Urbanatix-Biker stürzen sich Hals über Kopf ins Vergnügen

Reine Kopfsache: Für Marius Hoppensack (hier mit seinem Biker-Kollegen Jonas Berndt aus Langendreer) sind derartige akrobatische Figuren längst Alltag.
Reine Kopfsache: Für Marius Hoppensack (hier mit seinem Biker-Kollegen Jonas Berndt aus Langendreer) sind derartige akrobatische Figuren längst Alltag.
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Mut, Kondition und jede Menge Training: Damit hat es Urbanatix-Artist Marius Hoppensack zu einem der besten Biker im Ruhrgebiet gebracht.

Bochum.. Gehen? Geht gar nicht. Da ist er langsam, schlurfig, lustlos, kommt kaum in die Gänge: „Zu Fuß bin ich ‘ne echte Niete.“ Anders auf dem Rad. Da zählt Marius Hoppensack zu den Besten seines Fachs. Wer mangels Lust am Laufen gleichfalls in die Pedalen treten will, sei aber gewarnt: Mit herkömmlichem Radeln hat die Fahrkunst des 26-Jährigen so wenig zu tun wie Federball mit Badminton.

Seit dem Kulturhauptstadt-Jahr 2010 haben die jungen Wilden der Straße in Bochum eine Heimstatt gefunden. Tänzer, Biker, Parkour-Läufer, Triker: Bei Urbanatix stehen die Streetart-Helden des Alltags im Rampenlicht, können das ganze Jahr trainieren, dürfen im Herbst in der Jahrhunderthalle auf großer Bühne ihr Können zeigen.

Leben im Revier Marius Hoppensack zählt seit 2011 zu den Urbanatix-Artisten aus dem Ruhrgebiet, die stets den größten Beifall einheimsen: Er ist Biker. Einer der waghalsigen Jungs auf ihren fliegenden Rädern. Dabei geht (Entschuldigung: fährt) der Duisburger fast als Profi durch. Zwar studiert er im achten Semester BWL. Doch bereits 2004 startete er bei seinem ersten Bike-Wettbewerb. 2006 unterschrieb er einen Sponsorenvertrag mit Adidas („Von denen krieg’ ich die Klamotten“). 2009 gründete er seine Firma „Beddo“, mit der er Rahmen und Teile für die Spezialräder entwirft, in Asien fertigen lässt und bis in die USA und Australien vertreibt.

"Der Spaß steht noch immer im Vordergrund"

Auch wenn die Passion zunehmend zur Profession wird: „Der Spaß steht noch immer im Vordergrund“, sagt Marius Hoppensack beim WAZ-Gespräch in der Urbanatix-Halle an der Bessemer Straße, wo sich die Crew derzeit auf die Eröffnung der Ruhr Games am kommenden Mittwoch in Essen vorbereitet. Mehrmals pro Woche ist der durchtrainierte Flitzer zudem allein oder mit Freunden in der freien Wildbahn unterwegs.

Soeben kommt er aus Winterberg, wo er in den sauerländischen Wäldern über Stock und Stein bretterte. Kein Problem für sein knapp zehn Kilo leichtes Ein-Gang-Bike, das dank optimaler („und sündhaft teurer“) Federgabeln fast jedes Hindernis meistert. Der Rest ist fahrerische Klasse, angeeignet in jahrelangem Training in Mutter Natur und auf selbstgezimmerten Rampen. Schwere Verletzungen inklusive.

Leben im Revier Zwar wird der Boden bei Übungssprüngen, Flügen und Salti meist mit Schaumstoff ausgelegt. Bei den Turnieren indes ist der Aufprall knallhart. „In Schwerin hab’ ich mir bei einem Sturz Anfang des Jahres das Wadenbein gebrochen. Davor hatte ich einen Milzriss in Holland und einen Kreuzbandriss in Oberhausen“, schildert Markus Hoppensack ohne Bedauern: „Dafür, dass ich so lange dabei bin, ist die Verletzungsliste relativ kurz.“

Anfängern macht er Mut. Klar, das Hobby ist bei Kosten ab 1000 Euro für ein vernünftiges Bike nicht billig. Ausdauer, Disziplin, Mumm und Kondition (der extrem niedrige Sattel dient nur als Flughilfe) braucht es ebenso. Aber: „Je intensiver man trainiert, desto schneller verschwindet die Angst. Dann macht’s einfach nur Spaß.“

Mit 26 nähert er sich dem Biker-Rentenalter. Aber solange die Knochen mitmachen, denkt er nicht ans Aufhören. Wär’ auch schlecht. Denn Gehen geht gar nicht.

Fahrradsommer am Sonntag im Westpark

Auf in den „Fahrradsommer der Industriekultur“: Der Regionalverband Ruhr (RVR) und die Bochumer Veranstaltungs GmbH (BoVG) laden am Sonntag, 31. Mai, wieder gemeinsam zu einem Familienfest rund ums Rad und Radfahren an und in der Jahrhunderthalle ein.

Auf einem Fahrradmarkt präsentieren zahlreiche Händler und Hersteller das Velo in seiner ganzen Modellvielfalt. Die Besucher haben bei freiem Eintritt Gelegenheit, alles, was zwei oder mehr Räder hat, Probe zu fahren: vom Stadtrad und Mountainbike bis zum Liegerad und Pedelec oder ausgefallenen Spezialrad. Zubehör ist gleichfalls im Angebot.

An touristischen Infoständen können die Ausflügler Anregungen für die nächste Freizeitaktivität mit dem Rad finden. Im Rahmen spannender Gästeführungen können sie zudem die Jahrhunderthalle über- und unterirdisch erleben und entdecken. Eine Sonderschau informiert über die „Industriekultur NRW“. Ein Bühnenprogramm mit Talkrunden und Live-Musik, Mitmachaktivitäten, eine Vortragsreihe (u. a. Radschnellweg Ruhr) sowie Spaß und Spiel für Kinder runden den Tag ab.

Mit dabei ist die Knappschaft. An einem Info-Stand wird ein Gewinnspiel gestartet. Hauptpreis ist – natürlich – ein Fahrrad. Zweiradfans können sich zudem Anregungen für ihren nächsten Ausflug holen – etwa auf dem „Guter-Rat-Weg“, einem neuen Teilstück des Ruhrtal-Radweges. Knappschafts-Sprecherin Susanne Heinrichs und Fachverkäufer Jürgen Fuß warten am Knappschafts-Stand mit Tipps rund ums Velo auf.

Der Fahrrad-Sonntag im Westpark beginnt um 11 Uhr. Das Ende wird gegen 17 Uhr eingeklingelt.