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Verdi lässt Muskeln spielen

19.02.2008 | 20:33 Uhr

Mehr als 2000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes legten gestern vorübergehend die Arbeit nieder. Tarifangebot der Arbeitgeber nur "Rosstäuscherei"

"Bewegt euch endlich und gebt den hart arbeitenden Menschen im öffentlichen Dienst das, was ihnen zusteht." Was Marita Schalldach von der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See als Aufruf an die Arbeitgeberseite richtete, war deutlich. Deutlich auch die Forderung der Gewerkschaft: acht Prozent mehr Lohn und Gehalt, mindestens aber 200 Euro und die Übernahme der Auszubildenden.

Dagegen steht das Angebot der Arbeitgeber, was von der Gewerkschaft Verdi als "Rosstäuscherei" bezeichnet wird. "Was bisher vorliegt, ist eine Provokation, da die vier Prozent in drei Stufen und zwei Jahren tatsächlich für 2008 nur 2,5 Prozent und für 2009 nur 0,4 Prozent betragen würden. Dies sollen die Beschäftigten noch dazu mit einer auf 40 Stunden verlängerten Arbeitszeit bezahlen", so Verdi.

Um dagegen zu protestieren, legten gestern in Bochum mehr als 2000 Beschäftigte öffentlicher Einrichtungen vorübergehend die Arbeit nieder. "Ihr toppt heute alle Aktionen in unserem Bezirk", rief Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Monika Ludwig den Warnstreikenden vor der Agentur für Arbeit zu. Sie untermauerte erneut die Forderung: seit dreieinhalb Jahren hätten die Beschäftigten im öffentlichen Dienst keinen Cent dazubekommen, hätten aber Mehrwertsteuererhöhung und höhere Lebenshaltungskosten verkraften müssen. "Auch die Bürgerinnen und Bürger wissen dies und stehen auf unserer Seite."

Klaus-Jürgen Götz, Sprecher der Vertrauensleute und Personalratsvorsitzender bei der Agentur für Arbeit, wies zuvor auf die hohen Belastungen gerade bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Arbeitsagentur hin, die oftmals an ihre Grenzen stießen. Götz: "Dafür haben wir in der Vergangenheit viel zu wenig bekommen."

"Die Bundestagsabgeordneten", fuhr er fort, "haben sich in zwei Schritten mehr als neun Prozent genehmigt. Was für die vertretbar ist, soll für andere mit acht Prozent nicht verhandlungsfähig sein?" Man habe auf konjunkturelle Entwicklungen Rücksicht genommen und für Arbeitsplatzsicherheit auf Lohn- und Gehaltsforderungen verzichtet. Sarkastisch fügte Götz hinzu: "Wir empfangen das Arbeitgeber-Angebot voller Demut."

Monika Ludwig kündigte für Freitag einen "Tag der Gesundheit" an. Denn dann müsse man zu Fuß zur Arbeit gehen, weil keine Busse und Bahnen fahren werden. Und wenn es bei der nächsten Tarif-Verhandlungsrunde in der kommenden Woche keine Annäherung gebe, werde man Anfang März die Bochumer Innenstadt "platt legen."

Kommentar 2. Lokalseite

Von Norbert Schmitz

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