Trend geht zum Hausdrachen
04.07.2007 | 02:52 Uhr 2007-07-04T02:52:20+0200Exotische Tiere wie Bartagamen und Schlangen sind vor allem bei Allergikern beliebt. Einige Exemplare bringen jedoch auch Gefahren mit sich. Eine große Reptilien-Börse findet in dieser Woche in Werne statt
Miezekätzchen, Hunde, Wellensittiche und Meerschweinchen gelten weitläufig als klassische Haustiere. Doch sie haben einen gehörigen Nachteil: Wer mit ihnen schmusen will, darf alles sein - nur kein Allergiker. Diese haben Alternativen für sich entdeckt. So geht der Trend zu Reptilien. Die haben nämlich keine Haare, sondern Schuppen. Besonders beliebt sind die wie Drachen aussehenden Bartagamen.
"Gekauft werden sie in der Regel von 20- bis 35-Jährigen. Älter ist die Kundschaft nicht", sagt Stefan Eisenmenger vom Fachgeschäft Zoo Diemel. Bei der Haltung dieser Tiere gibt es aber viel zu beachten. "Bartagamen müssen artgerecht gehalten werden", so Jens Stirnberg, Mitarbeiter im Tierpark Bochum. Das Reptil, das ursprünglich aus den trockenen Regionen Australiens stammt, benötigt eine Temperatur von 30 Grad Celcius. Die Terrarien für solche Tiere dürfen auch nicht zu klein sein, da es sonst zu einer Überhitzung kommt. Alles andere, stimmt Stefan Eisenmenger zu, wäre Tierquälerei. Für seine eigenen bis zu 40 cm großen Bartagamen hat er extra ein etwa ein Meter langes Terrarium gebaut.
Einige Exoten bringen auch Gefahren mit sich: Bisse von Giftschlangen können tödlich enden. Der Bochumer Roland Byner ist nicht nur seit 16 Jahren Reptilienfreund, er ist außerdem bei der Feuerwehr im Rettungsdienst beschäftigt. Intensiv hat sich der 43-Jährige mit "Haustier-Unfällen" beschäftigt - und was man im Notfall dagegen tun kann.
In Kooperation mit der Technischen Universität München und der Rechtsmedizin in Frankfurt bietet Byner auf seiner Homepage www.terrarianer-bochum.de Informationen dazu, wie etwa bei einem Schlangenbiss gehandelt werden sollte. Ein kurzer Auszug: "Wichtigste Therapie ist ruhige Lagerung, weshalb der Betroffene auch am Bissort ruhig liegen bleiben sollte, bis er auf einer Trage ins Krankenhaus gebracht wird. Seltene schwere Reaktionen mit wiederholtem Erbrechen, Blutdruckabfall, Schwellung der Mund- und Halsregion treten auf, wenn das Bissopfer sich nach dem Biss viel bewegt und dadurch das Kreuzottertoxin im Organismus verteilt wird."
Roland Byners Leidenschaft für Haustiere der anderen Art erwachte im Alter von 27 Jahren. "Hund, Katze und Maus waren mir schlicht zu langweilig. Im TV hatte ich Schlangen gesehen und wollte nun selber eine haben", sagt er. Sein erstes Exemplar war damals eine pflegeleichte Boa Constrictor, später legte sich Byner giftige Mambas und Klapperschlangen zu. Obwohl er diese Tiere selber hält, wünscht der Feuerwehrmann sich strengere Gesetze. "In NRW und damit in Bochum kann sich jeder mal so eben ein Reptil kaufen. In Bayern etwa bedarf es vorher einer speziellen Genehmigung - was auch völlig richtig ist."
Eine große Terrarianer-Börse findet am Freitag, 6. Juli, im Bürgerhaus in Bochum-Werne, Am Born 10, statt. Einlass ist um 17 Uhr.

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