Tiefgarage in Bochum wird wöchentlich auf Statik geprüft

Der Eingang "Pralinenpavillon" auf dem Dr.-Ruer-Platz in Bochum führt in die Tiefgarage.
Der Eingang "Pralinenpavillon" auf dem Dr.-Ruer-Platz in Bochum führt in die Tiefgarage.
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Tiefgarage unter dem Dr.-Ruer-Platz in Bochum gilt als die älteste bundesweit. Das Problem: Ein Gutachter muss wöchentlich die Statik prüfen.

Bochum.. Weniger Verkehr auf dem Dr.-Ruer-Platz. Mit Pollern will die Stadtverwaltung verhindern, dass zu viele und zu schwere Fahrzeuge über einen der zentralen Plätze Bochums fahren. Sie hat den Verdacht, dass die Deckenschicht über dem Parkhaus die Statik beeinträchtig. Ein Gutachter prüft seit zwei Monaten wöchentlich, ob das Bauwerk bereits beschädigt ist.

Warum ist diese engmaschige Prüfung notwendig?

„Das ist dem Alter geschuldet“, sagt Diplom-Ingenieur Karl-Heinz Reikat vom Tiefbauamt. „Wir wissen relativ wenig über das Gebäude.“ Die Parkanlage unter dem Dr.-Ruer-Platz ist vermutlich die älteste Tiefgarage Deutschlands, Anfang der 1960er Jahre hat sie ein Kaufmann aus Essen errichten lassen. Erst seit 2010 ist sie im Besitz der Stadt. Die vor mehr als 50 Jahren beim Bau angenommenen Belastungen haben sich seit dem verändert, so etwa das Gewicht von Fahrzeugen. Außerdem hat es in den 1980er Jahren eine Veränderung des womöglich jetzt schwereren Deckenaufbaus gegeben. Beides ist lückenhaft dokumentiert.

Was muss geklärt werden?

Die Statik von Garage und Decke ist nach Berechnungen von 1960 ausgelegt und sieht etwa geringere Lasten vor, als heute durch schwere Fahrzeuge wie Lkw oder Kräne erzeugt werden. Schon seit langem dürfen daher auf einem rotmarkierten Ring auf dem Platz nur Fahrzeuge bis zwölf Tonnen Gewicht fahren und im Zentrum des Platzes nur Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen stehen. „Leider hält sich nicht jeder an die Beschilderung“, sagt Diplom-Ingenieur Gisbert Soldat vom Tiefbauamt. Die Zahl der Fahrzeuge und ihr Gewicht könnten die Deckenkonstruktion der Tiefgarage womöglich zu sehr belasten. Geklärt werden soll nun, ob die Gewichtsbeschränkung noch verschärft werden muss.

Was passiert momentan?

Gutachter Dr. Detlef Krassin vom Ingenieurbüro Stangenberg untersucht einmal in der Woche die Decke des obersten Stockwerks der Tiefgarage. Er sucht nach Rissen im Beton. „Gefunden haben wir bis jetzt keinen“, sagt der Ingenieur. Dabei wären Risse bis zu 0,3 Millimeter Breite noch im Toleranzbereich. Krassin: „Das hier ist eine solide Konstruktion.“ Risse, so der Bauingenieur, der promoviert hat zum Thema „Berechnungsverfahren für das Langzeitverhalten von Stahlbetonkonstruktionen“, wären erste Anzeichen für Schäden. Weitere Warnmerkmale wären bröckelnder Beton oder Hinweise auf eine Korrosion der im Beton liegenden Stahlmatten.

Kein Anlass zur Sorge für Passanten oder Nutzer

Gibt es für Passanten oder Tiefgaragennutzer Anlass zur Sorge?

„Nein“, sagen Gutachter und Tiefbauamt-Mitarbeiter. Die Belastungen durch Menschenansammlung seien unproblematisch, bis zu 500 Kilogramm pro Quadratmeter sind erlaubt. Genauer kontrolliert werden müssten Punktlasten, die etwa schwere Fahrzeuge erzeugen.

Wie geschieht das?

Eine Computersimulation soll Anhaltspunkte dafür liefern, ob und wie die Belastungsgrenzen verändert werden müssen. Von Juni an soll der unerlaubte Verkehr durch Poller an den Kopfenden des Platzes unterbunden werden. Anwohner werden mit Dreikant-Schlüsseln ausgestattet.

Werden alle städtischen Bauwerke so akribisch kontrolliert?

Es gibt drei Kontrollstufen für Tiefgaragen, Brücken oder andere Bauwerke: die jährliche Begehung, die Untersuchung alle drei Jahre und die Hauptuntersuchung alle fünf Jahre. Gerade an Brücken wurden erhebliche Schäden festgestellt. „Die meisten Bauwerke haben wir aber abgearbeitet“, so die Mitarbeiter des Tiefbauamts.