirche so gut besucht war, ist wohl auch ein Zeichen der Anerkennung dieses wieder einmal feinsinnigen Programms.