Über Altar und Bänke
09.12.2009 | 16:24 Uhr 2009-12-09T16:24:00+0100Klettern in der Kirche: Das Projekt „Zwischen Himmel und Erde” des Bistums Essen kommt in die Heimkehrer-Dankeskirche.
Nicht aufs, aber immerhin bis unters Dach lässt die Heimkehrer-Dankeskirche in Weitmar Anfang 2010 Besucher steigen. Vom 17. Januar bis zum 21. März weichen die Gebetsbänke eines der beiden Schiffe den Stahlträgern eines mobilen Hochseilgartens. „Zwischen Himmel und Erde” sollen Kirche und Klettern eine ganz besondere Verbindung eingehen.
In bis zu zehn Metern Höhe lassen Elemente wie die „Flying Bridge” oder die „Himmelsleiter” die Kletterer den Boden unter den Füßen verlieren – aber nicht den Halt. Denn natürlich sind immer zwei Profis dabei, die die Seile in der Hand halten und die Senkrechtstarter sichern. Auf diese Weise werde die Lebensfrage: „Gibt es überhaupt noch Menschen, die mich halten, die mich auffangen?” auf greifbare Weise beantwortet, beschreibt Gemeindereferent und Jugendbeauftragter Florian Rommert die Verknüpfung von Handfestem und Spiritualität.
Auch Stadt-Jugendpfarrer Matthias Feldmann betont die „Deutung, die über das konkrete Klettererlebnis hinausgeht.” Vertrauen, Mut, Halt finden, Loslassen – diese Wörter sollen in luftiger Höhe mit neuen Inhalten gefüllt werden. Die Kletterhalle in Riemke könne diesen Zweck nicht erfüllen, verteidigt Jugendreferent Stefan Hill die Kirche als Ort des Geschehens: „Die Kirche bietet einen Rahmen, Spiritualität zu erleben.” Und Pastoralreferent Andreas Strüde weist auf die besondere Atmosphäre in einer Kirche hin: „Ein Stück der Aufarbeitung geschieht durch den Kirchraum automatisch.”
Das Projekt „Zwischen Himmel und Erde” will vor allem Jugendliche ansprechen. Rommert beschreibt ihre Reaktionen an den bisherigen Standorten Gelsenkirchen und Oberhausen: „Die gehen rein und staunen erstmal. Die sind alle ganz ruhig – ohne, dass man dazu was sagen muss.” Die ungewöhnliche Aktion soll auch sonst kirchenferne Menschen in die Kirche führen. Rommert: „Wir erreichen damit auch Jugendliche, die womöglich noch nie in einer Kirche waren – oder zuletzt zu ihrer Taufe.”
Trotz allem ist das Projekt „natürlich nicht ganz unumstritten”, wie Rommert zugibt. Einige ältere Gemeindemitglieder sind der Meinung, dass Klettern und Kirche nicht zusammen passen – erst recht nicht in einem Mahnmal. Der Jugendbeauftragte ist anderer Meinung. „Man kann das durchaus zusammenbringen, das Kriegsmahnmal und den Hochseilgarten.” Ab dem 17. Januar können sich die Bochumer selbst ein Bild „Zwischen Himmel und Erde” machen.
Jeder darf sich mal ins Seil hängen
Die Kosten (2000 Euro) für Auf- und Abbau des sechs mal neun mal zehn Meter messenden Hochseilgartens tragen Pfarrei und Stadtkirche. Es sollen keine weiteren Kosten anfallen. Ein betreuter Termin dauert 2,5 Stunden und ist für Gruppen und Einzelpersonen ab 12 Jahren möglich: Gruppen bis zu 15 Mitgliedern zahlen 100 Euro, Einzelne 7 Euro. Außerdem gibt es folgende Termine für offenes Klettern: 17.1., 12.30 Uhr; 31.1., 15.30 Uhr; 19.2., 19.30 Uhr; 14.2., 28.2 und 14.3., 15.30 Uhr.

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