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Insolvenz

Traditionsbäckerei Fork in Bochum steht vor dem Aus

26.06.2013 | 17:03 Uhr
Traditionsbäckerei Fork in Bochum steht vor dem Aus
190 Beschäftigte in 43 Verkaufsstellen im Ruhrgebiet müssen nach der Fork-Insolvenz um ihre Arbeitsplätze bangen.Foto: Ingo Otto

Bochum.   Die Bäckerei Fork hat Insolvenz angemeldet. Somit bangen 190 Beschäftigte bei einem der größten und ältesten Bochumer Backbetriebe um ihre Arbeitsplätze. Ein Grund für die missliche wirtschaftliche Lage sind die preisgünstigen Selbstbedienungsläden in den Innenstädten. Zumindest bis Ende Juli sind die Löhne der Angestellten gesichert.

Auf 113 Jahre bringt es das Familienunternehmen, das 1900 von Bäckermeister Heinrich Fork gegründet wurde: auf dem Dahlacker in Riemke, wo die Bäckerei-Konditorei W. Fork GmbH bis heute mit ihrem Stammsitz und der Produktion firmiert.

Mit 43 Verkaufsstellen nicht nur in Bochum, sondern auch in Herne, Essen und im Kreis Recklinghausen, 15 Fahrzeugen und – laut Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) – 10 Mio. Euro Jahresumsatz zählt Fork zu den Marktführern im Ruhrgebiet.

„Doch Qualität und Tradition sind nicht mehr gefragt“, klagt Betriebsleiter Rico Rehberg im WAZ-Gespräch. Seit Jahrzehnten stemme sich das mittelständische Bäckerhandwerk gegen die Selbstbedienungsläden, die bevorzugt in den Innenstädten Backwaren zu kleinen Preisen anbieten.

Handwerksbäcker müssen Discounter verlassen

Deren Teiglinge werden laut NGG oft in Osteuropa vorproduziert. „Derweil ist der Kostendruck auf unsere Betriebe, die täglich frisch produzieren, Bäcker- und Konditormeister beschäftigen und qualifiziertes Verkaufspersonal in den Läden vorhalten, stetig gewachsen“, schildert Rico Rehberg.

NGG-Sekretär Torsten Gebehart bestätigt: „Ordentliche Löhne sind nur bei einem Brötchenpreis von 25 Cent möglich. Billigbäcker verlangen in der Regel nur 15 Cent.“

Aufgefangen werden die Verluste mancher Handwerksbetriebe durch Backshops in den verkaufsträchtigen Kassenzonen von Discountermärkten. Doch auch diese Einnahmequelle versiegt. Discounter wie Lidl oder Netto gehen zunehmend dazu über, eigene Backshops mit Automaten und Selbstbedienung zu betreiben, beobachtet die NGG. Die Handwerksbäcker müssen die Discounter verlassen. „Diese Entwicklung“ , berichtet Rico Rehberg, „hat unser Unternehmen in den ersten Monaten des Jahres überrollt.“

Läden bleiben mindestens bis Ende Juli auf 

Die Konsequenzen sind für Fork dramatisch. Beim Amtsgericht Bochum wurde in diesen Tagen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. „Die Bäckerei Fork kann dem Druck der Billiganbieter und Backtheken der Discounterketten nicht mehr standhalten“, erklärt der Herdecker Rechtsanwalt Manfred Gottschalk, der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt wurde.

Der Geschäftsbetrieb, betont Gottschalk, werde zunächst in vollem Umfang fortgeführt. Heißt: Die Fork-Läden bleiben vorerst geöffnet. Die Löhne und Gehälter der 190 Mitarbeiter seien bis Ende Juli durch das Insolvenzgeld gesichert.

Es gibt Hoffnung auf eine Zukunft für Fork. „Ich strebe eine Fortführung an“, sagt Rico Rehberg. Der 35-jährige Bäckermeister und Juniorchef wolle versuchen, das Traditionsunternehmen zu retten.

Jürgen Stahl



Kommentare
28.06.2013
20:45
Traditionsbäckerei Fork in Bochum steht vor dem Aus
von schneekiller | #16

Traditionsbäckerei? Mit 43 Filialen? Das wiederspricht sich doch schon in sich!
Für 43 Filialen kann man nur industriell produzieren wie die "Billigbäcker" es auch tuen!
Traditionelle Backwaren ließen sich in den benötigten Mengen gar nicht produzieren!
Also wird auch hier auf vorproduzierte Ware zurückgegriffen und die unterscheidet sich eben nicht von der "Billigbäckerware", nicht in der Qualität, nicht im Geschmack.

27.06.2013
16:18
Traditionsbäckerei Fork in Bochum steht vor dem Aus
von Greenkeeper01 | #15

Ich kann dazu sagen:,,Selber Schuld" Wenn ich bei Fork Backwaren gekauft habe,waren die von der Qualität nicht gut.Bei anderen Bäckereien,die für ihre waren oft viel mehr Geld verlangen,haben dank ihrer guten Qualität oft lange Schlangen vor ihren Verkaufstheken,weil die Kunden trotz ,,stolzer" Preise Wert auf Qualität legen.Wenn ich abends bei Fork ein Brot gekauft habe und wollte am nächsten Morgen davon essen,schmeckte es altbacken,was bei anderen Broten von den hier oft als tolle Bäckereien beschriebenen nicht sagen kann! Da kann ich nur sagen,dass der Nachfolger der Traditionsbäckerei sich wohl auf den Rosinen des Vorgängers ausgeruht hat und sich nicht um die Bedürfnisse der gut zahlenden Kunden gekümmert hat!

1 Antwort
Traditionsbäckerei Fork in Bochum steht vor dem Aus
von behr | #15-1

Genau DAS, dachte ich auch, als ich den Artikel las!
Von den Brötchen ganz zu schweigen, klein oft mickerig, selten auf den Punkt gebacken.
Bei anderen, z.B., Naber, Malzer oder Blankenhaus, bekommt, in solchen Fällen,
ein Brötchen mehr in die Tüte. Bei Fork: Fehlanzeige!

27.06.2013
15:58
Traditionsbäckerei Fork in Bochum steht vor dem Aus
von hossabossa | #14

lässt sich immer leicht sagen man soll auf qualität achten und beim bäcker oder metzger um die ecke kaufen.
ich denk es gibt menschen in diesem land, die sind froh wenn sie überhaupt was zu essen auf den tisch bekommen.
gerade familien, die von alg2 und billiglöhnen leben müssen.

1 Antwort
Traditionsbäckerei Fork in Bochum steht vor dem Aus
von lutzventura | #14-1

..das brot beim qualitätsbäcker hält gut eingepackt eine ganze woche..bei fork waren die backwaren oll bevor man zuhause ankam..je weniger geld ich zur verfügung habe desto mehr muß ich auf qualität achten..

..wer billig kauft kauft doppelt..

27.06.2013
15:54
Traditionsbäckerei Fork in Bochum steht vor dem Aus
von Frau_H_aus_Bochum | #13

„Doch Qualität und Tradition sind nicht mehr gefragt“, klagt Betriebsleiter Rico Rehberg "
DAS STIMMT SO NICHT, so einfach ist es nicht!
Es ist vielleicht richtig, dass Kunden nicht mehr darauf schauen, ob es den Bäcker seit 1878 oder seit 1975 gibt, das ist aber auch für die Qualität der Erzeugnisse, die in 2013 verspeist werden, absolut nicht relevant!

Im Gegenteil gibt es viele Kunden, die großen Wert auf QUALITÄT legen, warum haben den andere Bäckereien wie z.B. Wickenburg, Lingemann und Backbord Erfolg, obwohl deren Produkte viel teurer sind als in Backshops? Eben, weil die Qualität stimmt!
Und die Bäckerei Wickenburg hat aktuell sogar noch soviele Reserven/Kraft eine Benefizaktion (Delfine) für kranke Jungen zu stemmen. Chapeau!

27.06.2013
15:52
Traditionsbäckerei Fork in Bochum steht vor dem Aus
von FreieMeinungBo | #12

Nicht die ganze Wahrheit.

In Witten und Langendreer und anderen Teilen gibt es die Kette "Backhaus". Die vertreibt zu nahezu sündhaft teuren Preisen Backwaren alle Art. Das Ding in Langendreer ist immerzu gerammelt voll. Warum? Neben einer angemessenen Aufmachung, ist die Ware einfach exzellent. Da zahlen die Leute gerne mehr, viel mehr als bei den nebenan liegenden Löschern, Backtreff und Real/Kaufland etc.

Insofern kann ich sagen, dass ich über viele Jahre hinweg immer mal wieder bei Forck einkaufte, aber die Brötchen fand ich stets an der Grenze zu deströs. Brot ging so, der Rest sah oft mickrig aus.

und sorry: für Tradition zahlen ich NULL Aufpreis, die interessiert mich nicht.

27.06.2013
14:44
Traditionsbäckerei Fork in Bochum steht vor dem Aus
von Tender | #11

Wir Verbraucher haben es in der Hand, ob wir jetzt keine Bäckereien mehr wollen und die Qualität schlechter und schlechter zu werden akzeptiert wird.
Die Discounter diktieren den Markt und zerstören jedes gesunde Geschäftsfeld.
Auch die Metzer sterben immer mehr aus, weil es uns Verbraucher nicht mehr interessiert, ob wir Qualität bekommen. Da ist der nächste Gammelfleischskandal vorprogrammiert.
Back to the roots würd ich sagen, wenn ich König von Deutschland wär ;-)

27.06.2013
12:51
Traditionsbäckerei Fork in Bochum ist nur langfristig zu retten wenn...
von nitram1848 | #10

die Fillialen,die bis jetzt schwarze Zahlen geschrieben haben weitergeführt werden.
Zusätzlich muss die eintönige Warenpalette erneuert werden.
Die Quallität der Rohprudukte für Brot, Brötchen und Kuchen / Gebäck muss besser werden.
Unfreundliches,faules und teilweise unfähiges Bedienpersonal muss zwingend aussortiert werden.
Es muss wieder Kundenorientiertes Handeln stattfinden.

In diesem Sinne Glück Auf

1 Antwort
Traditionsbäckerei Fork in Bochum steht vor dem Aus
von Pella | #10-1

das ist leider so. Ich bin fast jeden Morgen zur selben Uhrzeit in immer derselben Fork-Filiale und kaufe dort was zum Frühstück. Wie es in dem Laden aussieht, was bspw auch schon an belegten Brötchen vorbereitet ist -und auch ob Aufwändigeres wie bspw Rührei dabei ist- hängt IMMER von den anwesenden Damen ab. Und dann wirken die am geschäftigtsten, die am wenigsten gemacht haben und die sind auch die unfreundlichsten. Gutes Personal ist die halbe Miete

27.06.2013
10:28
Traditionsbäckerei suchen ihr Heil in Qualitätssenkung
von meigustu | #9

kann nicht funktionieren.

27.06.2013
10:09
Traditionsbäckerei Fork in Bochum steht vor dem Aus
von nussknacker | #8

das nennt man normale Bereinigung des Marktes: ein schlechter Bäcker geht, gute bleiben bestehen!

1 Antwort
Traditionsbäckerei Fork in Bochum steht vor dem Aus
von drregrewz | #8-1

Sehr gut auf den Punkt gebracht!!

27.06.2013
10:04
Traditionsbäckerei Fork in Bochum steht vor dem Aus
von lutzventura | #7

eine nachricht die hoffen läßt auf den guten geschmack meiner mitmenschen.

die backwaren bei fork sind nämlich einfach legendär schlecht. sie bilden die grundlage für hohn und spott auf jeder party.
leider sind selbst die angesprochenen billigbäcker noch besser.

das es auch anders geht sieht man zum beispiel bei hutzl, troll und allen voran wickenburg.
die im übrigen, wenn man geschmack, mitarbeiterbehandlung und haltbarkeit einrechnet auch noch deutlich günstiger sind.

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